Vinted Pay führt eigene Wallet-Lösung für Marktplatz-Mitglieder ein
Im Januar 2026 hat der Second-Hand-Mode-Marktplatz Vinted einen entscheidenden Schritt zur Modernisierung seiner Finanzinfrastruktur bekannt gegeben. Das Unternehmen beginnt mit dem Rollout einer eigenen Wallet-Lösung, die über die dedizierte Tochtergesellschaft Vinted Pay abgewickelt wird. Diese strategische Neuausrichtung zielt darauf ab, Second-Hand-Mode weltweit zur ersten Wahl zu machen, indem die Transaktionsprozesse für die Nutzer vereinfacht und beschleunigt werden. Die Einführung einer Vinted Wallet-Lösung als zentrales Element der Zahlungsabwicklung markiert einen Meilenstein in der Geschichte der Plattform, da Vinted nun die Kontrolle über die Finanzströme intern stärker bündelt.
Funktionsweise der Wallet-Lösung von Vinted Pay
Inhaltsverzeichnis
Mit der aktuellen Einführung ändert sich für Verkäufer auf der Plattform die Art und Weise, wie Einnahmen verwaltet werden. Vinted Pay fungiert dabei als dedizierte Zahlungsplattform, die speziell für die Bedürfnisse der Vinted-Mitglieder entwickelt wurde. Das Kernstück dieser Neuerung ist die Wallet-Funktion. Wenn ein Verkäufer einen Artikel erfolgreich verkauft und die Transaktion abgeschlossen ist, wird der Erlös nicht mehr zwingend über Drittanbieter geleitet, sondern direkt dem Nutzerkonto gutgeschrieben, das von Vinted Pay verwaltet wird.
Die Nutzer erhalten durch Vinted Pay mehr Flexibilität im Umgang mit ihren Einnahmen. Sobald das Geld im digitalen Geldbeutel verfügbar ist, können Mitglieder entscheiden, ob sie diese Mittel direkt für neue Käufe auf dem Marktplatz verwenden möchten. Dies fördert den internen Wirtschaftskreislauf der Plattform. Alternativ besteht die Möglichkeit, das Guthaben über Vinted Pay auf ein hinterlegtes Bankkonto auszahlen zu lassen. Diese nahtlose Integration soll sicherstellen, dass Zahlungen reibungsloser und effizienter als bisher ablaufen.
Regulatorische Basis und Lizenzierung
Der Start der Wallet-Lösung ist das Ergebnis einer langfristigen Planung. Bereits im Jahr 2023 legte das Unternehmen den Grundstein hierfür, indem es eine Lizenz als E-Geld-Institut (Electronic Money Institution) von der Bank von Litauen erhielt. Diese Lizenz berechtigt Vinted Pay, offiziell Finanzdienstleistungen im europäischen Raum anzubieten und elektronisches Geld auszugeben. Ohne diese regulatorische Genehmigung wäre der Betrieb einer eigenen Zahlungsplattform in dieser Form rechtlich nicht möglich gewesen.
Durch die Lizenzierung unterliegt Vinted Pay strengen aufsichtsrechtlichen Anforderungen. Dies betrifft unter anderem die Sicherheit der verwalteten Gelder sowie Maßnahmen zur Geldwäscheprävention. Für die Nutzer bedeutet dies, dass Vinted Pay denselben hohen Sicherheitsstandards genügen muss wie andere regulierte Finanzinstitute. Die Entscheidung, eine eigene Lizenz zu beantragen und Vinted Pay als eigenständiges Vehikel für Zahlungen aufzubauen, verdeutlicht den Anspruch von Vinted, unabhängiger von externen Partnern zu agieren und die Wertschöpfungstiefe zu erhöhen.
Strategische Bedeutung der Inhouse-Lösung
Die Etablierung von Vinted Pay ist nicht nur eine technische Neuerung, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmensstrategie. Modestas Tursa, VP of Payments bei Vinted, äußerte sich zu den Zielen der neuen Infrastruktur. Durch die Entwicklung einer Inhouse-Zahlungslösung will das Unternehmen besser auf die spezifischen Bedürfnisse der Mitglieder eingehen. Eine interne Lösung bietet die notwendige Agilität, um schnell auf sich verändernde Marktanforderungen zu reagieren, ohne auf die Entwicklungszyklen externer Dienstleister angewiesen zu sein.
Darüber hinaus verspricht sich das Management durch den Einsatz von Vinted Pay eine gesteigerte operative Effizienz. Wenn Zahlungsdaten und Transaktionsprozesse im eigenen Haus verbleiben, lassen sich Fehlerquellen reduzieren und Abläufe optimieren. Für die Mitglieder resultiert dies in einer besseren Nutzererfahrung, da die Bezahllösung tief in die App und die Webseite integriert ist und somit Brüche im Bedienfluss vermieden werden.
Geografischer Start und Expansionspläne
Der Rollout der Wallet-Funktion von Vinted Pay erfolgt stufenweise, um die Stabilität des Systems zu gewährleisten. Aktuell steht der Service Nutzern in acht europäischen Ländern zur Verfügung: Litauen, Lettland, Estland, Finnland, Griechenland, die Slowakei, Slowenien und Kroatien. Die Auswahl dieser Märkte ist strategisch sinnvoll, da Litauen der Heimatmarkt des Unternehmens ist und die dortige Zentralbank als Aufsichtsbehörde für Vinted Pay fungiert.
Vinted hat bereits angekündigt, dass die Verfügbarkeit von Vinted Pay zeitnah auf weitere Länder ausgeweitet werden soll. Ziel ist es, die Lösung einem breiteren europäischen Publikum zugänglich zu machen. Die Erfahrungen aus den ersten Märkten werden dabei helfen, die Prozesse von Vinted Pay weiter zu verfeinern, bevor große Märkte wie Deutschland oder Frankreich vollständig integriert werden.
Koexistenz mit externen Zahlungsanbietern
Trotz der Einführung der eigenen Lösung wird Vinted die Zusammenarbeit mit anderen Zahlungsdienstleistern nicht beenden. Vinted Pay ist als Kernstück der Abwicklung gedacht, doch um eine breite Akzeptanz und bequeme Einzahlungsmethoden (Pay-ins) für Käufer zu sichern, bleiben Partnerschaften bestehen. Dies garantiert, dass Mitglieder weiterhin ihre bevorzugten Zahlungsmittel nutzen können, während die Abwicklung im Hintergrund zunehmend über Vinted Pay läuft.
Die Migration der Mitglieder auf die neue Wallet-Infrastruktur erfolgt proaktiv. Nutzer, deren Konten auf das Vinted Wallet umgestellt werden, erhalten entsprechende Benachrichtigungen direkt in der App. Diese Kommunikation soll sicherstellen, dass alle Betroffenen über die neuen Funktionen und eventuelle Änderungen in den Nutzungsbedingungen transparent informiert sind.
Einordnung in den E-Commerce-Kontext
Der Schritt von Vinted folgt einem Trend, der im modernen E-Commerce als „Embedded Finance“ bezeichnet wird. Große Plattformen tendieren dazu, Finanzdienstleistungen selbst anzubieten, um die Kundenbindung zu erhöhen. Mit Vinted Pay schafft der Marktplatz ein geschlossenes Ökosystem. Wenn Verkaufserlöse direkt im Wallet verbleiben, sinkt die psychologische Hürde für erneute Käufe, was die Liquidität auf der Plattform erhöht. Vinted Pay wird somit zu einem Instrument, das nicht nur Zahlungen abwickelt, sondern auch das Handelsvolumen aktiv stützen kann.
Vergleichbare Entwicklungen waren in der Vergangenheit auch bei anderen großen Marktplätzen zu beobachten, die ihre Zahlungsabwicklung internalisiert haben. Vinted Pay ermöglicht es dem Unternehmen zudem, wertvolle Daten über Zahlungsströme zu analysieren und Betrugsmuster effektiver zu erkennen, da der Zugriff auf Transaktionsdaten direkter ist als bei der Nutzung reiner Drittanbieterlösungen.
Ausblick auf die Weiterentwicklung der Finanzdienste
Die Einführung der Wallet-Lösung ist erst der Anfang der Aktivitäten von Vinted Pay. Mit der vorhandenen E-Geld-Lizenz verfügt das Unternehmen theoretisch über den rechtlichen Rahmen, um das Angebot an Finanzdienstleistungen in Zukunft weiter auszubauen. Ob Vinted Pay künftig weitere Services anbieten wird, hängt von der Akzeptanz und den Bedürfnissen der Nutzer ab. Fest steht, dass Vinted mit diesem Schritt seine Position als technologisch fortgeschrittener Akteur im europäischen Plattform-Markt festigt. Die erfolgreiche Etablierung von Vinted Pay in den ersten acht Ländern wird die Blaupause für die weitere internationale Strategie des Unternehmens bilden.
Faktenbox
| Vinted Wallet-Lösung für Marktplatz-Mitglieder | |
|---|---|
| Plattform-Name | Vinted Pay |
| Art der Dienstleistung | Zahlungsplattform und Wallet-Lösung |
| Startdatum Wallet-Rollout | 14. Januar 2026 |
| Lizenzierung | E-Geld-Institut (Bank von Litauen, 2023) |
| Verfügbare Länder | Litauen, Lettland, Estland, Finnland, Griechenland, Slowakei, Slowenien, Kroatien |
| Verantwortliches Management | Modestas Tursa (VP of Payments) |