Bundeskartellamt Jahresrückblick 2025: Digitalwirtschaft und Big Tech im Fokus
Inhaltsverzeichnis
Das Jahr 2025 war für die deutschen Wettbewerbshüter ein Jahr intensiver Arbeit an mehreren Fronten. Am 22. Dezember 2025 veröffentlichte die Bonner Behörde ihre Bilanz. Der Bundeskartellamt Jahresrückblick 2025 zeichnet das Bild einer Behörde, die nicht nur klassische Kartelle verfolgt, sondern zunehmend komplexe Aufgaben in der Digitalwirtschaft und im Energiesektor übernimmt. Im Zentrum standen Rückforderungen von staatlichen Energiehilfen, die Regulierung von Internet-Giganten sowie die Überwachung der Kraftstoffmärkte. Präsident Andreas Mundt betonte dabei die Rolle des Wettbewerbs als zentralen Hebel für Innovation und Wachstum in einer herausfordernden wirtschaftlichen Gesamtlage.
Kartellverfolgung im Bundeskartellamt Jahresrückblick 2025
Ein Kernbereich der behördlichen Tätigkeit blieb auch im Jahr 2025 die Aufdeckung und Ahndung illegaler Preisabsprachen. Wie der Bundeskartellamt Jahresrückblick 2025 offenlegt, verhängte die Behörde Bußgelder in einer Gesamthöhe von rund zehn Millionen Euro. Diese Summe richtet sich sowohl gegen beteiligte Unternehmen als auch gegen verantwortliche Privatpersonen. Ein nennenswerter Fall, der im Mai 2025 für Aufsehen sorgte, betraf vertikale Preisbindungen bei Audioprodukten. Hierbei hatten Hersteller versucht, die Endverkaufspreise der Händler zu diktieren, was den Wettbewerb zum Nachteil der Verbraucher einschränkte.
Die Ermittler setzten dabei auf eine Kombination aus klassischen Methoden und modernen Instrumenten. Neben der bewährten Kronzeugenregelung, die Unternehmen Straffreiheit oder -minderung bei Kooperation verspricht, gewinnt das anonyme Hinweisgebersystem an Bedeutung. Rund 600 Hinweise gingen allein über diesen digitalen Kanal ein. Diese Informationen führten dazu, dass die Behörde in zehn Fällen unangekündigte Durchsuchungen durchführte. Andreas Mundt wies darauf hin, dass die rechtlichen Hürden für eine erfolgreiche Kartellverfolgung hoch seien und der Einsatz IT-gestützter Auswertungsinstrumente künftig noch wichtiger werde, um belastbare Nachweise zu sichern.
Digitalwirtschaft und Big Tech im Fokus
Die großen Tech-Konzerne blieben auch im Berichtsjahr ein Dauerthema. Der Bundeskartellamt Jahresrückblick 2025 listet zentrale Verfahren gegen die Schwergewichte Alphabet (Google), Meta, Amazon und Apple auf. Die Behörde nutzt hierbei ihre erweiterten Befugnisse, um faire Wettbewerbsbedingungen in digitalen Ökosystemen sicherzustellen. Besonders hervorzuheben ist das Verfahren gegen Apple, in dem im Dezember ein Markttest zu möglichen Abhilfemaßnahmen im App-Bereich startete.
Auch Amazon geriet ins Visier der Wächter und wurde wegen potenzieller Preiskontrollmechanismen abgemahnt. Ein Erfolg konnte im Bereich der Mobilitätsdaten verbucht werden: Das Verfahren bezüglich Google Automotive Services und der Google Maps Platform wurde nach verbindlichen Zusagen des Konzerns beendet. Die Behörde beobachtet zudem sehr genau, wie neue Technologien wie Künstliche Intelligenz die Marktmacht bestehender Plattformen weiter festigen könnten. Der Jahresbericht unterstreicht die Notwendigkeit, bestehende Verfahren konsequent zu führen, um reale Veränderungen in den Märkten zu erzwingen.
Energiepreise und Mineralölsektor
Ein besonderes Augenmerk des Bundeskartellamt Jahresrückblick 2025 liegt auf dem Energiesektor. Im Nachgang der Energiekrise hatte die Behörde die Aufgabe übernommen, den missbräuchlichen Abruf von Geldern aus den Energiepreisbremsen zu prüfen. Diese Prüfungen konnten 2025 weitgehend abgeschlossen werden. Das Ergebnis ist beachtlich: Rund 200 Millionen Euro an Ausgleichszahlungen wurden an den Bundeshaushalt zurückgeführt. Dies zeigt, dass die Überwachungsmechanismen griffen, auch wenn sich die überwiegende Zahl der geprüften Energieversorger regelkonform verhielt.
Parallel dazu widmete sich das Amt dem Kraftstoffmarkt. Nach Abschluss einer umfassenden Sektoruntersuchung im Mineralölbereich leitete die Behörde ein Verfahren nach dem neuen § 32f GWB ein. Dieses Instrument ist eine scharfe Waffe des Kartellrechts: Es erlaubt der Behörde, gegen strukturelle Wettbewerbsprobleme vorzugehen, selbst wenn kein konkreter Rechtsverstoß eines einzelnen Unternehmens nachgewiesen werden kann. Untersucht wird aktuell, ob im Kraftstoffgroßhandel solche strukturellen Probleme vorliegen, die Abhilfemaßnahmen erforderlich machen könnten.
Fusionskontrolle und Verbraucherschutz
Die Fusionskontrolle bildet das präventive Rückgrat der Wettbewerbssicherung. Im Jahr 2025 prüften die Beamten rund 900 Zusammenschlussvorhaben. Während die meisten Fusionen im Vorprüfverfahren freigegeben werden konnten, griff das Amt in kritischen Fällen ein. Der Bundeskartellamt Jahresrückblick 2025 hebt hier die Untersagung der Übernahme dreier Vion-Schlachthöfe durch die Tönnies-Gruppe hervor. Aufgrund der ohnehin starken Konzentration in der Fleischwirtschaft bestanden erhebliche Bedenken hinsichtlich der regionalen Märkte für Rinderschlachtungen.
Auch im Lebensmitteleinzelhandel und E-Commerce schritt die Behörde ein. Laufende Verfahren gegen Coca-Cola und die Edeka-Gruppe untersuchen mögliche wettbewerbswidrige Konditionenpraktiken. Zudem wurde ein Verfahren gegen die Plattform Temu (Whaleco Technology Limited) eingeleitet, bei dem es um wettbewerbsbeschränkende Preisvorgaben geht. Im Telekommunikationsmarkt mahnte das Amt Vodafone ab, um eine mögliche Behinderung des Markteintritts des Konkurrenten 1&1 zu unterbinden.
Abgerundet wird die Bilanz durch das Wettbewerbsregister. Dieses Instrument wird von öffentlichen Auftraggebern intensiv genutzt, um die Zuverlässigkeit von Unternehmen vor einer Auftragsvergabe zu prüfen. Mit täglich rund 1.100 Abfragen ist das Register ein fester Bestandteil des deutschen Vergabewesens geworden.
Faktenbox
| Eckdaten zum Bundeskartellamt Jahresrückblick 2025 | |
|---|---|
| Verhängte Bußgelder | Rund 10 Millionen Euro |
| Rückgeführte Energiebeihilfen | Rund 200 Millionen Euro an den Bundeshaushalt |
| Geprüfte Fusionen | Rund 900 Verfahren (eine Untersagung: Tönnies/Vion) |
| Wettbewerbsregister | Täglich ca. 1.100 Abfragen bei 27.000 Eintragungen |
| Hinweisgebersystem | Rund 600 anonyme Hinweise auf Verstöße |
| Verfahren Big Tech | Laufende/abgeschlossene Verfahren gegen Apple, Google, Amazon, Meta |
| Neue Verfahren § 32f GWB | Untersuchung struktureller Probleme im Kraftstoffgroßhandel |
| Verfahren E-Commerce | Ermittlungen gegen Temu wegen Preisgestaltung |
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