KiK Filialschließungen 2025: Discounter vor großen Herausforderungen
Die aktuellen Nachrichten rund um die KiK Filialschließungen haben den Textildiscounter in den Fokus der öffentlichen Diskussion gerückt. Nach aktuellen Medienberichten könnten bis zu 400 der rund 2.400 Filialen in Deutschland geschlossen werden. Die KiK Filialschließungen stehen dabei sinnbildlich für einen grundlegenden Wandel im stationären Einzelhandel und werfen Fragen nach den Ursachen, den betroffenen Regionen und den Auswirkungen auf Mitarbeiter und den Markt auf.
Ursachen für die KiK Filialschließungen
Inhaltsverzeichnis
Im Zentrum der Entscheidung steht laut Unternehmensangaben die Überprüfung des Filialnetzes. Ziel ist es, die Wirtschaftlichkeit zu sichern und auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren. Hintergrund dieser Maßnahme sind vor allem ein verschärfter Wettbewerbsdruck im Textilhandel, steigende Betriebskosten und ein verändertes Konsumverhalten – insbesondere durch den anhaltenden Trend zum Onlinehandel. Hinzu kommt eine spürbare Kaufzurückhaltung, ausgelöst durch Inflation und gesunkene Konsumfreude. Auch Lieferkettenprobleme haben die Situation verschärft.
KiK betont, es handle sich um einen kontinuierlichen Prozess, den Bestand der Filialen regelmäßig zu prüfen und unrentable Standorte zu schließen. Trotz der Filialschließungen sollen auch weiterhin neue Geschäfte eröffnet und das Filialnetz modernisiert werden. Der größte Teil der weltweit 4.200 KiK-Filialen (2.400 davon in Deutschland) gilt laut Unternehmen als profitabel.
Folgen für Mitarbeiter und Kunden
Noch ist nicht klar, wie viele Mitarbeiter tatsächlich von den KiK Filialschließungen betroffen sein werden. KiK beschäftigt europaweit rund 32.000 Menschen, davon etwa 19.000 in Deutschland. Das Unternehmen gibt an, betroffenen Mitarbeitern möglichst alternative Stellen in verbleibenden Filialen anbieten zu wollen. Für Kunden bedeutet die Entwicklung, dass das Angebot in manchen Regionen eingeschränkt wird, insbesondere an Standorten mit schwacher Wirtschaftlichkeit. Gleichzeitig bleibt die Versorgung in Ballungszentren durch die hohe Filialdichte weitgehend bestehen.
Marktumfeld und Vergleich zur Gesamtlage im Einzelhandel
Die KiK Filialschließungen sind ein Spiegelbild des derzeitigen Umbruchs im stationären Einzelhandel in Deutschland. Der Handelsverband Deutschland (HDE) erwartet für 2025 ein nur geringes Umsatzwachstum von rund 2 Prozent bei gleichzeitigem Rückgang der Geschäftsanzahl – schätzungsweise 4.500 Einzelhandelsgeschäfte könnten im laufenden Jahr bundesweit schließen. Besonders betroffen sind preisorientierte Textilketten, die mit hoher Konkurrenz, steigenden Energie- und Personalkosten sowie rückläufigen Besucherzahlen zu kämpfen haben. Der Onlinehandel baut seine Marktanteile beständig aus: 2024 lag sein Anteil am Gesamtumsatz bereits jenseits der 13 Prozent, Tendenz steigend.
Personelle Veränderungen und strategischer Ausblick bei KiK
Bei KiK gab es 2025 umfassende personelle Veränderungen im Führungsteam. CEO Patrick Zahn, der fast zwei Jahrzehnte im Unternehmen war und seit 2016 den Vorsitz der Geschäftsführung innehatte, hat das Unternehmen mit sofortiger Wirkung verlassen. Sein Ausscheiden erfolgte auf eigenen Wunsch und in enger Abstimmung mit dem Gesellschafter Tengelmann Twenty-One KG. Die Nachfolge wird zu einem späteren Zeitpunkt offiziell bekannt gegeben werden.
Unter Zahns Leitung entwickelte KiK Maßnahmen zur internationalen Expansion, baute ein Kundenbindungsprogramm auf, führte moderne Filialkonzepte ein und verstärkte die Beschaffung durch den Aufbau internationaler Sourcing Offices. Zudem trieb er die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in die Unternehmensstrategie voran.
Im Zuge der Neuaufstellung des Managements hat bereits zum 1. August 2025 Christian Kümmel die Position des CFO übernommen. Zum 1. November 2025 wird außerdem Agnieszka Jaworska in die Geschäftsführung eintreten und die Verantwortung für Einkauf, Sortimentsgestaltung und Beschaffung übernehmen. Diese personellen Neubesetzungen sind Teil einer strategischen Neuausrichtung, mit der KiK auf die aktuellen Herausforderungen am Markt reagieren will.
Internationale Entwicklungen
Die KiK Filialschließungen sind nicht nur ein deutsches Phänomen. Auch in anderen Ländern kommt es zu Anpassungen. In Österreich betreibt KiK mehr als 250 Filialen und erwirtschaftete 2023 rund 163 Millionen Euro Umsatz. Trotz dieser positiven Zahl blieb unter dem Strich ein Nettoverlust im zweistelligen Millionenbereich. Im Zuge dessen wurde erstmals eine Filiale geschlossen. Beobachter gehen davon aus, dass auch dort unrentable Standorte künftig auf dem Prüfstand stehen.
In Osteuropa, wo KiK in Ländern wie Polen, Tschechien, Ungarn und Kroatien präsent ist, gibt es bislang keine umfassenden Schließungswellen. Allerdings hat das Unternehmen in der Vergangenheit bereits angedeutet, die Expansion in ausgewählten Märkten zu verlangsamen. Vor allem in Ungarn und Rumänien ist der Wettbewerb mit anderen Textildiscountern wie Pepco besonders intensiv. Sollte sich die wirtschaftliche Lage verschlechtern, könnten auch dort KiK Filialschließungen folgen.
Auch in Südeuropa bestehen Risiken. In Italien und Spanien hatte KiK zunächst vorsichtige Expansionsschritte unternommen, diese aber in den letzten Jahren gebremst. In beiden Märkten sind Miet- und Personalkosten hoch, was eine rentabel arbeitende Filiale erschwert. Branchenexperten erwarten, dass KiK künftig sehr selektiv bei der Standortwahl vorgehen wird.
Neue Chancen trotz KiK Filialschließungen
Die KiK Filialschließungen markieren für das Unternehmen nicht nur einen Einschnitt, sondern auch den Beginn einer neuen strategischen Phase. Die Unternehmensführung hat angekündigt, das verbleibende Filialnetz bis 2028 grundlegend zu modernisieren. Dazu gehören Investitionen in Ladenbau, digitale Kassensysteme und ein vereinfachtes Warenmanagement. Ziel ist es, die Einkaufsatmosphäre zu verbessern und die Effizienz im operativen Geschäft zu steigern.
Ein weiterer Ausblick betrifft den Onlinehandel. Bislang spielte E-Commerce bei KiK nur eine Nebenrolle. Branchenkenner erwarten jedoch, dass der Discounter künftig stärker in digitale Kanäle investiert. Ein professioneller Onlineshop, kombiniert mit Click-&-Collect-Optionen in den Filialen, könnte helfen, Kunden an das Unternehmen zu binden und Umsätze stabiler zu machen.
Auch Nachhaltigkeit rückt in den Fokus. Nach den KiK Filialschließungen will das Unternehmen den ökologischen Fußabdruck verringern – etwa durch effizientere Logistik, weniger Verpackungsmaterial und eine stärkere Orientierung an nachhaltigen Textilien. Damit reagiert KiK nicht nur auf regulatorische Vorgaben, sondern auch auf wachsende Erwartungen der Konsumenten.
Für die kommenden Jahre bleibt die zentrale Herausforderung, die Balance zwischen Schrumpfung und Wachstum zu finden. Während einerseits unrentable Standorte geschlossen werden, könnten neue Filialen in wachstumsstarken Regionen eröffnet werden. Ob KiK damit eine Rückkehr auf einen stabilen Wachstumspfad gelingt, wird stark davon abhängen, wie sich das Konsumverhalten in Deutschland und Europa entwickelt.
Insgesamt zeigt der Ausblick, dass die KiK Filialschließungen zwar kurzfristig eine Belastung darstellen, langfristig jedoch eine Chance sein können, das Unternehmen zukunftssicher auszurichten.
Faktenbox
| Wichtige Fakten zu den KiK Filialschließungen | |
|---|---|
| Betroffene Filialen in Deutschland | Bis zu 400 von rund 2.400 |
| Filialen gesamt Europa | ca. 4.200 |
| Österreich | 254 Filialen, 2023 Umsatz 163 Mio. €, Verlust ~12,8 Mio. € |
| Osteuropa | Präsenz u. a. in Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien |
| Mitarbeiter | ~32.000, davon ~19.000 in Deutschland |
| Umsatz 2023 | ≈ 2,4 Mrd. Euro |
| Geplante Modernisierungen | Umfassende Neugestaltung aller Filialen bis 2028 |
| Strategische Ziele bis 2028 | Modernisierung, Ausbau Onlinehandel, stärkere Nachhaltigkeit |