Trumps Zölle zwingen chinesische Amazon-Händler aus dem US-Markt

Die von US-Präsident Donald Trump verhängten Strafzölle auf chinesische Waren haben gravierende Folgen für Amazons Marktplatz. Insbesondere chinesische Amazon-Händler geraten unter massiven Druck, da ihre Importwaren in den USA plötzlich deutlich teurer werden. Viele dieser Händler heben entweder die Preise an oder ziehen sich gänzlich vom US-Markt zurück. Dies bleibt nicht ohne Auswirkungen auf Amazon selbst: Wenn rund die Hälfte aller Amazon-Verkäufer aus China stammt, trifft ein Rückzug dieser Anbieter den Onlinehandelsriesen spürbar.

Trumps Zölle zwingen chinesische Amazon-Händler aus dem US-Markt
Trumps Zölle zwingen chinesische Amazon-Händler aus dem US-Markt

Donald Trumps Zollpolitik und ihre Folgen

Trump hat einen Handelskonflikt mit China vom Zaun gebrochen und sukzessive Importzölle erhöht. Im April 2025 eskalierte die Situation: Geplante US-Zölle von bis zu 125 % auf chinesische Importe – eine drastische Steigerung gegenüber den bereits geltenden 104 % – wurden angekündigt. Die Absicht dahinter: den Druck auf China zu erhöhen und Handelsungleichgewichte zu korrigieren. Diese Strafzölle verteuern jedoch viele importierte Produkte in den USA erheblich, was bereits für Unruhe bei Online-Händlern sorgte. Trump und sein Team wollen zwar verhindern, dass die höheren Kosten an US-Verbraucher weitergegeben werden, und forderten große Händler wie Amazon und Walmart auf, die Zölle quasi zu „schlucken“ (also geringere Margen in Kauf zu nehmen).

Dennoch lässt sich eine solche Kostenexplosion kaum vollständig intern abfedern – die Weltwirtschaft spürt die Erschütterungen deutlich. Amazon etwa warnte seine Investoren, dass Trumps Zollpolitik das Geschäft im laufenden Quartal belasten könnte. Zwar bemerkte Amazon-CEO Andy Jassy bisher keine Nachfrageschwäche, doch er registrierte Hamsterkäufe bei bestimmten Produkten aus Angst vor baldigen Preiserhöhungen. Experten warnen bereits vor leeren Regalen im Sommer, da Lieferungen aus China zuletzt stark zurückgingen – eine direkte Folge der Zölle, die den Nachschub verzögern und verteuern.

Chinesische Amazon-Händler unter Druck

Chinesische Amazon-Händler, die in den USA verkaufen, stehen vor einem Dilemma: Entweder sie erhöhen ihre Preise drastisch – und riskieren damit, Kunden zu verlieren – oder sie geben den US-Markt auf. „Das ist nicht nur ein Steuerproblem. Die gesamte Kostenstruktur wird damit völlig überfordert“, klagt Wang Xin, Vorsitzende der Shenzhen Cross-Border E-Commerce Association. Ihre Organisation vertritt über 3.000 Amazon-Verkäufer in China.

Wang spricht von einem „beispiellosen Schlag“ für die Branche. Sollte Trump seine Zollpläne umsetzen, „wird es für jeden sehr schwer sein, auf dem US-Markt zu überleben“, warnt sie. Denn die Zölle führen nicht nur direkt zu höheren Einkaufskosten, sondern auch zu Verzögerungen beim Zoll und steigenden Logistikkosten – Faktoren, die die ohnehin dünnen Margen vieler Händler aus China völlig aufzehren könnten.

Trumps Zölle zwingen chinesische Amazon-Händler aus dem US-Markt
Trumps Zölle zwingen chinesische Amazon-Händler aus dem US-Markt

Viele chinesische Amazon-Händler bereiten Preiserhöhungen vor oder haben sie bereits umgesetzt. Laut einer Umfrage von Reuters planen drei von fünf befragten Shenzhen-Händlern, ihre US-Preise deutlich anzuheben, während zwei der Händler sogar erwägen, den US-Markt komplett zu verlassen. Viele Händler orientieren sich nun um und suchen Absatzmärkte, in denen keine solchen Strafzölle anfallen.

Doch diese Strategie hat Grenzen. Kein anderer Absatzmarkt bietet eine vergleichbare Kaufkraft wie die USA, sodass alternative Märkte wie Europa oder Südostasien nur einen Teil der wegfallenden US-Nachfrage kompensieren können. Die Folge könnten intensivere Preiskämpfe unter chinesischen Exporteuren in den übrigen Märkten sein. Schon jetzt zeichnen sich Überkapazitäten ab, die zu sinkenden Großhandelspreisen führen – kurzfristig ein Vorteil für Importeure anderswo, langfristig aber riskant, wenn Hersteller später ihre Preise wieder anziehen.

Um die Marge zu halten, müssten die Preise um mindestens 20 % steigen, bei teureren Artikeln sogar um 50 %. Chinesische Amazon-Händler sehen deshalb keinen Sinn mehr darin, neue Produkte für den US-Markt zu entwickeln. Sobald die aktuellen Lagerbestände abverkauft sind, werden sie die Preise stark anheben müssen – falls dann ein Verkauf in den USA überhaupt noch sinnvoll ist. In dem Fall müsste die Produktion in Länder wie Vietnam oder Mexiko verlagert werden, um die Strafzölle zu umgehen.

Für viele kleinere chinesische Unternehmen kommt diese Entwicklung einer Existenzbedrohung gleich. China ist Heimat von unzähligen Amazon-Händlern – allein in Shenzhen sind über 100.000 Amazon-Unternehmen registriert, mit einem gemeinsamen Jahresumsatz von rund 35,3 Mrd. US-Dollar. Trumps Zölle drohen gerade diese kleineren Firmen hart zu treffen, was einen Anstieg der Arbeitslosigkeit in China zur Folge haben könnte. Zudem wurde eine bisherige Schlupflücke geschlossen: Früher konnten chinesische Amazon-Händler Kleinsendungen unter 800 $ zollfrei in die USA schicken (de-minimis-Regel). Dieser Vorteil entfällt jetzt, wodurch jede Lieferung – egal wie klein – verzollt wird. Damit sind auch Direktversand-Modelle (etwa über Plattformen wie Wish, Temu oder AliExpress) schwieriger und teurer geworden. Unterm Strich schnürt die US-Zollpolitik die chinesischen Amazon-Seller im amerikanischen Markt immer weiter ein.

Folgen für Amazon: Weniger Wettbewerb, höhere Preise?

Für Amazon bedeuten die Entwicklungen zweierlei: Zum einen muss der Konzern damit rechnen, zahlreiche Händler auf dem US-Marktplatz zu verlieren, zum anderen steigen auch für Amazon selbst die Beschaffungskosten vieler Produkte. Der Anteil chinesischer Verkäufer auf Amazon.com liegt Schätzungen zufolge bereits bei über 50 %. Bricht ein signifikanter Teil dieser Anbieter weg, schrumpft das Produktangebot und womöglich auch der Preisdruck im Marketplace. Kurzfristig könnten bestimmte Kategorien weniger Auswahl bieten oder ausverkauft melden, wenn chinesische Lieferanten wegfallen – einige US-Verbraucher dürften höhere Preise und leere Regale zu spüren bekommen. Amazon versucht zwar gegenzusteuern, doch die Balance ist schwierig: Einerseits steht der Konzern unter politischem Druck, die Zollkosten nicht einfach an die Kunden weiterzugeben, andererseits wollen die Händler und Lieferanten ihre Margen sichern.

Trumps Zölle zwingen chinesische Amazon-Händler aus dem US-Markt
Trumps Zölle zwingen chinesische Amazon-Händler aus dem US-Markt

Amazon hat bereits auf Trumps Zolloffensive reagiert. Berichten zufolge übt der E-Commerce-Riese Druck auf seine Zulieferer aus, insbesondere auf jene, die Waren aus China beziehen. Sie sollen Preisnachlässe gewähren, um die Verteuerung durch die Zölle abzufedern. Laut der Financial Times hat Amazon von betroffenen Lieferanten Preisreduzierungen im niedrigen zweistelligen Prozentbereich verlangt. Außerdem hat Amazon eine große Zahl direkter Importe aus China storniert und bezieht stattdessen Waren von Lieferanten, die bereits Lagerbestände in den USA haben. Damit umgeht Amazon teilweise die neuen Zölle, indem es auf bereits eingeführte Ware zurückgreift.

Bei Importen aus anderen Ländern (also nicht China) zeigt sich Amazon etwas kulanter: Dort übernimmt der Konzern Berichten zufolge ein Drittel der zusätzlichen Kosten selbst, um Preiserhöhungen für die Verbraucher abzuschwächen. Amazon-Finanzchef Brian Olsavsky betont, man tue „alles, um die Preise für Verbraucher niedrig zu halten“, soweit dies wirtschaftlich sinnvoll sei. In Einzelfällen hat Amazon Kunden sogar kommuniziert, dass man gewisse Kostenerhöhungen akzeptiere – allerdings nur, wenn die Lieferanten im Gegenzug eine feste Marge für Amazon einräumen. So soll sichergestellt werden, dass Amazon nicht auf den Kosten sitzenbleibt, falls die Endpreise später doch sinken.

Trotz dieser Maßnahmen bleibt die Situation angespannt. Amazon steht vor der Herausforderung, sein Marktplatz-Ökosystem stabil zu halten, während die Lieferkette aus China ins Wanken gerät. Das Unternehmen muss womöglich neue Beschaffungsquellen erschließen und gleichzeitig seine Händlerbasis diversifizieren. Interessant ist, dass nicht nur chinesische Amazon-Händler betroffen sind: Über 70 % der US-Onlinehändler beziehen ihre Waren ganz oder teilweise aus China. Damit treffen Trumps Zölle auch viele amerikanische Marketplace-Händler und D2C-Brands, die in China produzieren lassen. Sie verlieren durch die Zölle ihren Kostenvorteil und könnten ihre Wettbewerbsfähigkeit einbüßen – oder sie verlagern ebenfalls ihre Produktion ins Ausland (nach Mexiko, Vietnam etc.), was aber Zeit und Investitionen erfordert.

Was bedeutet das für Onlinehändler?

Onlinehändler, ob auf Amazon oder außerhalb, müssen diese Entwicklungen genau beobachten. chinesische Amazon-Händler verlagern ihren Fokus teils auf andere Regionen oder ziehen sich zurück – was für heimische Händler Chancen und Risiken birgt. Weniger Konkurrenz aus China auf Amazon.com könnte bedeuten, dass US-Händler temporär weniger Preisdruck haben und möglicherweise Marktanteile gewinnen. Allerdings fallen viele günstige Bezugsquellen weg bzw. werden teurer, was die Beschaffungskosten auch für lokale Verkäufer steigen lässt. Einige amerikanische Händler haben eventuell die Gelegenheit, eigene inländische Produkte besser zu positionieren, solange Import-Alternativen teuer sind.

Trumps Zölle zwingen chinesische Amazon-Händler aus dem US-Markt
Trumps Zölle zwingen chinesische Amazon-Händler aus dem US-Markt

In Europa sorgt man sich indes, ob abwandernde chinesische Amazon-Händler nun den hiesigen Markt überschwemmen könnten. Schließlich suchen die chinesischen Anbieter neue Absatzwege und Europa wäre der nächstgrößere E-Commerce-Markt. Doch bislang gibt es keine Anzeichen für eine Flut chinesischer Händler auf europäischen Amazon-Marktplätzen. Die Zahl chinesischer Neuanmeldungen auf Amazon.de ist nach Trumps Wahlsieg Ende 2024 nicht nennenswert gestiegen. Branchenbeobachter halten eine spontane Verlagerung vieler China-Seller nach Europa für eher unwahrscheinlich – zu unterschiedlich sind die Marktbedingungen (Sprache, Recht, Kundenservice) und zu komplex die EU-Regulatorik (z.B. Produktsicherheitsnormen, Rückgaberecht, Mehrwertsteuerpflichten).

Zudem ist der US-Markt profitabler als der europäische, was einen vollständigen Shift für viele Händler wenig attraktiv macht. Gleichwohl könnten europäische Onlinehändler indirekt profitieren: Wenn chinesische Hersteller durch Nachfragerückgang in den USA Überkapazitäten haben, sind sie eher bereit, Preiszugeständnisse zu machen. Importeure in Europa erhalten kurzfristig bessere Einkaufskonditionen, etwa niedrigere Preise oder flexiblere Zahlungsziele, weil chinesische Produzenten ihre Auslastung halten wollen. Wer clever ist, baut jetzt seine Margen aus oder lagert günstig Ware ein – allerdings mit Bedacht, denn mittelfristig könnten Engpässe auftreten, falls sich die Lage normalisiert.

Für Onlinehändler bedeutet der Handelsstreit: wachsam bleiben und flexibel reagieren. Diversifizierung lautet das Gebot der Stunde – sowohl was Beschaffungsmärkte angeht (z.B. Alternativen zu China prüfen) als auch Absatzmärkte. Händler, die stark vom US-Geschäft mit China-Ware abhängen, sollten über Nearshoring oder lokale Lager nachdenken, um Zöllen zu entgehen. Zudem empfiehlt es sich, finanzielle Polster aufzubauen, um temporäre Kostensteigerungen auffangen zu können, ohne alle Mehrkosten sofort an Kunden weiterzugeben. Amazon-Händler in Europa könnten die Lücken, die chinesische Amazon-Händler in den USA hinterlassen, nutzen, um dort Fuß zu fassen – vorausgesetzt, sie können trotz Zöllen wettbewerbsfähig liefern.

Amazon-Marktplatz im Umbruch

Die aggressive Zollpolitik Donald Trumps hat den globalen Onlinehandel in Aufruhr versetzt. Besonders Amazon spürt die Auswirkungen unmittelbar: Viele chinesische Amazon-Händler – ein wesentlicher Bestandteil des Marktplatz-Ökosystems – ziehen sich aus dem US-Markt zurück, und Amazon muss Wege finden, das Angebot für Kunden dennoch attraktiv zu halten. Für chinesische Händler ist die Lage prekär; einige verlagern Produktion und Absatzmärkte, andere geben auf. Amazon selbst steht unter Zugzwang, gegenüber Kunden preisstabil zu bleiben und zugleich die Beziehungen zu Lieferanten neu auszuhandeln.

Für Onlinehändler weltweit ist dies eine lehrreiche Phase: Handelskonflikte können Marktregeln über Nacht ändern. Wer breit aufgestellt ist – mit mehreren Lieferanten, unterschiedlichen Herkunftsländern und diversen Absatzkanälen – wird resilienter durch diese Zeiten kommen. Obwohl Trumps Zölle Amazon und seine chinesischen Händler hart treffen, eröffnen sich auch neue Chancen: für lokale Produzenten, für alternative Märkte und für innovative Händlerstrategien. Langfristig könnte Amazons Marktplatz dadurch diversifizierter und weniger abhängig von einem einzigen Herkunftsland werden. Kurzfristig aber heißt es, sich auf Turbulenzen einzustellen – denn Trumps Zollpolitik hat eine Entwicklung angestoßen, die das Gefüge des Onlinehandels nachhaltig verändern dürfte.