Ikea schließt 7 Filialen in China: Neuausrichtung im schwierigem Marktumfeld

Der schwedische Möbelriese Ikea hat einen drastischen Einschnitt in sein Filialnetz in Ostasien angekündigt. Angesichts einer anhaltenden Immobilienkrise und verhaltener Konsumstimmung passt der Konzern seine Präsenz im Reich der Mitte an. Die zentrale Nachricht aus der Unternehmenszentrale ist eindeutig: Ikea schließt Filialen in China, um die Kostenstruktur zu optimieren und Ressourcen für neue Formate freizumachen. Dieser Schritt markiert eine Zäsur in der fast 30-jährigen Geschichte des Unternehmens auf dem chinesischen Festland, deutet aber gleichzeitig auf einen strategischen Wandel hin zu agileren Vertriebskonzepten hin.

Ikea schließt Filialen in China: Neuausrichtung im schwierigem Marktumfeld
Ikea schließt Filialen in China: Neuausrichtung im schwierigem Marktumfeld

Umstrukturierung betrifft sieben Standorte

Nach einer umfassenden internen Prüfung hat Ikea China beschlossen, den Betrieb an mehreren Standorten einzustellen berichtet die South China Morning Post. Die Maßnahmen greifen kurzfristig. Bereits zum 2. Februar 2026 werden die Lichter in den betroffenen Häusern ausgehen. Die geographische Verteilung zeigt, dass es sich um ein überregionales Phänomen handelt. Betroffen sind das Einrichtungshaus im Shanghaier Stadtbezirk Baoshan sowie Standorte in den Metropolen Guangzhou, Tianjin, Nantong und Xuzhou in der Provinz Jiangsu. Auch in Ningbo (Zhejiang) und der nordöstlichen Stadt Harbin (Heilongjiang) zieht sich der Händler aus der Fläche zurück.

Die Entscheidung fiel nicht leicht, ist aber ökonomisch begründet. Ikea schließt Filialen in China, weil die Besucherfrequenzen in den klassischen „Blue Box“-Märkten am Stadtrand unter den Erwartungen blieben. Fan Xinyu, Assistenzprofessor für Wirtschaftswissenschaften an der Cheung Kong Graduate School of Business in Peking, ordnet diesen Schritt als notwendige Anpassung an makroökonomische Gegenwinde ein. Der Experte verweist zudem auf den hochentwickelten Online-Markt in China, der den physischen Einzelhandel zunehmend unter Druck setzt und den Überlebensraum für große stationäre Geschäfte verengt.

Die Rolle der Immobilienkrise und das Konsumverhalten

Ein entscheidender Treiber für den Rückgang der Nachfrage ist die tiefe Krise des chinesischen Immobiliensektors. Über Jahre hinweg war der Kauf einer neuen Wohnung der Hauptauslöser für den Besuch bei Ikea. Doch da weniger Neubauten fertiggestellt und verkauft werden, sinkt der Bedarf an kompletten Erstausstattungen signifikant. Die chinesischen Verbraucher sind vorsichtiger geworden. Anstatt ganze Wohnungen neu einzurichten, beschränken sich viele Haushalte auf den Austausch einzelner Möbelstücke oder kleinerer Accessoires.

Das Unternehmen hat diese Verschiebung erkannt. Der Fokus richtet sich nun stärker auf den Markt für Ersatzbeschaffungen. In diesem Kontext ist der Rückzug folgerichtig: Ikea schließt Filialen in China, die primär auf das Volumenwachstum durch Neubaugebiete ausgelegt waren. Stattdessen sollen Investitionen dort getätigt werden, wo die Kunden im Alltag präsent sind, und nicht dort, wo neue Geisterstädte entstehen könnten.

Strategiewechsel: Kleine Formate in den Metropolen

Der Abbau von Großflächen bedeutet jedoch keineswegs einen generellen Rückzug aus dem strategisch wichtigen Markt. Parallel zur Schließungswelle kündigte Ikea an, in die Offensive zu gehen – allerdings mit einem veränderten Konzept. Der Plan sieht vor, in den kommenden zwei Jahren mehr als zehn neue Verkaufsstellen im Kleinformat zu eröffnen. Der Fokus liegt hierbei auf Schlüsselstädten wie Peking und Shenzhen.

Diese „City-Stores“ oder Planungsstudios benötigen deutlich weniger Fläche und sind in hochfrequentierten Innenstadtlagen oder Einkaufszentren angesiedelt. Ein erster neuer Standort dieses Typs soll bereits im nächsten Monat in Dongguan (Provinz Guangdong) eröffnen, gefolgt von einer weiteren Filiale im April im Pekinger Bezirk Tongzhou. Die Logik hinter dieser Rochade ist klar: Ikea schließt Filialen in China am Stadtrand, rückt dafür aber in den Stadtkernen näher an den Kunden heran.

Experte Fan betont, dass Ikea traditionell für ein immersives Einkaufserlebnis bekannt ist. Kleine Formate bieten die Chance, dieses Erlebnis auch ohne riesige Lagerhallen zu vermitteln. Sie fungieren als Kontaktpunkte, in denen Kunden Stoffe fühlen, Sofas probesitzen und Küchen planen können, während die eigentliche Bestellung und Lieferung digital abgewickelt wird. Diese hybride Strategie soll die Lücke zwischen dem reinen Online-Handel und dem klassischen Möbelhaus schließen.

Massive Investitionen und Preissenkungen geplant

Trotz der Konsolidierung bleibt das Reich der Mitte einer der wichtigsten Märkte für den schwedischen Konzern, sowohl als Absatzmarkt als auch als globale Beschaffungsquelle. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, nimmt Ikea viel Geld in die Hand. Für das Geschäftsjahr 2026 sind Investitionen in Höhe von 160 Millionen Yuan (ca. 22,9 Millionen US-Dollar) eingeplant.

Ein Großteil dieses Budgets fließt direkt in die Preisgestaltung. Ikea plant, die Preise für mehr als 150 Produkte zu senken. Bemerkenswert ist dabei, dass 70 Prozent dieser reduzierten Artikel zu den Bestsellern des Sortiments gehören. Auch wenn die aktuelle Schlagzeile lautet „Ikea schließt Filialen in China“, zeigt der Blick auf die Zahlen, dass das Unternehmen aggressiv um Marktanteile kämpft. Bereits in den vergangenen zwei Jahren wurden 673 Millionen Yuan investiert, um preisgünstige Produkte zu entwickeln.

Diese Preissenkungen dienen laut Experten dazu, den Lagerumschlag zu beschleunigen und das Verkaufsvolumen in einem preissensiblen Umfeld zu stabilisieren. Durch die Optimierung der Betriebskosten – unter anderem durch die Schließung unrentabler Häuser – schafft sich Ikea den finanziellen Spielraum für diese Preiskämpfe.

Integration von Online und Offline

Der Erfolg der neuen Strategie wird maßgeblich davon abhängen, wie gut die Verzahnung der Kanäle gelingt. Ikea betreibt in China nicht nur einen eigenen Webshop, sondern ist auch auf den dominierenden Plattformen Tmall (Alibaba) und JD.com präsent. Die neuen kleinen Filialen sollen als verlängerter Arm dieser digitalen Präsenz dienen.

Die Ära der blinden Expansion ist vorbei. Das Unternehmen setzt auf „tiefe Kultivierung“ statt auf bloße Größe. Die Botschaft an den Markt ist differenziert zu betrachten: Ikea schließt Filialen in China, erfindet sich aber gleichzeitig neu, um den veränderten Gewohnheiten der chinesischen Mittelschicht gerecht zu werden. Ob diese Transformation ausreicht, um die Schwäche des Immobiliensektors vollständig zu kompensieren, werden die kommenden zwei Jahre zeigen.

Faktenbox

Ikea schließt Filialen in China
Geschlossene Standorte7 Filialen (u.a. Shanghai, Guangzhou, Tianjin, Harbin)
Datum der Schließung2. Februar 2026
Neue StrategieFokus auf „Small-Format“-Stores in Innenstädten
ExpansionsplanÜber 10 Neueröffnungen in 2 Jahren (Peking, Shenzhen)
Investitionen 2026160 Mio. Yuan (ca. 22,9 Mio. USD)
PreisstrategiePreissenkungen für über 150 Bestseller-Produkte