The Payments Report 2026: Wie Wero und SEPA Instant die Infrastruktur verändern
Der Finanzdienstleister Mollie hat mit der Veröffentlichung von The Payments Report 2026 eine detaillierte Analyse zur aktuellen Lage des europäischen Zahlungsverkehrs vorgelegt. Die Untersuchung zeigt auf, wie Unternehmen durch die strategische Anpassung ihrer Infrastruktur erhebliche Effizienzgewinne erzielen können. Im Fokus stehen dabei technologische Neuerungen, regulatorische Änderungen und ein verändertes Konsumentenverhalten, die gemeinsam die wirtschaftliche Realität im Jahr 2026 prägen.
📌 Auf einen Blick
Die Optimierung von Zahlungsstrukturen ermöglicht eine Umsatzsteigerung von mindestens 3 Prozent. Mit dem Start von Wero und der verpflichtenden Einführung von SEPA Instant wandelt sich die Infrastruktur hin zu einer 24/7-Echtzeit-Verarbeitung. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz reduziert dabei die Quote fälschlicherweise abgelehnter Transaktionen und automatisiert komplexe Back-Office-Prozesse.
Veränderte Rahmenbedingungen im europäischen Zahlungsverkehr
Inhaltsverzeichnis
Die europäische Zahlungslandschaft befindet sich durch die Umsetzung neuer Richtlinien in einem tiefgreifenden Wandel. Gemäß den Analysen in The Payments Report 2026 markiert die SEPA-Instant-Verordnung einen Wendepunkt für das Cash-Management von Unternehmen. Überweisungen innerhalb von zehn Sekunden werden zum Standard, was die bisherigen Abhängigkeiten von Banköffnungszeiten und täglichen Batch-Dateien auflöst. Diese Entwicklung zwingt Finanzabteilungen dazu, von klassischen 9-to-5-Strukturen zu einem Modell der 24/7-Treasury überzugehen. Damit verbunden ist die Einführung der „Verification of Payee“ (VoP), ein obligatorischer Abgleich von Name und IBAN, um das Risiko von Betrug bei unwiderruflichen Echtzeit-Zahlungen zu minimieren.
Parallel dazu treten die dritte Zahlungsdiensterichtlinie (PSD3) und die Zahlungsdiensteverordnung (PSR) in Kraft. Diese regulatorischen Maßnahmen zielen darauf ab, die Sicherheit im Open Banking zu erhöhen und die Haftungsregeln bei Betrugsfällen zu präzisieren. Für Marktteilnehmer bedeutet dies, dass Betrugsprävention nicht mehr als isolierte Prüfung am Ende eines Prozesses, sondern als proaktive Funktion direkt in den Bezahlvorgang integriert werden muss. The Payments Report 2026 unterstreicht, dass veraltete Systeme, die auf zeitlich verzögerten Prüfungen basieren, den neuen Anforderungen an die Echtzeit-Sicherheit nicht mehr gerecht werden.
Künstliche Intelligenz als Werkzeug für Effizienz und Sicherheit
Ein zentraler Bestandteil der Untersuchung ist die Rolle der künstlichen Intelligenz bei der Bewältigung der zunehmenden Komplexität. Während regelbasierte Systeme Transaktionen nach starren Kriterien prüfen, ermöglichen KI-Modelle eine kontextbezogene Bewertung. Dies ist insbesondere bei der Nutzung digitaler Wallets relevant, da hier oft weniger explizite Datenpunkte übertragen werden als bei herkömmlichen Kartenzahlungen. Durch den Einsatz lernender Algorithmen können Unternehmen zwischen legitimen Verhaltensmustern treuer Kunden und betrügerischen Aktivitäten unterscheiden.
Die Daten aus The Payments Report 2026 belegen, dass intelligente Optimierungstechnologien wie „Smart Retries“ messbare Erfolge erzielen. Solche Systeme ermitteln den exakten Zeitpunkt, zu dem ein kartenausgebendes Institut eine zuvor abgelehnte Zahlung am wahrscheinlichsten akzeptiert. Durch diese Form der automatisierten Fehlerbehebung wurden bereits Beträge in dreistelliger Millionenhöhe für europäische Händler gesichert. Die Automatisierung entlastet zudem die personellen Ressourcen im Finanzbereich, indem sie die Abstimmung von Zahlungsströmen und das Management von Disputen übernimmt.
Marktfragmentierung und der Aufstieg neuer Standards
Trotz der Bemühungen um eine Vereinheitlichung bleibt der europäische Markt durch lokale Präferenzen geprägt. In den Niederlanden entfallen etwa 60 Prozent des Volumens auf iDEAL beziehungsweise den Nachfolger Wero, während in Belgien Bancontact mit 62 Prozent dominiert. Deutschland zeichnet sich durch eine starke Nutzung von PayPal und Klarna aus, die zusammen 59 Prozent des Marktanteils halten. The Payments Report 2026 weist darauf hin, dass die Akzeptanz dieser lokalen „Hero“-Methoden entscheidend für die Conversion-Rate ist.
Mit Wero ist zudem ein neuer paneuropäischer Standard entstanden, der auf der SEPA-Instant-Infrastruktur basiert. Durch die Übernahme bestehender lokaler Lösungen wie Payconiq und Paylib konnte Wero bereits im ersten Jahr über 43 Millionen Nutzer gewinnen. Für Unternehmen bietet dieser Standard eine Alternative zu globalen Kartensystemen, führt jedoch auch neue operative Anforderungen ein. Da Wero im Gegensatz zu vielen bisherigen lokalen Bankverfahren einen Disput-Mechanismus beinhaltet, müssen Unternehmen Prozesse für das Management von Rückbuchungen bei Banküberweisungen etablieren.
Wirtschaftliche Potenziale durch das Signal-&-Strategy-Modell
Um den beschriebenen Herausforderungen zu begegnen, führt der Bericht das sogenannte Signal-&-Strategy-Modell ein. Dieses Modell sieht vor, Zahlungen nicht mehr als reinen Kostenfaktor im Back-Office zu behandeln, sondern als Quelle kommerzieller Intelligenz zu nutzen. Durch die Zentralisierung von Daten aus Online-Kanälen und physischen Ladengeschäften entsteht eine einheitliche Datenbasis. Dies ermöglicht es, Kunden über verschiedene Geräte und Verkaufskanäle hinweg zu identifizieren, selbst wenn tokenisierte Zahlungsmethoden wie Apple Pay oder Google Pay zum Einsatz kommen.
Unternehmen, die diesen Ansatz verfolgen, können die gewonnene Identität der Käufer für gezielte Kundenbindungsmaßnahmen nutzen. Ein Beispiel hierfür ist die automatisierte Rückerstattung für Kunden mit hoher Vertrauensbewertung, sobald ein Paket vom Versanddienstleister gescannt wird. The Payments Report 2026 verdeutlicht, dass die Reduzierung von operativem Aufwand und die Steigerung der Autorisierungsraten direkt zur Profitabilität beitragen. Der Fokus verschiebt sich damit von der reinen Minimierung von Transaktionsgebühren hin zur Optimierung des Nettoertrags.
Auswirkung der Zahlungsinfrastruktur auf die Unternehmensbilanz
Die Messung der Effizienz im Zahlungsverkehr erfolgt zunehmend über den „Operational Net Yield“. Diese Kennzahl berücksichtigt neben den direkten Kosten wie Interbankenentgelten und Acquirer-Margen auch den operativen Aufwand. Dazu gehören unter anderem die Zeit für manuelle Abstimmungen, technische Schulden durch veraltete Integrationen und entgangene Umsätze durch fälschlicherweise abgelehnte Zahlungen. Unternehmen sind dazu angehalten, ihre Partnerschaften dahingehend zu prüfen, ob diese lediglich Transaktionen verarbeiten oder aktiv Einblicke zur Prozessverbesserung liefern.
Faktenbox
| Kennzahl / Thema | Details und Daten 2026 |
|---|---|
| Umsatzpotenzial | Steigerung von mindestens 3 % durch intelligente Zahlungsoptimierung |
| Wero Nutzerbasis | Über 43 Millionen Nutzer im ersten Jahr nach Roll-out |
| Digital Wallet Anteil | 24 % aller Kartenzahlungen erfolgten 2025 über digitale Wallets |
| Wachstum Wallets | Anstieg der Wallet-Nutzung um 57 % seit dem Jahr 2023 |
| Marktanteil NL | iDEAL / Wero hält 60 % des Transaktionsvolumens in den Niederlanden |
| Marktanteil BE | Bancontact ist mit 62 % die führende Methode in Belgien |
| Regulatorik | Einführung von PSD3, PSR und verpflichtendem SEPA Instant |
| KI-Anwendung | Adaptive Betrugsprävention und Smart Retries zur Autorisierungssteigerung |
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