Rekordjahr für das deutsche Ökosystem: Startup-Neugründungen auf Höchststand
Nach einer Phase der Zurückhaltung zeigen die aktuellen Daten des Startup-Verbands und von startupdetector [PDF], dass die Startup-Neugründungen in Deutschland ein neues Rekordniveau erreicht haben. Mit insgesamt 3.568 neu gegründeten Unternehmen wurde der bisherige Spitzenwert aus dem Jahr 2021 nicht nur erreicht, sondern deutlich übertroffen. Dies entspricht einem beeindruckenden Anstieg von 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2024.
Die Dynamik beschleunigte sich insbesondere in der zweiten Jahreshälfte massiv. Während der langfristige monatliche Durchschnitt der letzten Jahre bei etwa 236 Gründungen lag, kletterte dieser Wert im zweiten Halbjahr 2025 auf durchschnittlich 363 Startup-Neugründungen pro Monat. Diese Zahlen belegen eindrucksvoll, dass sich das deutsche Gründungsökosystem vollständig von den Krisenjahren 2022 und 2023 erholt hat und nun wieder auf einem robusten Wachstumspfad agiert.
Technologischer Wandel beflügelt Startup-Neugründungen
Inhaltsverzeichnis
Ein wesentlicher Treiber für den Anstieg der Startup-Neugründungen ist der technologische Fortschritt, insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI). KI hat sich als zentraler Motor der Gründungsdynamik etabliert. Der Anteil der Startups mit einem klaren KI-Bezug ist sprunghaft angestiegen: Nutzten im Jahr 2024 noch rund 18 Prozent der Gründer KI als Kernbestandteil ihres Modells, so stieg dieser Wert 2025 auf über 27 Prozent. Absolut betrachtet bedeutet dies, dass fast 1000 der Startup-Neugründungen im Jahr 2025 einen direkten KI-Fokus aufweisen.
Besonders deutlich wird dieser Trend in spezifischen Sektoren. Im Bereich LegalTech basieren mittlerweile fast 51 Prozent der neuen Geschäftsmodelle auf KI-Anwendungen, in der Werbebranche sind es sogar knapp 56 Prozent. Doch auch der Software-Sektor als Ganzes profitiert massiv. Mit 853 Startup-Neugründungen ist Software der stärkste Bereich und verzeichnete ein Wachstum von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch klassische Branchen ziehen nach: Der Medizin-Sektor legte um 46 Prozent zu, und der Food-Sektor, der lange stagnierte, verzeichnete mit einem Plus von 80 Prozent das stärkste relative Wachstum unter den Top-Branchen.
Regionale Hotspots der Startup-Neugründungen
Die geografische Verteilung der Startup-Neugründungen zeigt 2025 deutliche Verschiebungen in der deutschen Landkarte. Bayern hat sich als Wachstumsmotor etabliert und verzeichnete mit einem Plus von 46 Prozent den stärksten Zuwachs unter den großen Bundesländern. Mit 247 zusätzlichen Gründungen gegenüber dem Vorjahr entfällt mehr als jede fünfte der Startup-Neugründungen auf den Freistaat.
Auch Nordrhein-Westfalen zeigt sich dynamisch und steigerte die Zahl der neuen Startups um 33 Prozent auf insgesamt 164 zusätzliche Firmen. Sachsen sticht als aufstrebender Standort hervor und konnte seine Gründungszahlen um 56 Prozent steigern. Im Gegensatz dazu verläuft die Entwicklung im Norden Deutschlands verhaltener. Hamburg verzeichnete zwar ein Plus von 26 Prozent, fällt aber im langfristigen Trend hinter München zurück, während Bremen und Schleswig-Holstein Rückgänge bei den Startup-Neugründungen hinnehmen mussten.
Führungswechsel im Städteranking
Ein historischer Wechsel vollzog sich an der Spitze der städtischen Gründungsaktivität. Jahrelang galt Berlin als unangefochtene Nummer eins, wenn es um Startup-Neugründungen pro Kopf ging. Im Jahr 2025 hat München die Hauptstadt jedoch überholt. Mit 19,3 Neugründungen pro 100.000 Einwohner liegt München nun klar auf dem ersten Platz vor Berlin, das auf einen Wert von 16,8 kommt.
Dieser Führungswechsel unterstreicht die Attraktivität Münchens für technologiegetriebene Gründungen, die oft aus dem universitären Umfeld entstehen. Doch die Daten zeigen auch, dass Startup-Neugründungen in Deutschland kein reines Metropolen-Phänomen sind. In den Top-10 der gründungsstärksten Städte finden sich mit Aachen, Heidelberg, Potsdam und Darmstadt zahlreiche Standorte, die durch exzellente Forschungseinrichtungen geprägt sind. Düsseldorf sicherte sich mit 15,4 Gründungen pro 100.000 Einwohner einen starken dritten Platz und verweist auf die Bedeutung der Rhein-Ruhr-Region.
Positive Signale durch sinkende Insolvenzen
Neben dem Rekord bei den Startup-Neugründungen gibt es auch positive Nachrichten bei der Marktstabilität. Die Zahl der Insolvenzen ist im Jahr 2025 leicht gesunken. Insgesamt wurden 306 Insolvenzen registriert, was einem Rückgang von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Angesichts der deutlich gestiegenen Gesamtzahl an aktiven Startups ist diese Entwicklung besonders erfreulich und deutet auf eine Stabilisierung der Geschäftsmodelle hin.
Besonders Branchen, die stark vom Konsumklima abhängen, wie der eCommerce- und Food-Sektor, verzeichnen weniger Insolvenzen und gleichzeitig wieder mehr Startup-Neugründungen. Dies lässt darauf schließen, dass das Vertrauen von Gründern und Investoren in B2C-Modelle zurückgekehrt ist. Die Kombination aus einem Allzeithoch bei den Gründungen und rückläufigen Insolvenzen zeichnet das Bild eines vitalen und wachsenden Ökosystems im Jahr 2025.
Faktenbox
| Daten zu Startup-Neugründungen 2025 | |
|---|---|
| Anzahl Neugründungen | 3.568 Startups |
| Veränderung zum Vorjahr | + 29 Prozent |
| Stärkster Sektor | Software (853 Gründungen) |
| KI-Quote | 27,4 Prozent aller Neugründungen |
| Top-Bundesland (Wachstum) | Bayern (+ 46 Prozent) |
| Gründungsstärkste Stadt | München (19,3 pro 100.000 EW) |
| Insolvenzen | 306 (- 11 Prozent) |