Mollie übernimmt GoCardless und schafft damit Europas umfassendste Zahlungsplattform

Der europäische Finanztechnologie-Markt erlebt eine seiner bedeutendsten Verschmelzungen der letzten Jahre. Am gestrigen 11. Dezember 2025 wurde offiziell bestätigt: Der niederländische Finanzdienstleister Mollie übernimmt GoCardless. Mit diesem Schritt entsteht ein neuer Schwergewichtler in der Zahlungsabwicklung, der künftig über 350.000 Unternehmen in Europa und darüber hinaus bedienen wird. Die Transaktion, die vorbehaltlich der üblichen regulatorischen Prüfungen bis Mitte 2026 abgeschlossen sein soll, zielt darauf ab, die historisch gewachsene Trennung zwischen klassischen Kartenzahlungen und bankbasierten Transaktionen aufzubrechen.

Mollie übernimmt GoCardless und schafft damit Europas umfassendste Zahlungsplattform
Mollie übernimmt GoCardless und schafft damit Europas umfassendste Zahlungsplattform

Ende der Fragmentierung: Einsparungspotenziale für Händler

Marktbeobachter werten den Schritt, dass Mollie übernimmt GoCardless, als direkte Antwort auf ein drängendes Problem im internationalen Handel: die Fragmentierung der Zahlungsinfrastruktur. Bisher mussten Unternehmen, insbesondere bei der internationalen Expansion, oft mit einem Flickenteppich aus verschiedenen Anbietern für Kreditkarten, lokale Wallets und Lastschriften operieren. Dies trieb nicht nur die operativen Kosten in die Höhe, sondern erhöhte auch die technische Komplexität.

Durch die Integration der GoCardless-Technologie in die Mollie-Plattform sollen Händler nun Zugriff auf eine konsolidierte Lösung erhalten. Das Versprechen hinter der Fusion ist eine „All-in-One“-Architektur, die Kartenzahlungen nahtlos mit lokalen Zahlungsmethoden und direkten Bankzahlungen verknüpft. Für Großunternehmen bietet dies die Chance, ihre europäischen Zahlungsvorgänge zentral zu bündeln, während kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) Zugang zu Enterprise-Tools erhalten sollen, die bislang oft größeren Playern vorbehalten waren.

Kampf gegen den „Churn“: Fokus auf Subscription-Economy

Ein wesentlicher Treiber der Übernahme ist das Geschäft mit wiederkehrenden Zahlungen (Abonnements), ein Sektor, der für viele digitale Geschäftsmodelle überlebenswichtig ist. Hier stößt die reine Kartenzahlung oft an ihre Grenzen, etwa durch ablaufende Karten oder abgelehne Transaktionen, was zu unfreiwilliger Kundenabwanderung (Churn) führt.

Die strategische Logik lautet hier: Mollie übernimmt GoCardless, um genau diese Schwachstelle zu schließen. GoCardless bringt ein spezialisiertes globales Bankzahlungs-Netzwerk ein, das Lastschriften und Echtzeit-Zahlungen ermöglicht. Durch die Kombination beider Welten sollen Zahlungsausfälle signifikant reduziert und der Cashflow für Abo-Modelle stabilisiert werden. Koen Köppen, CEO von Mollie, bezeichnete die bisherigen bürokratischen Hürden in diesem Bereich als zentrale Herausforderung für Unternehmen mit wiederkehrenden Einnahmen, die es zu eliminieren gelte.

Mollie übernimmt GoCardless: Auswirkungen auf SaaS und Software-Plattformen

Die Auswirkungen der Fusion reichen tief in die Software-Branche hinein. Für Anbieter von „Software as a Service“ (SaaS) und vertikale Softwarelösungen, die Zahlungsfunktionen in ihre Produkte einbetten (Embedded Finance), eröffnen sich neue Integrationsmöglichkeiten. Nutzer von „Mollie Connect“ können künftig das Bankzahlungs-Netzwerk von GoCardless direkt integrieren.

Das bedeutet in der Praxis: Ein Softwareanbieter kann seinen Kunden nun über eine einzige Schnittstelle ermöglichen, sowohl Kreditkarten als auch Bankeinzüge zu akzeptieren. Dies ist besonders relevant für Plattformen, die international skalieren wollen, da die neue Einheit einen hyperlokalen Ansatz verfolgt. Spezifische lokale Zahlungsmethoden wie iDEAL in den Niederlanden, Twint in der Schweiz oder Satispay in Italien werden nativ unterstützt. Dies senkt die Eintrittsbarrieren für Händler, die neue Märkte erschließen wollen, erheblich.

Die Akteure im Detail: Wer kauft wen?

Um die Dimension der Nachricht „Mollie übernimmt GoCardless“ zu verstehen, lohnt ein Blick auf die bisherige Aufstellung der beiden Unternehmen:

Mollie wurde 2004 in Amsterdam gegründet und hat sich zu einer der führenden Finanzplattformen Europas entwickelt. Mit einem Fokus auf einfache Integration bedient das Unternehmen rund 250.000 Kunden in über 30 Märkten. Das Portfolio umfasste bisher vor allem Online-Zahlungen, POS-Lösungen (Point of Sale) sowie Finanzierungsprodukte wie „Mollie Capital“.

GoCardless, mit Sitz in London, agiert als Spezialist für Bankzahlungen. Das Unternehmen verarbeitet jährlich ein Transaktionsvolumen von über 130 Milliarden US-Dollar und ist in mehr als 30 Ländern aktiv. Zu den Stärken von GoCardless zählen die Open-Banking-Anbindung an über 2.500 Banken sowie KI-gestützte Systeme zur Betrugsprävention. Über 100.000 Unternehmen nutzen die Dienste des britischen Fintechs.

Hiroki Takeuchi, CEO von GoCardless, betonte die Komplementarität der beiden Firmen. Die Bündelung der Expertise in Karten-, Bank- und hyperlokalen Zahlungen schaffe ein Angebot, das „mehr als die Summe seiner Teile“ sei.

Der Weg bis 2026

Bis die Fusion vollzogen ist, wird noch einige Zeit vergehen. Der Abschluss der Transaktion wird für Mitte 2026 erwartet. Beide Unternehmen haben zugesichert, dass die Integration schrittweise erfolgen wird, um den laufenden Betrieb nicht zu gefährden. Wichtig für Bestandskunden: Der lokalisierte Kundensupport sowie die bestehenden Dienstleistungen sollen während der Übergangsphase uneingeschränkt fortgeführt werden.

Die Konsolidierung zeigt, dass im europäischen Fintech-Sektor die Zeit der isolierten Speziallösungen zu Ende geht. Der Trend geht klar in Richtung umfassender Plattformen, die Finanzierung, Zahlungsabwicklung und Betrugsprävention aus einer Hand bieten. Mit der Übernahme positioniert sich Mollie als ein zentraler „One-Stop-Shop“ für den europäischen B2B- und B2C-Zahlungsverkehr.

Faktenbox

Key Facts zur Übernahme

Beteiligte Unternehmen Mollie (Käufer) & GoCardless (Übernahmeobjekt)
Datum der Einigung 11. Dezember 2025
Erwarteter Abschluss Mitte 2026 (vorbehaltlich Genehmigungen)
Gesamtkundenbasis Über 350.000 Unternehmen
Kernsynergie Kombination von Kartenzahlungen (Mollie) und Bankzahlungen/Lastschriften (GoCardless)
Transaktionsvolumen GoCardless >130 Milliarden US-Dollar jährlich