Chinesische Influencer im Fokus der Finanzbehörden: China weitet Steuerprüfungen aus

Die chinesische Regierung hat ihre Bemühungen zur Durchsetzung der Steuergesetze im digitalen Sektor massiv ausgeweitet. Wie die South China Morning Post berichtet, stehen chinesische Influencer und wohlhabende Online-Persönlichkeiten im Zentrum der aktuellen Maßnahmen. Dieser Schritt erfolgt vor dem Hintergrund wachsender fiskalischer Belastungen für die lokalen Regierungen und einer allgemeinen Strategie, die Steuerbasis des Landes zu verbreitern. Die staatliche Steuerverwaltung setzt dabei verstärkt auf modernste Technologien, um Diskrepanzen zwischen dem öffentlichen Auftritt der Internetstars und ihren deklarierten Einkünften aufzudecken.

Chinesische Influencer im Fokus der Finanzbehörden: China weitet Steuerprüfungen aus
Chinesische Influencer im Fokus der Finanzbehörden: China weitet Steuerprüfungen aus

Chinesische Influencer in Chongqing und Gansu müssen Millionen zahlen

Die staatliche Steuerverwaltung hat am vergangenen Mittwoch zwei neue, signifikante Fälle öffentlich gemacht, die exemplarisch für die verschärfte Gangart der Behörden stehen. Diese Fälle verdeutlichen, dass chinesische Influencer nun systematisch und provinzübergreifend überprüft werden.

Im ersten Fall geriet ein Influencer mit dem Nachnamen Peng Shiliu (彭十六) ins Visier der Ermittler in der regierungsunmittelbaren Stadt Chongqing. Peng, der über eine Reichweite von 30 Millionen Followern verfügt und hauptsächlich in der Videoproduktion sowie im kommerziellen Werbegeschäft tätig ist, wurde der Steuerhinterziehung überführt. Die Behörden ordneten eine Nachzahlung von Steuern sowie Bußgelder in Höhe von insgesamt 4,15 Millionen Yuan (umgerechnet etwa 595.000 US-Dollar) an. Der Vorwurf lautete, dass Einkünfte systematisch zu niedrig angegeben wurden, um die Steuerlast zu mindern. Aufgrund des Steuervergehens wurden die Accounts auf den großen Plattformen (Douyin, Weibo, Xiaohongshu) laut aktuellen Berichten gesperrt oder stummgeschaltet.

Ein zweiter Fall betrifft die Provinz Gansu. Hier richteten sich die Ermittlungen gegen einen Live-Streamer mit dem Nachnamen Yang Mou (杨某). Obwohl Yang mit knapp 300.000 Followern eine deutlich geringere Reichweite aufweist, waren die finanziellen Forderungen der Behörden dennoch erheblich. Der als E-Commerce-Host tätige Yang muss 1,81 Millionen Yuan nachzahlen. Diese Fälle zeigen deutlich, dass chinesische Influencer nicht nur im Segment der absoluten Top-Stars, sondern auch im mittleren Bereich mit signifikanten Umsätzen ins Visier der Fahnder geraten. Wie bei Peng wurden auch Yangs Accounts höchstwahrscheinlich sofort nach Bekanntwerden des Urteils von den Plattformen (wahrscheinlich Douyin oder Kuaishou) entfernt. Da Yang keine riesige Fanbasis hat, die den Namen auf anderen Kanälen (wie Weibo) weiterverbreitet („Doxing“), verschwindet die digitale Spur fast vollständig.

Interessantes Detail zum Fall Yang: Dass jemand mit „nur“ 300.000 Followern eine Nachzahlung/Strafe von 1,81 Millionen Yuan (ca. 260.000 USD) leisten muss, ist ungewöhnlich hoch. Das deutet darauf hin, dass Yang ein sehr profitables Nischen-E-Commerce-Business (Verkauf hochpreisiger Waren) betrieben hat, statt auf reine Unterhaltung/Werbung zu setzen.

Big Data überführt chinesische Influencer bei Einkommenslücken

Ein entscheidender Faktor bei der aktuellen Welle der Ermittlungen ist der technologische Fortschritt der chinesischen Finanzbehörden. Die Steuerbeamten nutzen fortschrittliche Big-Data-Analysen, um potenzielle Steuersünder zu identifizieren. In einer separaten Erklärung erläuterten die Steuerbehörden, wie diese Technologie konkret angewendet wird, um chinesische Influencer zu überprüfen.

Die Analysen basieren auf einem Abgleich zwischen der sichtbaren Online-Präsenz und den beim Finanzamt gemeldeten Zahlen. Wenn das Ausmaß der Online-Aktivitäten und die damit verbundenen Interaktionsraten konstant hoch sind, die deklarierten Einkünfte jedoch starke Schwankungen aufweisen oder unverhältnismäßig niedrig erscheinen, löst das System Alarm aus. Dieser datengestützte Ansatz ermöglicht es, Prüfungen effizienter zu gestalten. Chinesische Influencer hinterlassen durch ihre Tätigkeit digitale Fußabdrücke, die von den Regulatoren nun konsequent mit den Steuerdaten abgeglichen werden.

Wirtschaftliche Hintergründe und fiskalische Notwendigkeiten

Die Intensivierung der Kontrollen ist nicht isoliert zu betrachten, sondern als Reaktion auf makroökonomische Herausforderungen zu verstehen. Die chinesische Regierung sieht sich seit einigen Jahren mit erheblichen fiskalischen Engpässen konfrontiert. Eine sich verlangsamende Wirtschaft und deflationäre Tendenzen haben die Unternehmensgewinne geschmälert, was wiederum zu einem Rückgang der Einnahmen aus der Mehrwertsteuer führte – einer der wichtigsten Einnahmequellen des Staates.

Besonders dramatisch ist die Situation für die lokalen Behörden. Diese waren traditionell stark von den Einnahmen aus Landverkäufen abhängig. Durch die anhaltende Krise im Immobiliensektor ist diese Einnahmequelle jedoch massiv eingebrochen. In dieser Situation suchen die Behörden nach Wegen, das Steueraufkommen zu sichern. Chinesische Influencer, die durch massive Publikumseinbindung Premium-Einnahmen generieren, rücken daher als lukrative Zielgruppe in den Fokus, um Haushaltslöcher zu stopfen.

Bilanz der Ermittlungen und Ausweitung auf Auslandseinkünfte

Die Dimension der Kampagne wird durch Zahlen der Steuerverwaltung untermauert, die im Dezember veröffentlicht wurden. In den ersten elf Monaten des Jahres 2025 wurden insgesamt 1.818 Personen aus der Gruppe der „hohen Einkommen und hohen Nettovermögen“ überprüft. Dass hierbei chinesische Influencer eine zentrale Rolle spielen, zeigt die Rückforderung von 1,52 Milliarden Yuan an unbezahlten Steuern.

Neben den inländischen Aktivitäten haben die Behörden auch die Überwachung von Auslandseinkünften verstärkt. Auch hierbei kommt Big Data zum Einsatz. Chinesische Influencer, die ihre globalen Einkünfte nicht ordnungsgemäß in China versteuern, werden zunehmend markiert. Im vergangenen Jahr wurden in mehreren Fällen Nachzahlungen und Strafen verhängt.

Das Finanzministerium meldete für die ersten elf Monate des Jahres 2025 einen Anstieg der gesamten Steuereinnahmen um 1,8 Prozent auf 16,48 Billionen Yuan im Vergleich zum Vorjahr. Auffällig ist jedoch der signifikante Sprung bei der persönlichen Einkommensteuer, die um 11,5 Prozent auf den Rekordwert von 1,47 Billionen Yuan anstieg. Dieser Zuwachs ist ein direktes Indiz für die Wirksamkeit der strengeren Durchsetzung, die insbesondere chinesische Influencer und andere vermögende Einzelpersonen betrifft.

Klare Regeln für chinesische Influencer in der digitalen Ökonomie

Die aktuellen Maßnahmen deuten auf eine langfristige Strategie hin, den Sektor der digitalen Wirtschaft vollständig in das nationale Steuersystem zu integrieren. Während in der Anfangsphase des Booms von Live-Streaming und E-Commerce oft regulatorische Grauzonen herrschten, etablieren die Behörden nun klare Standards. Die Botschaft an chinesische Influencer ist eindeutig: Hohe Online-Reichweite korreliert für die Steuerfahnder direkt mit hohem steuerpflichtigem Einkommen. Wer versucht, diese Verbindung zu verschleiern, muss mit der vollen Härte des Gesetzes rechnen.

Faktenbox

Chinesische Influencer und Steuerprüfungen
Fall Chongqing (Influencer Peng)30 Mio. Follower, 4,15 Mio. Yuan (ca. 595.000 USD) Strafe/Nachzahlung
Fall Gansu (Influencer Yang)300.000 Follower, 1,81 Mio. Yuan Strafe/Nachzahlung
Untersuchte Personen (Jan-Nov 2025)1.818 vermögende Personen (inkl. Influencer)
Eingetriebene Steuern (Jan-Nov 2025)1,52 Milliarden Yuan durch Sonderprüfungen
Anstieg persönliche Einkommensteuer+11,5 % auf 1,47 Billionen Yuan (Vorjahresvergleich)
TechnologieBig-Data-Abgleich von Online-Traffic und Steuerdaten
HintergrundSinkende Einnahmen aus Landverkäufen erhöhen Druck auf Steuerbehörden