Startups aus Deutschland verzeichnen deutlichen Anstieg beim Investitionsvolumen

Der deutsche Markt für Risikokapital hat im abgelaufenen Jahr Stärke bewiesen und konnte das Investitionsvolumen signifikant steigern, so das EY Startup-Barometer Januar 2026. Die Startup-Investitionen 2025 summierten sich auf knapp 8,4 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Zuwachs von rund 1,3 Milliarden Euro beziehungsweise 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nach den spürbaren Rückgängen in den Jahren 2022 und 2023 markiert dies das zweite Jahr in Folge mit einer positiven Entwicklung bei der Kapitalsumme. Trotz schwieriger konjunktureller Rahmenbedingungen in Deutschland scheint das Vertrauen internationaler und nationaler Geldgeber in hiesige Geschäftsmodelle zurückzukehren. Allerdings zeigt die Analyse der Marktdaten auch Schattenseiten: Während viel Geld fließt, sinkt die absolute Anzahl der Finanzierungsrunden weiter, was auf eine zunehmende Selektion am Markt hindeutet.

Startup-Investitionen 2025: 8,4 Milliarden Euro für Deutschland
Startup-Investitionen 2025: 8,4 Milliarden Euro für Deutschland

Diskrepanz zwischen Kapitalvolumen und Deal-Anzahl

Ein genauer Blick auf die Struktur der Startup-Investitionen 2025 offenbart eine klare Konsolidierung. Zwar ist der Gesamtbetrag von 8,4 Milliarden Euro der dritthöchste Wert in der Geschichte der deutschen Startups, doch die Breite des Marktes profitiert davon nur bedingt. Die Anzahl der Finanzierungsrunden ist das vierte Jahr in Folge rückläufig. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 716 Deals registriert, was einem Rückgang von fünf Prozent gegenüber den 755 Runden im Jahr 2024 entspricht. Der Abstand zum Rekordjahr 2021, in dem noch 1.160 Runden gezählt wurden, wird damit immer größer.

Diese Entwicklung wird vor allem durch die Zunahme sogenannter Mega-Deals getrieben. Im Gesamtjahr gab es 18 Großinvestitionen mit einem Volumen von jeweils mindestens 100 Millionen Euro. Das sind sechs mehr als im Vorjahr. Diese wenigen, sehr großen Transaktionen verzerren das Gesamtbild und treiben die Summe der Startup-Investitionen 2025 in die Höhe. Am anderen Ende des Spektrums haben es junge Unternehmen schwerer: Die Zahl der kleinen Deals bis zu einer Million Euro sank von 440 auf 430. Für Investoren stehen offensichtlich reifere Unternehmen mit nachweisbaren Erfolgen im Fokus, während die Frühphasenfinanzierung stagniert.

Zeitlicher Verlauf und konjunkturelle Warnsignale

Betrachtet man den zeitlichen Verlauf des Jahres, ergibt sich ein differenziertes Bild. Die positive Jahresbilanz wurde maßgeblich durch ein starkes erstes Halbjahr geprägt. In den ersten sechs Monaten wurden 398 Runden registriert, die zusammen 4,6 Milliarden Euro einbrachten. Die zweite Jahreshälfte fiel im Vergleich dazu deutlich ab. Hier wurden nur noch 318 Transaktionen gezählt – der niedrigste Wert seit der ersten Jahreshälfte 2018. Auch das Volumen sank auf 3,8 Milliarden Euro.

Experten der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY werten dies als Zeichen anhaltender Unsicherheit. Zwar haben sich die Startup-Investitionen 2025 insgesamt erholt, doch globale Krisen und eine schwächelnde deutsche Wirtschaft hinterlassen Spuren. Hohe Energiekosten, Fachkräftemangel und komplexe Regularien belasten den Standort. Dass das zweite Halbjahr schwächer ausfiel, könnte ein Ausrutscher sein, oder aber der Vorbote eines erneuten Abschwungs. Dennoch bleibt festzuhalten, dass die Investitionsbereitschaft nach dem Einbruch 2023 grundsätzlich wieder vorhanden ist, was als positives Signal für die Anpassungsfähigkeit des deutschen Ökosystems gewertet wird.

Standortwettbewerb: Bayern zieht an Berlin vorbei

Eine signifikante Verschiebung zeigt sich in der regionalen Verteilung der Gelder. Bayern hat sich im Kampf um die höchsten Startup-Investitionen 2025 an die Spitze gesetzt und die Hauptstadt Berlin beim Kapitalvolumen überholt. Startups aus dem Freistaat sammelten insgesamt 3,3 Milliarden Euro ein, ein massives Plus von 969 Millionen Euro. Berlin kam auf knapp 2,7 Milliarden Euro, was zwar ebenfalls einem Zuwachs von 507 Millionen Euro entspricht, aber nicht ausreichte, um die Spitzenposition beim Volumen zu verteidigen.

Der Grund für Bayerns Erfolg liegt in der Art der dort ansässigen Unternehmen. Sieben der zehn größten Finanzierungsrunden gingen nach Bayern. Angeführt wird die Liste vom KI-Unternehmen Helsing, das sich 600 Millionen Euro sicherte. Auch Green Flexibility (400 Millionen Euro, Energie) und das Biotech-Unternehmen Tubulis (344 Millionen Euro) kommen aus Bayern. Diese Tech- und DeepTech-Fokussierung zahlt sich aktuell aus.

Berlin bleibt jedoch die Nummer eins, wenn es um die reine Anzahl der Gründungen und Finanzierungsrunden geht. Mit 218 Abschlüssen liegt die Hauptstadt weiter vor Bayern (148 Deals). Das Berliner Ökosystem ist diverser, leidet aber aktuell etwas unter der Schwäche der Sektoren E-Commerce und FinTech, die dort traditionell stark vertreten sind. Zusammen vereinen Berlin und Bayern über 70 Prozent der gesamten Startup-Investitionen 2025 auf sich, während andere Standorte wie Nordrhein-Westfalen oder Hessen beim Investitionsvolumen Rückgänge hinnehmen mussten.

Sektoren im Wandel: Technologie und KI dominieren

Der inhaltliche Treiber für das Wachstum ist eindeutig der Technologie-Sektor. Unternehmen aus dem Bereich Software & Analytics, zu dem viele KI-Startups zählen, konnten 2,7 Milliarden Euro einsammeln – ein Plus von 20 Prozent. Künstliche Intelligenz ist damit das Zugpferd für die Startup-Investitionen 2025. Investoren setzen massiv auf Technologien, die Effizienzsteigerungen und neue Geschäftsmodelle versprechen.

Dicht dahinter folgt der Energiesektor, der mit einem Volumen von 1,2 Milliarden Euro den Gesundheitsbereich überholt hat. Dies entspricht einem beeindruckenden Anstieg von 43 Prozent. Der Health-Sektor wuchs moderater um zwölf Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Diese Verschiebung verdeutlicht, dass Kapital verstärkt in Bereiche fließt, die Lösungen für strukturelle Herausforderungen wie die Energiewende oder die Digitalisierung bieten. Reine Konsumgüter oder Dienstleistungen ohne tiefen technologischen Kern geraten hingegen ins Hintertreffen. Die Erwartungshaltung der Investoren ist gestiegen: Innovative Ansätze müssen zunehmend auch wirtschaftlich messbare Ergebnisse und echte Wertschöpfung nachweisen, um hohe Bewertungen zu rechtfertigen.

Bedeutung der Tech-Szene für den Wirtschaftsstandort

Die Analyse der Finanzströme unterstreicht die wachsende Bedeutung von Jungunternehmen für die Gesamtwirtschaft. Startups agieren als Innovationsmotor und sind oft in der Lage, schneller auf Marktveränderungen zu reagieren als etablierte Konzerne. Gerade in einem schwierigen konjunkturellen Umfeld sind diese Eigenschaften essenziell für die Modernisierung des Standorts Deutschland. Die Konzentration der Startup-Investitionen 2025 auf High-Tech-Bereiche wie Defense, KI und CleanTech zeigt, dass hier die Zukunftsmärkte gesehen werden. Ob sich der positive Trend bei der Kapitalsumme fortsetzt, wird jedoch stark davon abhängen, ob die Rahmenbedingungen für Unternehmertum in Deutschland verbessert werden können und ob sich die konjunkturelle Lage stabilisiert.

Faktenbox

Marktübersicht: Startup-Investitionen 2025
Gesamtvolumen8,4 Mrd. Euro (+19 % zum Vorjahr)
Anzahl Finanzierungsrunden716 Deals (-5 % zum Vorjahr)
Top-Standort (Volumen)Bayern (3,3 Mrd. Euro)
Top-Standort (Anzahl)Berlin (218 Runden)
Höchste EinzelinvestitionHelsing (600 Mio. Euro)
Großinvestitionen (>100 Mio. €)18 Deals (+6 zum Vorjahr)
Top-Sektor Software & KI2,7 Mrd. Euro (+20 %)
Top-Sektor Energie1,2 Mrd. Euro (+43 %)