Österreichische Post setzt Expansion im E-Commerce fort

Die Post-Tochter euShipments.com übernimmt 100 Prozent des slowakischen Fulfillment-Anbieters FHB Group. Mit zwei Standorten nahe Bratislava wächst das eigene Fulfillment-Netz auf zwölf Zentren. Für die Österreichische Post ist die Transaktion zugleich der nächste Schritt beim Ausbau ihres E-Commerce-Geschäfts in Mittel-, Ost- und Südosteuropa.

📌 Auf einen Blick

euShipments übernimmt 100 Prozent der FHB Group. Der slowakische Anbieter verfügt über rund 50.000 Quadratmeter Hallenfläche, wickelte 2025 etwa 2,7 Millionen Pakete ab und erzielte mehr als 23 Millionen Euro Umsatz. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

FHB Group: euShipments baut Fulfillment-Netz aus
FHB Group: euShipments baut Fulfillment-Netz aus

FHB Group bringt zwei Fulfillment-Standorte ein

Das 2008 gegründete Unternehmen betreibt zwei Standorte in Svätý Jur und Triblavina nahe Bratislava. Zusammen verfügen sie über rund 50.000 Quadratmeter Hallenfläche. Der jüngere Standort in Triblavina wurde erst vor kurzem in Betrieb genommen und befindet sich noch in der Hochlaufphase.

Für euShipments ist dabei nicht allein zusätzliche Lagerfläche entscheidend. FHB setzt auf automatisierte Verpackungslinien, Sortieranlagen und Fördertechnik. Das Unternehmen deckt den typischen Fulfillment-Prozess vom Wareneingang über Lagerung, Kommissionierung und Versand bis zum Retourenmanagement ab. Hinzu kommen Leistungen wie Etikettierung, Umverpackung, Qualitätskontrollen, personalisierte Verpackungen, Nachnahme und Cross-Docking.

Im Jahr 2025 betreute FHB nach Angaben der Österreichischen Post rund 200 Kunden, bearbeitete etwa 2,7 Millionen Pakete und erwirtschaftete mehr als 23 Millionen Euro Umsatz. Das Unternehmen beschäftigt knapp 200 Mitarbeiter. Zum Kaufpreis haben die Beteiligten Stillschweigen vereinbart. Das bisherige Management soll an Bord bleiben. Konkrete Ergebniskennzahlen wurden nicht veröffentlicht.

Anzeige
BFT Verpackungen – In jedem News-Artikel (2026-07-16 bis 2026-10-31)

euShipments wächst auf zwölf eigene Fulfillment-Zentren

Mit der Übernahme steigt die Zahl der eigenen Fulfillment-Zentren von euShipments auf zwölf. Das Unternehmen verfügt nach eigenen Angaben über ein Netzwerk in 27 Ländern und bindet mehr als 60 Zustelldienste mit rund 800 Versandoptionen an.

Für Online-Händler ist vor allem die Kombination aus Lagerlogistik und grenzüberschreitender Zustellung relevant. Statt in jedem Zielmarkt eigene Dienstleister und technische Schnittstellen einzurichten, sollen Händler über euShipments verschiedene Fulfillment-Standorte und Paketnetze nutzen können. Das kann die Expansion in kleinere oder logistisch fragmentierte Märkte vereinfachen.

Die Übernahme beseitigt allerdings nicht die typischen Herausforderungen grenzüberschreitender Logistik. Kosten, Retourenquoten, lokale Zustellqualität und unterschiedliche Zahlungsgewohnheiten bleiben entscheidend. Mehr Standorte sind deshalb noch kein automatischer Wettbewerbsvorteil. Entscheidend wird sein, ob euShipments die neuen Kapazitäten tatsächlich effizient in sein bestehendes Netzwerk integriert.

Österreichische Post baut E-Commerce-Geschäft über Zukäufe aus

Hinter euShipments steht seit März 2026 die Österreichische Post. Sie übernahm 70 Prozent des bulgarischen E-Commerce-Dienstleisters für 55 Millionen Euro und besitzt eine Option auf die restlichen 30 Prozent innerhalb von vier Jahren. euShipments erzielte 2025 mehr als 50 Millionen Euro Umsatz, beschäftigte mehr als 400 Mitarbeiter und betreute über 1.300 Kunden.

Der Kauf ist damit nicht als isolierte Transaktion zu betrachten. Die Österreichische Post versucht, ihr traditionelles Paketgeschäft um Fulfillment, Cross-Border-Transport und weitere Dienstleistungen entlang der E-Commerce-Wertschöpfungskette zu erweitern. Im Juli 2026 kündigte der Konzern zudem die Übernahme des serbischen Paketdienstleisters D Express an. Diese Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen.

D Express transportierte 2025 rund 14 Millionen Pakete und erzielte einen Umsatz von etwa 36 Millionen Euro. In Serbien soll das Unternehmen mit der bestehenden Post-Tochter City Express zusammengeführt werden. Damit entstehen zusätzliche Zustellkapazitäten in einer Region, in der euShipments gleichzeitig sein Fulfillment-Netz ausbaut.

FHB Group stärkt die Logistikachse rund um Bratislava

Für die E-Commerce-Strategie ist die Lage der neuen Standorte relevant. Bratislava liegt nahe den Märkten Österreich, Tschechien und Ungarn und bietet zugleich eine Verbindung Richtung Südosteuropa. Ein Fulfillment-Zentrum in dieser Region kann Warenströme über mehrere nationale Märkte hinweg bündeln.

Genau darin liegt die strategische Logik der Transaktion: FHB liefert zusätzliche Fläche und Automatisierung, während euShipments das internationale Transport- und Zustellnetz beisteuert. Für die Österreichische Post entsteht dadurch eine engere Verbindung zwischen Lagerlogistik und letzter Meile.

Ob sich diese Einkaufspolitik wirtschaftlich auszahlt, lässt sich derzeit noch nicht beurteilen. Der Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht, und auch mögliche Synergien wurden bislang nicht beziffert. Klar ist jedoch, dass die Post ihr E-Commerce-Geschäft zunehmend über Beteiligungen und Übernahmen organisiert. Statt allein Pakete zu transportieren, will der Konzern früher in der Logistikkette ansetzen – dort, wo Bestände gelagert, Bestellungen verarbeitet und Versandentscheidungen getroffen werden.

Faktenbox

FHB Group und euShipments – Eckdaten der Übernahme
KäufereuShipments.com
Eigentümer von euShipmentsÖsterreichische Post AG mit 70 Prozent
ÜbernahmezielFHB Group s.r.o., Slowakei
Übernommener Anteil100 Prozent
KaufpreisNicht veröffentlicht
StandorteSvätý Jur und Triblavina bei Bratislava
HallenflächeRund 50.000 Quadratmeter
Pakete 2025Rund 2,7 Millionen
Umsatz 2025Mehr als 23 Millionen Euro
KundenRund 200
MitarbeiterKnapp 200
euShipments nach ÜbernahmeZwölf eigene Fulfillment-Zentren, Netzwerk in 27 Ländern