Aufschwung im Onlinehandel: E-Commerce wächst stabil – Asiatische Plattformen treiben das Wachstum
Der deutsche Onlinehandel verzeichnet im ersten Halbjahr 2025 wieder ein klares Umsatzplus. Nach einem schwierigen Jahr 2023 steigen die Umsätze mit Warenverkäufen im Internet laut Zahlen des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (bevh) um 3,5 Prozent auf 39,84 Milliarden Euro – ohne Inflationsbereinigung. Im zweiten Quartal allein lag das Plus bei 3,8 Prozent. Auch digitale Dienstleistungen wie Reisebuchungen oder Ticketkäufe konnten zulegen. Der Aufschwung im Onlinehandel wird dabei maßgeblich durch verändertes Konsumverhalten und neue Technologien getrieben.
Digitale Nachfrage zieht wieder an
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Insbesondere im zweiten Quartal 2025 zeigt sich der Trend stabil. Die digitalen Dienstleistungen verzeichneten ein Plus von 4,4 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. Der Umsatz mit Waren im E-Commerce kletterte im Zeitraum April bis Juni auf 20,16 Milliarden Euro. Martin Groß-Albenhausen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des bevh, sieht darin eine Rückkehr der Shoppinglaune: „Der Onlinehandel erreicht die Menschen zunehmend über soziale Medien, Apps und KI. Das treibt den Aufschwung im Onlinehandel spürbar an.“
KI als Teil des Einkaufsprozesses
Knapp jeder Fünfte in Deutschland nutzt inzwischen Künstliche Intelligenz wie ChatGPT zur Produktsuche. 19,3 Prozent der Befragten geben an, bereits gezielt Empfehlungen von KI-Anwendungen einzuholen. Allerdings bleiben viele Nutzer vorsichtig: Sechs von zehn Konsumenten würden einer KI-Empfehlung nicht ohne eigene Recherche folgen.
Wachstum in einzelnen Warengruppen
Besonders deutliche Zuwächse verzeichnen im zweiten Quartal 2025 Bekleidung (+ 5,2 Prozent), Freizeitartikel (+ 4,1 Prozent) sowie Einrichtung (+ 4,6 Prozent). Ein herausragendes Wachstum zeigt sich bei Haus- und Heimtextilien mit + 10,5 Prozent und bei Schuhen mit + 7,6 Prozent. Auch Online-Apotheken profitieren: Der Umsatz mit Medikamenten stieg infolge des E-Rezepts um 7,2 Prozent.
Dagegen mussten Elektronikartikel und Telekommunikation einen Rückgang von 3,7 Prozent hinnehmen. Ähnlich schwach entwickelten sich Auto- und Motorradzubehör (- 6,0 Prozent) sowie Bücher und Hörbücher (- 2,2 Prozent).
Detaillierte Umsatzentwicklung im E-Commerce (Q2 2025, inkl. USt.)
| Kategorie | Q2/2024 (Mio. €) | Q2/2025 (Mio. €) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| CLUSTER Bekleidung | 4.470 | 4.700 | +5,2 % |
| CLUSTER Unterhaltung | 5.592 | 5.670 | +1,4 % |
| CLUSTER Freizeit | 2.657 | 2.765 | +4,1 % |
| CLUSTER Einrichtung | 3.240 | 3.389 | +4,6 % |
| CLUSTER Täglicher Bedarf | 2.411 | 2.515 | +4,3 % |
| Bekleidung | 3.446 | 3.599 | +4,4 % |
| Haus- & Heimtextilien | 373 | 412 | +10,5 % |
| Schuhe | 1.023 | 1.101 | +7,6 % |
| Bücher / Ebooks / Hörbücher | 698 | 682 | –2,2 % |
| Bild- & Tonträger/Downloads | 749 | 810 | +8,1 % |
| Elektronikartikel & Telekommunikation | 2.632 | 2.535 | –3,7 % |
| Computer/Zubehör/Software/Spiele | 1.512 | 1.643 | +8,7 % |
| Hobby & Freizeitartikel | 909 | 977 | +7,5 % |
| DIY & Blumen | 1.021 | 1.060 | +3,8 % |
| Möbel, Lampen & Dekoration | 1.356 | 1.395 | +2,9 % |
| Haushaltswaren & -geräte | 1.512 | 1.581 | +4,6 % |
| Drogerie | 863 | 872 | +1,0 % |
| Lebensmittel | 1.015 | 1.060 | +4,5 % |
| Schmuck & Uhren | 203 | 217 | +6,8 % |
| Auto & Motorrad/Zubehör | 385 | 362 | –6,0 % |
| Spielwaren | 341 | 366 | +7,1 % |
| Bürobedarf | 192 | 202 | +5,2 % |
| Medikamente | 448 | 480 | +7,2 % |
| Tierbedarf | 533 | 583 | +9,4 % |
| Sonstiges | 221 | 224 | +1,5 % |
Gesamtumsätze mit Waren im E-Commerce: 20,16 Mrd. € (+3,8 %)
Digitale Dienstleistungen: 3,89 Mrd. € (+4,4 %)
Marktplätze und Hersteller profitieren überdurchschnittlich
Der Aufschwung im Onlinehandel verteilt sich nicht gleichmäßig über alle Vertriebskanäle. Besonders stark konnten Online-Marktplätze zulegen, die im zweiten Quartal ein Umsatzplus von 5,9 Prozent verzeichneten. Auch Direktverkäufe von Herstellern (D2C) legten um 5,6 Prozent zu. Internet-Pure-Player sowie Apothekenversender und Shoppingclubs wuchsen gemeinsam um 2,7 Prozent.
Multichannel-Händler hingegen mussten einen Rückgang von 2,8 Prozent hinnehmen. Damit setzt sich der Negativtrend für klassische Händler mit zusätzlichem Online-Angebot fort.
Asiatische Plattformen treiben das Wachstum
Einen wesentlichen Beitrag zum Aufschwung im Onlinehandel leisten asiatische Anbieter wie Temu, Shein und AliExpress. Ihr Anteil an den gesamten Online-Bestellungen stieg im zweiten Quartal auf 6,4 Prozent. Besonders in der Modebranche erreichen sie Marktanteile von bis zu 28 Prozent (Modeschmuck). Ihr Umsatz legte um über 37 Prozent zu – auf fast 1 Milliarde Euro. Damit entfällt rund ein Drittel des gesamten E-Commerce-Wachstums auf diese Plattformen.
Ausblick: E-Commerce im Umbruch
Nach fünf Quartalen mit Wachstum ist der Aufschwung im Onlinehandel bestätigt. Dennoch bleibt der Wettbewerb intensiv. Preisbewusste Kunden, steigende Konkurrenz aus Drittstaaten und neue Technologien verändern den Markt nachhaltig. Während einige Händler von der Digitalisierung und Reichweite der Plattformen profitieren, geraten andere unter Druck. Die Herausforderungen im Multichannel-Handel zeigen, dass nicht alle Marktteilnehmer gleichermaßen vom Trend profitieren.