GLS Germany CEO Moritz Eichhöfer setzt auf Out-of-Home-Strategie

Seit April 2025 führt Moritz Eichhöfer als CEO die Geschäfte von GLS Germany. Im Interview mit der Verkehrs Rundschau macht er deutlich, welche Schwerpunkte er setzen will. Neben Digitalisierung und Nachhaltigkeit rückt dabei vor allem die Out-of-Home-Strategie in den Mittelpunkt, die er als entscheidenden Hebel für die künftige Wettbewerbsfähigkeit von GLS bezeichnet.

GLS Germany CEO Moritz Eichhöfer setzt auf Out-of-Home-Strategie
GLS Germany CEO Moritz Eichhöfer setzt auf Out-of-Home-Strategie

Out-of-Home-Strategie als Gamechanger der Paketlogistik

Nach Einschätzung von Eichhöfer wird die Out-of-Home-Strategie die Paketlogistik in Deutschland grundlegend verändern. Gemeint ist die Zustellung von Paketen an Abholpunkte wie Paketshops oder Stationen, statt direkt an die Haustür der Empfänger. Während dieses Modell in vielen europäischen Ländern bereits etabliert ist, sieht Eichhöfer in Deutschland noch erhebliches Potenzial. „Ein flächendeckendes Out-of-Home-Ökosystem wird ein Gamechanger für die Paketlogistik“, betont der GLS Germany CEO.

Aktuell verfügt GLS über rund 8.900 Paketshops und 600 Paketstationen. Gemeinsam mit DPD und Partnern wie Myflexbox will das Unternehmen das Netz in den kommenden Jahren auf 20.000 Standorte ausbauen. Schon in wenigen Wochen soll der 10.000. Out-of-Home-Punkt eröffnet werden. Für den Ausbau plant GLS jährlich zweistellige Millioneninvestitionen.

Vorteile für Kunden und Unternehmen

Die Out-of-Home-Strategie hat nach Angaben von Eichhöfer gleich mehrere Vorteile. Zum einen lassen sich Pakete gebündelt an Konsolidierungspunkte liefern, was erhebliche Kosteneinsparungen ermöglicht. Pro Sendung könne ein zweistelliger Cent-Betrag eingespart werden. Zum anderen fügt sich die Abholung in Paketshops oder Stationen besser in den Alltag der Kunden ein – sei es beim Einkauf im Supermarkt, beim Tanken oder im Wohnquartier.

Darüber hinaus sieht Eichhöfer in der Out-of-Home-Strategie eine Möglichkeit, die steigenden Anforderungen durch den wachsenden E-Commerce-Markt effizient zu bewältigen. Bereits heute denkt GLS darüber nach, ob die klassische Haustürzustellung in Zukunft ein Premium-Produkt werden könnte.

Out-of-Home-Strategie ergänzt B2B-Kerngeschäft

Auch wenn die Paketmengen aus China, etwa durch Anbieter wie Temu und Shein, derzeit stark wachsen, bleibt der Fokus von GLS auf dem B2B-Segment. Zwei Drittel des Geschäfts entfallen weiterhin auf Geschäftskunden. Die Out-of-Home-Strategie soll vor allem im B2C-Bereich zusätzliche Wachstumsimpulse liefern.

Eichhöfer betont, dass die Nachfrage nach flexiblen Zustelllösungen zunimmt. Während Geschäftskunden weiterhin auf Zuverlässigkeit und Qualität setzen, erwarten Privatkunden zunehmend mehr Komfort und Transparenz bei der Paketabholung. Hier soll die Out-of-Home-Strategie entscheidend sein, um neue Kundengruppen anzusprechen.

Wirtschaftliche Herausforderungen und Investitionen

Die deutsche Wirtschaft befindet sich nach Jahren der Stagnation in einer leichten Erholung. Auch GLS profitiert davon, liegt mit Mengen und Umsatz über dem Vorjahr. Dennoch bleiben die Rahmenbedingungen anspruchsvoll. Besonders die geplante Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns ab 2026 führt zu erheblichen Mehrkosten, die Eichhöfer auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr beziffert.

Neben Preisanpassungen setzt GLS auf Prozessoptimierungen, Automatisierung und digitale Innovationen. Hierzu gehören Echtzeit-Tracking mit Zehn-Minuten-Genauigkeit, KI-gestützte Prognosen für Paketmengen sowie der Einsatz von Sortierrobotern in Depots. Diese Entwicklungen unterstützen auch die Out-of-Home-Strategie, da sie Abläufe effizienter und kundenfreundlicher gestalten.

Nachhaltigkeit bleibt ein zentrales Ziel

Die Out-of-Home-Strategie wird von umfassenden Nachhaltigkeitsmaßnahmen begleitet. Schon heute setzt GLS in über 300 deutschen Städten rund 1.500 emissionsarme oder emissionsfreie Fahrzeuge ein – ein Viertel der gesamten Zustellflotte. Im Fernverkehr kommen Elektro-Lkw, Biogas, HVO100 und Wasserstoffantriebe zum Einsatz.

Das Ziel ist klar: Bis 2045 will GLS Net-Zero erreichen. Dazu sollen 90 Prozent der CO₂-Emissionen im Vergleich zu 2021 vermieden werden, die restlichen zehn Prozent werden kompensiert.

Ausblick: Out-of-Home-Strategie bis 2027 flächendeckend

Bis 2027 will GLS ein flächendeckendes Out-of-Home-Netz in Deutschland etablieren. Die Abholpunkte sollen überall erreichbar sein – auch zu Fuß oder mit dem Rad. Laut Eichhöfer könnten bis 2030 rund 40 Prozent der Privatkundenpakete über Out-of-Home-Punkte zugestellt werden. Für ihn ist klar: Nur mit einer konsequenten Out-of-Home-Strategie kann GLS seine Wettbewerbsfähigkeit sichern und gleichzeitig die steigenden Anforderungen in Sachen Kosten, Servicequalität und Nachhaltigkeit erfüllen.

Faktenbox

GLS Germany – Eckpunkte der Out-of-Home-Strategie
CEO Moritz Eichhöfer (seit April 2025)
Bestehendes Netz 8.900 Paketshops + 600 Paketstationen
Ziel bis 2027 20.000 Out-of-Home-Punkte
Investitionen jährlich zweistelliger Millionenbetrag
Kostenvorteil ein zweistelliger Cent-Betrag pro Paket
Nachhaltigkeit 1.500 emissionsarme Fahrzeuge, Net-Zero bis 2045