Chinesische Online-Händler entern Europa – Gefahr für den deutschen E-Commerce?

Chinesische Online-Händler wie Temu und Shein, bekannt für extrem günstige Preise und ein breit gefächertes Sortiment, geraten in den USA zunehmend unter Druck. Gründe dafür sind unter anderem regulatorische Hürden, sinkende Nutzerbewertungen sowie steigende Marketingkosten. Das Wachstum der Plattformen stagniert – und Europa rückt stärker in den Fokus der Anbieter.

Chinesische Online-Händler entern Europa – Gefahr für den deutschen E-Commerce?
Chinesische Online-Händler entern Europa – Gefahr für den deutschen E-Commerce?

Europa im Visier: Chinesische Online-Händler auf Expansionskurs

Die strategische Verlagerung in europäische Märkte gilt als nächster logischer Schritt für die chinesischen Anbieter. Laut Prof. Dr. Sascha Hoffmann, Experte für Online-Management an der Hochschule Fresenius, ist das Wachstumspotenzial in Europa weiterhin hoch. Entscheidend werde sein, ob es Temu, Shein und vergleichbaren Plattformen gelingt, das Vertrauen europäischer Kunden in Qualität, Service und Datenschutz zu stärken. Gelingt dies, sei ein Durchbruch in den Mainstream durchaus möglich.

Deutsche Anbieter geraten zunehmend unter Druck

Der deutsche Online-Handel steht vor großen Herausforderungen. Während sich stationäre Händler in den vergangenen Jahren gegen die digitale Konkurrenz behaupten mussten, spüren nun auch etablierte Online-Anbieter den wachsenden Wettbewerb aus Asien. So fährt Otto ein Sparprogramm, inklusive Stellenabbau. Zalando wiederum hat den Konkurrenten About You übernommen – ein Schritt, der als Reaktion auf den zunehmenden Druck interpretiert wird.

Dr. Sascha Hoffmann sieht in der Expansion chinesischer Online-Händler ein „reales Risiko“ für die deutsche Wirtschaft. Besonders in den Bereichen Preissteuerung, Personalisierung und digitaler Reaktionsgeschwindigkeit seien die chinesischen Plattformen ihren europäischen Mitbewerbern voraus. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssten die deutschen Anbieter genau hier aufholen.

Regulierung durch die EU – erste Schritte erkennbar

Auch auf politischer Ebene wird die Entwicklung mit Sorge beobachtet. Die EU-Kommission hat bereits ein Verfahren gegen Shein eingeleitet. Zur Diskussion stehen Maßnahmen wie eine pauschale Paketgebühr für Lieferungen aus Drittstaaten, die Abschaffung der Zollfreigrenze sowie eine Verpflichtung zur digitalen Rückverfolgbarkeit von Produkten. Ziel ist es, faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen und die massive Einfuhr billiger Ware zu begrenzen.

Prof. Hoffmann betont, Europa müsse keine vollständige Abschottung betreiben, wohl aber klare Rahmenbedingungen setzen. Die EU solle Wettbewerb ermöglichen, aber gleichzeitig Standards bei Nachhaltigkeit und Fairness sichern.

Perspektiven für den deutschen Online-Handel

Langfristig, so Hoffmann, liege die Chance des deutschen E-Commerce in der Verbindung von digitaler Exzellenz mit europäischen Werten. Während chinesische Online-Händler bei Sortimentsbreite, Geschwindigkeit und Datennutzung führend seien, könnten europäische Anbieter durch Qualität, Transparenz und Nachhaltigkeit punkten – vorausgesetzt, sie investieren gezielt in ihre digitalen Kompetenzen und optimieren gleichzeitig ihre Kostenstrukturen.

Der Erfolg des deutschen Online-Handels wird maßgeblich davon abhängen, wie schnell und konsequent Unternehmen auf die neuen Wettbewerbsbedingungen reagieren. Die Expansion chinesischer Plattformen ist keine temporäre Bedrohung, sondern eine strategische Entwicklung mit weitreichenden Folgen.

Veränderte die Marktmechanismen in Europa

Chinesische Online-Händler wie Temu und Shein verändern die Marktmechanismen in Europa grundlegend. Ihr Erfolgsrezept aus günstigen Preisen, hoher Sortimentsvielfalt und aggressiver Expansion stellt den deutschen E-Commerce vor eine Bewährungsprobe. Ob deutsche Anbieter künftig bestehen können, hängt nicht nur von ihrer Innovationskraft ab, sondern auch von einem politischen Rahmen, der Fairness und Nachhaltigkeit ermöglicht.