Amazon in Dänemark erreicht bei Käufern Boozt-Niveau
Amazon in Dänemark erreicht bei der Käuferreichweite erstmals das Niveau des nordischen Modehändlers Boozt. Die zugrunde liegende Verbraucherbefragung zeigt einen klaren Zuwachs für Amazon, belegt aber weder einen Umsatzgleichstand noch eine Verdrängung von Boozt.
📌 Auf einen Blick
Jeweils 15 Prozent der befragten dänischen Onlinekäufer hatten innerhalb von sechs Monaten bei Amazon oder Boozt bestellt. Amazons Anteil am jeweils letzten Onlinekauf lag im zweiten Quartal 2026 jedoch nur bei 1,6 Prozent; Boozt meldete gleichzeitig weiteres Wachstum in Dänemark.

Amazon in Dänemark wächst ohne eigenen Marktplatz
Inhaltsverzeichnis
Amazon betreibt weiterhin weder einen dänischen Marktplatz unter Amazon.dk noch ein öffentlich angekündigtes Handelslager im Land. Dänische Kunden bestellen vor allem über ausländische Amazon-Seiten. Seit November 2023 bietet Amazon.de eine dänischsprachige Oberfläche, Preise in Dänischen Kronen und Kundenservice auf Dänisch an. Damit beseitigte der Konzern einen Teil der sprachlichen Hürden, ohne einen eigenen Landesmarktplatz zu eröffnen.
Die Bekanntheit von Amazon in Dänemark stieg laut Dansk Industri von 70 Prozent im Jahr 2023 über 71 Prozent 2025 auf 74 Prozent 2026. Besonders hoch ist sie bei den 18- bis 30-Jährigen mit 88 Prozent. Bei Befragten ab 56 Jahren liegt sie bei 62 Prozent. Von den Männern hatten 18 Prozent in den vergangenen sechs Monaten bei Amazon gekauft, von den Frauen 13 Prozent.
Der Gleichstand mit Boozt ist kein Umsatzvergleich
Nach der Analyse von Dansk Industri zur Nutzung von Amazon bestellten 15 Prozent der aktiven dänischen Onlinekäufer innerhalb der vergangenen sechs Monate bei Amazon. Ein Jahr zuvor waren es 13 Prozent, 2023 erst 10 Prozent. Boozt erreicht in der aktuellen Befragung ebenfalls 15 Prozent. Zalando liegt mit 34 Prozent deutlich davor, Temu kommt auf 21 Prozent.
Aus diesem Wert einen allgemeinen Marktanteilsgleichstand abzuleiten, wäre irreführend. Die Kennzahl erfasst, ob ein Befragter mindestens einmal innerhalb von sechs Monaten beim jeweiligen Anbieter gekauft hat. Sie sagt nichts über Bestellhäufigkeit, Warenkorbwert, Umsatz oder Gewinn aus. Beim jeweils letzten Onlinekauf entfielen im zweiten Quartal 2026 nur 1,6 Prozent auf Amazon. Amazon in Dänemark ist damit sichtbar gewachsen, dominiert den Markt aber nicht.
Preis und Verfügbarkeit treiben Amazon in Dänemark
Die wichtigsten Kaufgründe zeigen, wo Amazon tatsächlich Druck auf Händler ausübt. 34 Prozent der Amazon-Kunden nannten den günstigsten Preis als Hauptgrund. Weitere 30 Prozent fanden das gewünschte Produkt anderswo nicht, 27 Prozent entschieden sich wegen des größeren Sortiments für die Plattform. Nur 5 Prozent nannten eine schnelle Lieferung als entscheidenden Grund.
Elektronik und Elektrogeräte machten 23 Prozent der betrachteten Amazon-Käufe aus. Bücher, Filme, Musik und Spiele folgten mit 15 Prozent, Haushalts- und Küchenprodukte mit 12 Prozent. Der Vergleich mit Boozt bleibt deshalb schief: Boozt konzentriert sich vor allem auf Mode und Lifestyle, während Amazon in Dänemark besonders bei Elektronik und schwer auffindbaren Artikeln punktet. Der Überblick zum Modehandel in Europa zeigt zudem, wie unterschiedlich Marktplätze, Modehändler und Marken in Rankings und Marktstudien erfasst werden.
Amazon-Käufe werden seltener spontan entschieden
Nur 19 Prozent der erfassten Amazon-Käufe waren Impulskäufe. Im gesamten dänischen Onlinehandel lag der Vergleichswert bei 36 Prozent. Zugleich hatten sich 63 Prozent der Amazon-Kunden bis zu einer Woche mit dem Kauf beschäftigt, gegenüber 48 Prozent bei Onlinekäufen insgesamt. Das spricht eher für eine zielgerichtete Produktsuche als für spontanes Shopping.
Auch beim Endgerät unterscheidet sich Amazon: 38 Prozent der Käufe wurden mobil abgeschlossen, im gesamten Onlinehandel waren es 50 Prozent. Der durchschnittliche Amazon-Warenkorb betrug 675 Dänische Kronen, ungefähr 104 US-Dollar. Der allgemeine Durchschnitt lag bei 698 Dänischen Kronen, ungefähr 108 US-Dollar. Verwendet wurde ein Kurs von 1 Dänischer Krone zu 0,1544 US-Dollar auf Basis der EZB-Referenzkurse vom 15. September 2026.
Boozt wächst trotz des Reichweitenvergleichs
Die Entwicklung von Amazon in Dänemark ist kein Beleg für eine aktuelle Schwäche von Boozt. Das Unternehmen meldete für das zweite Quartal 2026 konzernweit ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 13 Prozent. In Dänemark stieg der Umsatz nach Unternehmensangaben währungsbereinigt um 12 Prozent. Die Zahlen stammen von Boozt und sind keine unabhängige Marktanteilsmessung, widersprechen aber der einfachen Erzählung, Amazon habe Boozt bereits Geschäft abgenommen.
Für Händler ist die wichtigere Frage deshalb nicht, wer in einer einzelnen Reichweitenkennzahl vorne liegt. Entscheidend ist, warum Kunden eine Plattform wählen. Amazon profitiert von Preisvergleich, Sortimentsbreite und der Verfügbarkeit schwer auffindbarer Produkte. Wer selbst über Plattformen verkauft, muss zugleich Gebühren, Preisdruck und Abhängigkeiten berücksichtigen. Der Beitrag zu den Anforderungen beim Verkauf über Online-Marktplätze ordnet diese Konsequenzen ein.
Die Datenbasis setzt klare Grenzen
Die Untersuchung beruht auf einer laufenden Webbefragung von Epinion unter volljährigen dänischen Onlinekäufern. Die Daten wurden nach Geschlecht, Alter und Region gewichtet. Ecommerce News nennt für das zweite Quartal 2026 insgesamt 3.035 Befragte, die im vorherigen Monat online gekauft hatten. Dansk Industri erklärt zugleich, dass der auf ein ganzes Jahr bezogene Teil der vertiefenden Amazon-Auswertung 12.276 Antworten aus dem Zeitraum Juli 2025 bis Juni 2026 umfasst.
Die frei zugängliche Zusammenfassung ordnet nicht jede Detailkennzahl eindeutig einer dieser beiden Datenbasen zu. Hinzu kommt, dass selbst gemeldete Käufe keine geprüften Transaktionsdaten sind. Amazon in Dänemark gewinnt damit nachweisbar an Reichweite. Wie viel Umsatz daraus entsteht und ob Amazon Boozt in einem wirtschaftlich vergleichbaren Sinn eingeholt hat, bleibt offen.
Faktenbox
| Amazon in Dänemark 2026 | |
|---|---|
| Käufe innerhalb von sechs Monaten | Amazon 15 Prozent, Boozt 15 Prozent |
| Anteil am letzten Onlinekauf | Amazon 1,6 Prozent im zweiten Quartal 2026 |
| Bekanntheit | 74 Prozent, gegenüber 70 Prozent im Jahr 2023 |
| Wichtigste Kaufgründe | Preis 34 Prozent, fehlende Verfügbarkeit anderswo 30 Prozent, Sortiment 27 Prozent |
| Datenbasis | Epinion-Webbefragung; Quartalsstichprobe 3.035 Personen, Jahresauswertung teilweise 12.276 Antworten |
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