Zukunft von Galaxus Deutschland: Migros garantiert weitere Finanzierung trotz Millionenverlusten

Der Schweizer Handelskonzern Migros setzt sein Engagement im deutschen Onlinehandel weiter fort, so die NZZ, obwohl Galaxus Deutschland seit dem Markteintritt im Jahr 2018 Verluste in dreistelliger Millionenhöhe angehäuft hat. Während andere Auslandsaktivitäten wie die Supermarktkette Tegut abgestoßen wurden, hält die Konzernführung an der Tochtergesellschaft fest. Die Entscheidung basiert auf strategischen Vorteilen beim Einkauf und einer positiven Umsatzentwicklung im Vergleich zum Marktdurchschnitt.

📌 Auf einen Blick

Trotz kumulierter Verluste von über 200 Millionen Euro setzt die Migros die Unterstützung für Galaxus Deutschland fort. Das Unternehmen steigerte seinen Umsatz 2024 um 28 Prozent und strebt die Gewinnschwelle bis zum Jahr 2029 an.

Zukunft von Galaxus Deutschland: Migros garantiert weitere Finanzierung trotz Millionenverlusten
Zukunft von Galaxus Deutschland: Migros garantiert weitere Finanzierung trotz Millionenverlusten

Wirtschaftliche Kennzahlen und Marktentwicklung

Die finanzielle Bilanz von Galaxus Deutschland ist durch signifikante Investitionen in den Marktaufbau geprägt. Im Geschäftsjahr 2024 belief sich das operative Defizit auf 56 Millionen Euro. Insgesamt übersteigen die Verluste seit dem Start die Marke von 200 Millionen Euro. Dennoch zeigt die Umsatzkurve nach oben: Während der deutsche Onlinehandel im Jahr 2024 lediglich um 1,1 Prozent wuchs, konnte Galaxus Deutschland ein Plus von 28 Prozent auf 367 Millionen Euro generieren.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Marktpositionierung wider. In der Rangliste der hundert größten deutschen Onlinehändler verbesserte sich das Unternehmen innerhalb von zwei Jahren von Platz 65 auf Platz 30. Die Logistikkapazitäten wurden hierfür kontinuierlich ausgebaut, unter anderem mit Standorten in Krefeld und einem neuen Zentrum in Neuenburg am Rhein. Trotz dieser Zuwächse bleibt das Unternehmen im Vergleich zum Branchenprimus Amazon, der einen Umsatz von rund 15 Milliarden Euro in Deutschland erzielt, ein kleinerer Akteur im Markt.

Die strategische Rolle für den Schweizer Markt

Die Entscheidung der Migros, weiterhin Kapital in Galaxus Deutschland zu investieren, folgt einer spezifischen Logik, die über den deutschen Markt hinausgeht. Der Konzern argumentiert, dass die internationale Präsenz die Wettbewerbsfähigkeit in der Schweiz stärkt. Durch die größeren Einkaufsmengen, die durch den deutschen Markt entstehen, können bei Lieferanten bessere Konditionen erzielt werden. Diese Preisvorteile kommen direkt den Kunden in der Schweiz zugunsten, wo die Plattform unter dem Namen Digitec Galaxus Marktführer ist.

Ein weiterer Aspekt ist die Skalierbarkeit der Infrastruktur. Investitionen in die Softwareentwicklung und die Logistikprozesse lassen sich effizienter verteilen, wenn sie auf einer größeren Kundenbasis in mehreren Ländern genutzt werden. Neben Deutschland ist das Unternehmen mittlerweile auch in Österreich, Belgien, Frankreich, Italien und den Niederlanden aktiv. Die Konzernleitung hat das Ziel ausgegeben, dass das internationale Geschäft von Galaxus Deutschland bis zum Jahr 2028 oder 2029 die Profitabilität erreichen soll.

Wettbewerbsumfeld im deutschen Onlinehandel

Der deutsche Markt gilt als hochgradig konzentriert und hart umkämpft. Hinter Amazon folgt das Unternehmen Otto mit deutlichem Abstand auf dem zweiten Rang. Der Wettbewerbsdruck nimmt durch den Markteintritt neuer Akteure weiter zu. Der chinesische Konzern JD.com hat kürzlich seinen Onlineshop Joybuy in Deutschland gestartet und steht vor der Übernahme von Ceconomy, der Muttergesellschaft von Media Markt und Saturn.

In diesem Umfeld versucht Galaxus Deutschland, sich durch Transparenz und redaktionelle Inhalte zu differenzieren. Das Geschäftsmodell setzt darauf, Kunden durch Preisentwicklungs-Diagramme, Rückgabequoten und unabhängige Produkttests eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten. Experten beobachten, ob dieser Fokus auf Information ausreicht, um sich dauerhaft gegen preisaggressive Wettbewerber durchzusetzen. Die Migros hat für dieses Vorhaben eine Kreditzusage von insgesamt 346 Millionen Euro bereitgestellt, wobei Ende 2024 bereits 233 Millionen Euro als Darlehen beansprucht wurden.

Finanzielle Absicherung und operative Abhängigkeit

Die Fortführung der Geschäftstätigkeit von Galaxus Deutschland hängt maßgeblich von der finanziellen Unterstützung durch den Mutterkonzern ab. Im Gegensatz zu früheren Auslandsengagements, die oft über Regionalgenossenschaften gesteuert wurden, liegt die Verantwortung für dieses Projekt direkt beim Migros-Genossenschafts-Bund.

Die Konzernführung betont, dass das Chancen-Risiko-Verhältnis laufend bewertet wird. Der Kurswechsel im Herbst 2024, bei dem man sich trotz eines konzernweiten Sparprogramms zum Festhalten an der Expansion entschied, unterstreicht die Bedeutung von Galaxus Deutschland für die langfristige Digitalstrategie der Migros. Das Erreichen der Gewinnschwelle in den kommenden drei bis vier Jahren wird als entscheidender Gradmesser für den Erfolg dieser Strategie angesehen.

Faktenbox

Eckdaten zu Galaxus Deutschland
MuttergesellschaftMigros-Genossenschafts-Bund (70 % Beteiligung)
Kumulierter VerlustÜber 200 Millionen Euro seit Markteintritt 2018
Umsatz 2024367 Millionen Euro (+28 % zum Vorjahr)
Marktplatz-RankingPlatz 30 der größten Onlinehändler in Deutschland
Strategisches ZielErreichen des Breakeven bis 2028 oder 2029
FinanzierungsrahmenKreditzusage über insgesamt 346 Millionen Euro