US E-Commerce erreicht wieder das Niveau von 2020

Fünf Jahre nach dem pandemiebedingten Schub hat der US E-Commerce erstmals wieder den Anteil am Einzelhandel erreicht, der während des Lockdowns im Jahr 2020 verzeichnet wurde, so Marketplace Pulse. Laut aktuellen Daten des U.S. Census Bureau lag der Onlinehandel im zweiten Quartal 2025 bei 16,3 Prozent der gesamten Einzelhandelsumsätze – exakt auf dem Niveau des zweiten Quartals 2020.

US E-Commerce erreicht wieder das Niveau von 2020
US E-Commerce erreicht wieder das Niveau von 2020

Langsamer Aufstieg nach dem Lockdown

Während viele Marktbeobachter damals von einer dauerhaften Verhaltensänderung ausgingen, zeigte sich im Nachhinein ein anderes Bild. Der US E-Commerce profitierte zwar kurzfristig von einer erzwungenen Verlagerung der Konsumgewohnheiten, doch die anschließende Rückkehr in den stationären Handel ließ die Wachstumsraten deutlich sinken. Zwischen 2020 und 2022 fiel das Wachstum im Onlinehandel auf 6,5 Prozent, während der stationäre Einzelhandel 2021 um 16,9 Prozent zulegen konnte.

Erst ab 2022 setzte eine kontinuierliche Normalisierung ein: Der Anteil des US E-Commerce stieg von 14,2 Prozent im zweiten Quartal 2022 auf 16,3 Prozent im aktuellen Quartal. Dieser Verlauf gilt als Zeichen einer stabilen und nachhaltigen Entwicklung, die nicht mehr von Sondereffekten, sondern von der bewussten Wahl der Konsumenten getragen wird.

Fehleinschätzungen der großen Anbieter

Die damaligen Prognosen führten zu erheblichen Fehleinschätzungen bei großen Plattformen. Amazon stellte innerhalb von zehn Monaten mehr als 427.000 neue Mitarbeiter ein, Shopify verdoppelte seine Belegschaft. In beiden Fällen folgten später umfassende Stellenstreichungen, nachdem sich das erhoffte Dauerwachstum nicht einstellte. Shopify-CEO Tobias Lütke räumte offen ein, dass die Wette auf ein dauerhaft beschleunigtes Wachstum im US E-Commerce nicht aufgegangen sei.

Gesamtmarkt wächst weiter

Trotz der Schwankungen zeigt sich, dass der Einzelhandel in den USA insgesamt stark expandiert hat. Das Marktvolumen wuchs von 5,25 Billionen US-Dollar im Jahr 2018 auf 7,38 Billionen US-Dollar im Jahr 2024, was einem Zuwachs von rund 40 Prozent in sechs Jahren entspricht. Der US E-Commerce konnte sich in diesem Umfeld nicht durch Verdrängung des stationären Handels behaupten, sondern durch echte Marktvergrößerung.

Strukturelle Entwicklung statt Ausnahmesituation

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre verdeutlichen, dass der pandemiebedingte Wachstumsschub lediglich ein Vorgriff auf zukünftige Entwicklungen war. Anstatt einer dauerhaften Verschiebung handelte es sich um ausgeliehenes Wachstum, das sich inzwischen in eine normale, stetige Entwicklung zurückverwandelt hat. Historische Daten zeigen, dass der US E-Commerce bereits vor 2020 jährlich rund einen Prozentpunkt Marktanteil am Einzelhandel hinzugewinnen konnte.

Internationale Entwicklungen im Vergleich zum US E-Commerce

Ein Blick auf die globale Lage zeigt, dass der US E-Commerce im internationalen Vergleich eine mittlere Position einnimmt. In Märkten wie China liegt der Anteil des Onlinehandels am Einzelhandel deutlich höher: Dort überschritt er bereits 2024 die Marke von 30 Prozent. Europa bewegt sich mit großen Unterschieden zwischen den einzelnen Ländern: Während in Großbritannien über 25 Prozent der Einzelhandelsumsätze online erzielt werden, liegt Deutschland mit rund 19 Prozent unter dem europäischen Spitzenwert.

Der US E-Commerce bleibt damit ein wichtiger Referenzmarkt, da er durch die Größe des Binnenmarkts und die Innovationskraft führender Plattformen wie Amazon und Shopify globale Trends prägt. Gleichzeitig zeigt der Vergleich, dass weiteres Wachstumspotenzial vorhanden ist, da andere Märkte bereits höhere Onlineanteile realisieren konnten. Experten sehen hierin ein Signal, dass der US E-Commerce seinen langfristigen Wachstumspfad fortsetzen dürfte, auch wenn dieser schrittweise und nicht sprunghaft verläuft.

Perspektiven für die kommenden Jahre

Für die Zukunft gehen Experten davon aus, dass technologische Fortschritte, neue Formen der Personalisierung und verbesserte Lieferketten das Wachstum des Onlinehandels weiter unterstützen werden. Dennoch bleibt der stationäre Einzelhandel relevant, da er Funktionen erfüllt, die der digitale Handel nicht ersetzen kann. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass Unternehmen wie Amazon und Warby Parker ihre Programme zum „Testen zu Hause“ wieder eingestellt haben.

Mit einem Anteil von aktuell 16,3 Prozent am gesamten US-Einzelhandel bleibt der US E-Commerce ein wachstumsstarkes Segment. Das Beispiel der letzten fünf Jahre verdeutlicht jedoch, dass nachhaltige Entwicklung anders aussieht als kurzfristige Krisenimpulse.

Fakten zum US E-Commerce
Aktueller Anteil am Einzelhandel16,3 % (Q2 2025)
Höchststand während COVID16,3 % (Q2 2020)
Einzelhandelsvolumen 20185,25 Billionen USD
Einzelhandelsvolumen 20247,38 Billionen USD
Wachstum US E-Commerce 2020+42 %
Wachstum US E-Commerce 2022+6,5 %
E-Commerce-Anteil China 2024ca. 30 %
E-Commerce-Anteil Großbritannien 2024über 25 %
E-Commerce-Anteil Deutschland 2024ca. 19 %