Allegro veräußert Geschäftsbereiche: Fokus auf Restrukturierung in Zentraleuropa

Der polnische E-Commerce-Marktführer Allegro vollzieht einen bedeutenden Schritt in seiner Unternehmensstrategie und bereinigt sein internationales Portfolio. Im Rahmen einer weitreichenden Neuausrichtung gab der Konzern bekannt: Allegro verkauft Geschäftsbereiche in Südeuropa an den Finanzinvestor Mutares. Diese Entscheidung markiert das Ende einer intensiven Restrukturierungsphase der 2022 erworbenen Mall Group und signalisiert eine klare Konzentration auf die Kernmärkte in Mitteleuropa.

Allegro verkauft Geschäftsbereiche: Fokus auf Restrukturierung in Zentraleuropa
Allegro verkauft Geschäftsbereiche: Fokus auf Restrukturierung in Zentraleuropa

Details zur Transaktion mit Mutares

Der Verkauf bezieht sich konkret auf die operativen Einheiten in Slowenien und Kroatien. Der Konzern hat eine bindende Vereinbarung mit der Mutares SE & Co. KGaA unterzeichnet, einem in Deutschland ansässigen Private-Equity-Unternehmen, das auf Turnaround-Situationen spezialisiert ist. Gegenstand des Verkaufs sind 100 Prozent der Anteile an der slowenischen Gesellschaft Mimovrste d.o.o. sowie der kroatischen Internet Mall d.o.o.

Doch der Deal umfasst mehr als nur die reinen Handelsaktivitäten. Allegro verkauft Geschäftsbereiche inklusive der dazugehörigen technologischen Infrastruktur. Dies bedeutet, dass auch dedizierte Ressourcen und Teams, die ihren Sitz in der Tschechischen Republik haben, aber primär für die südlichen Märkte (intern „Mall South“ genannt) tätig waren, an den neuen Eigentümer übergehen. Dieser saubere Schnitt soll sicherstellen, dass die Einheiten unter der Führung von Mutares eigenständig und unabhängig von der Allegro-Plattform agieren können.

Der Abschluss der Transaktion wird für das erste Halbjahr 2026 erwartet, vorbehaltlich der Zustimmung der zuständigen Kartellbehörden. Bis zu diesem Zeitpunkt werden die betroffenen Segmente in den Bilanzen von Allegro als „aufgegebene Geschäftsbereiche“ geführt.

Strategische Hintergründe: Warum Allegro verkauft Geschäftsbereiche

Für Marktbeobachter kommt der Schritt nicht völlig überraschend, er ist die logische Konsequenz einer gründlichen Analyse der Vermögenswerte. Allegro verkauft Geschäftsbereiche im Süden, um Ressourcen freizusetzen und die internationale Struktur massiv zu vereinfachen. Das Management verfolgt nun strikt das Ziel, in den verbleibenden Märkten Tschechien, Slowakei und Ungarn (Mall North) ein sogenanntes „Asset-light“-Modell zu etablieren.

Dieses Modell basiert auf dem skalierbaren Marktplatz-Ansatz, der Allegro in Polen groß gemacht hat. Im Gegensatz dazu basierten die Aktivitäten in Slowenien und Kroatien noch stark auf dem klassischen Einzelhandelsmodell mit eigener Lagerhaltung und einer älteren Technologie-Infrastruktur. Nach der Integration der nördlichen Nachbarländer in das neue System kam der Vorstand zu dem Schluss, dass eine weitere Integration des Südens zu kostenintensiv und strategisch wenig zielführend wäre. Die Entscheidung ist somit gefallen: Allegro verkauft Geschäftsbereiche, die nicht in das moderne Plattform-Konzept passen, an einen Eigentümer, der auf die Optimierung solcher Strukturen spezialisiert ist.

Finanzielle Auswirkungen und Bilanzbereinigung

Ein Blick in die Geschäftsbücher verdeutlicht die Dringlichkeit der Maßnahme. Aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht ist der Schritt nachvollziehbar: Allegro verkauft Geschäftsbereiche, die zuletzt die Gesamtbilanz belasteten. In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 verzeichnete das Segment „Mall South“ rückläufige Zahlen. Der Bruttowarenwert (GMV) sank um 6,7 Prozent auf 387,1 Millionen Złoty, während die Umsätze um 7,8 Prozent zurückgingen.

Besonders ins Gewicht fiel jedoch das negative bereinigte EBITDA von minus 23,8 Millionen Złoty. Indem Allegro Geschäftsbereiche verkauft, die Verluste generieren, verbessert sich perspektivisch das operative Ergebnis der gesamten Gruppe. Zwar muss das Unternehmen kurzfristig einen negativen Effekt auf das Nettoergebnis von rund 235 Millionen Złoty verbuchen – unter anderem durch eine hohe Abschreibung –, doch langfristig eliminiert der Verkauf dauerhafte operative Verluste. Das Management erwartet dadurch eine positive Auswirkung auf die Profitabilität ab dem Jahr 2026.

Historischer Kontext der Expansion und Konsolidierung

Die Geschichte hinter dieser Meldung beginnt im April 2022. Damals erwarb Allegro die Mall Group sowie den Logistikdienstleister WE|DO, um die Präsenz in Mittel- und Osteuropa schlagartig auszubauen. Es war eine Zeit aggressiver Expansion. Dass nun Allegro verkauft Geschäftsbereiche, die Teil dieser Übernahme waren, zeigt einen Wandel in der Unternehmensphilosophie: Weg von maximaler geografischer Breite, hin zu maximaler Effizienz und Skalierbarkeit.

Während die Transformation in Tschechien und der Slowakei als erfolgreich angesehen wird, erwiesen sich die Märkte an der Adria als schwieriger zu integrieren. Die technologische Kluft und die unterschiedlichen Marktbedingungen führten zu der Einsicht, dass eine Trennung die beste Option für beide Seiten ist. Mutares übernimmt nun die Verantwortung für den Turnaround von Mimovrste und Internet Mall. Für Allegro endet damit ein Kapitel, und der Blick richtet sich voll auf das Wachstum der verbleibenden Plattform.

Faktenbox

Eckdaten zum Verkauf
TransaktionAllegro verkauft Geschäftsbereiche (Mall South)
KäuferMutares SE & Co. KGaA
Betroffene LänderSlowenien und Kroatien
VerkaufsobjekteMimovrste d.o.o., Internet Mall d.o.o. & Tech-Ressourcen
ZeitplanAbschluss (Closing) im 1. Halbjahr 2026 erwartet
Finanzielles ZielEliminierung operativer Verluste, Verbesserung EBITDA