Wachstum von Familienunternehmen: Prognose bis 2030 positiv

Das Wachstum von Familienunternehmen erweist sich auch in Zeiten ökonomischer Instabilität als bemerkenswert robust. Eine aktuelle Analyse zeigt, dass familiengeführte Betriebe weltweit nicht nur an Zahl zunehmen, sondern auch ihre Umsätze deutlich stärker steigern können als Nicht-Familienunternehmen. Die „Global Family Business Insights Series“ von Deloitte Private beleuchtet diese Entwicklung detailliert und prognostiziert für das kommende Jahrzehnt eine signifikante Expansion dieses Sektors. Trotz geopolitischer Spannungen, Inflation und protektionistischer Maßnahmen planen diese Unternehmen massive Investitionen in Technologie und Internationalisierung, um ihre Marktposition zu festigen.

Wachstum von Familienunternehmen: Prognose bis 2030 positiv
Wachstum von Familienunternehmen: Prognose bis 2030 positiv

Prognosen zeigen starkes Wachstum von Familienunternehmen

Die Relevanz familiengeführter Betriebe für die Weltwirtschaft nimmt stetig zu. Aktuelle Daten belegen, dass Familienunternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen US-Dollar bereits heute 22 Prozent aller Unternehmen weltweit ausmachen. Dieser Anteil wird sich voraussichtlich weiter vergrößern. Die Anzahl dieser großen Familienunternehmen soll zwischen den Jahren 2020 und 2030 um rund 22 Prozent steigen – von 18.087 auf 19.744 Betriebe.

Noch beeindruckender als die reine Anzahl ist die Umsatzentwicklung. Das Wachstum von Familienunternehmen manifestiert sich in einer prognostizierten Umsatzsteigerung von 84 Prozent im selben Zeitraum. Während der Gesamtumsatz dieser Gruppe im Jahr 2020 noch bei etwa 16 Billionen US-Dollar lag, wird für das Jahr 2030 ein Wert von 29 Billionen US-Dollar erwartet. Damit übertreffen sie die Wachstumsprognosen für Nicht-Familienunternehmen, die im gleichen Zeitraum lediglich mit einem Anstieg von 59 Prozent rechnen. Aktuell liegt der Umsatz bereits bei 21 Billionen US-Dollar, was die wirtschaftliche Tragweite dieses Segments unterstreicht.

Wirtschaftliche Herausforderungen und Risikomanagement

Obwohl die langfristigen Aussichten positiv sind, agieren die Unternehmen nicht in einem Vakuum. Das Wachstum von Familienunternehmen findet vor dem Hintergrund einer komplexen globalen Gemengelage statt. In der Erhebung nannten 68 Prozent der Befragten die anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit als größtes externes Risiko. Dies führt in vielen Fällen dazu, dass wichtige Investitionen und Wachstumsinitiativen zeitlich verschoben werden müssen.

Ein weiterer kritischer Faktor sind protektionistische Maßnahmen im Welthandel. 70 Prozent der befragten Entscheider gaben an, dass die Einführung weitreichender Zölle negative Auswirkungen auf die Wirtschaft im Allgemeinen und ihr Geschäft im Speziellen haben werde. Neben diesen makroökonomischen Faktoren identifizierten die Unternehmen Cyberbedrohungen, geopolitische Spannungen sowie steigende Produktionskosten als zentrale Risiken. Das Management dieser Risiken rückt somit in den Mittelpunkt der strategischen Planung, um den Expansionskurs nicht zu gefährden.

Technologie als Treiber für das Wachstum von Familienunternehmen

Um in diesem volatilen Umfeld wettbewerbsfähig zu bleiben, setzen viele Betriebe auf technologische Innovation. Investitionen in Technologie, einschließlich Künstlicher Intelligenz (KI), wurden als die wichtigste Strategie für das Wachstum von Familienunternehmen identifiziert. Rund 40 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, ihre Budgets in diesem Bereich zu erhöhen.

Die Ziele dieser technologischen Offensive sind vielschichtig: Es geht um die Steigerung der Effizienz, die Reduzierung von Kosten und die Skalierung von Geschäftsmodellen. Die Digitalisierung wird nicht mehr nur als unterstützende Maßnahme, sondern als zentraler Kern der Unternehmensstrategie begriffen. Neben der technologischen Aufrüstung spielt auch die Diversifizierung eine entscheidende Rolle. 36 Prozent der Unternehmen konzentrieren sich darauf, ihre Einnahmequellen durch die Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen zu diversifizieren, um Abhängigkeiten von einzelnen Marktsegmenten zu verringern.

Internationalisierung und geografische Expansion

Ein weiterer wesentlicher Aspekt für das zukünftige Wachstum von Familienunternehmen ist die Erschließung neuer Märkte. Obwohl diese Unternehmen traditionell den Großteil ihres Umsatzes im Heimatmarkt generieren, gewinnt die internationale Expansion an Bedeutung. Europa steht dabei im Fokus der Expansionspläne: Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (51 Prozent) plant, in den nächsten 24 Monaten in europäischen Märkten zu expandieren.

Nordamerika folgt mit 48 Prozent und der asiatisch-pazifische Raum mit 40 Prozent als weitere bevorzugte Zielregionen. Diese Zahlen verdeutlichen, dass Familienunternehmen zunehmend global agieren und Risiken durch eine breitere geografische Aufstellung streuen. Die Kombination aus Globalisierung und technologischer Innovation schafft die Basis für die prognostizierten Umsatzsprünge, erfordert jedoch gleichzeitig eine Anpassung der Führungsstrukturen und Prozesse an internationale Standards.

Vermögenstransfer und Veränderungen in der Eigentümerstruktur

Ein struktureller Wandel, der das Wachstum von Familienunternehmen in den kommenden Jahren maßgeblich beeinflussen wird, ist der sogenannte „große Vermögenstransfer“. Viele Unternehmen stehen vor einem Generationenwechsel. Da sich fast drei Viertel der befragten Unternehmen in der ersten (27 Prozent) oder zweiten (45 Prozent) Generation der Familienführung befinden, steht eine Übergangsphase bevor.

Dies führt zu einer Öffnung gegenüber externen Einflüssen. 26 Prozent der Familienunternehmen planen, in den nächsten drei bis fünf Jahren externe Investoren oder Private Equity an Bord zu holen. 19 Prozent beabsichtigen, den Eigentumsanteil des nicht zur Familie gehörenden Managements zu erhöhen. Weitere 12 Prozent streben einen Börsengang an, während lediglich 3 Prozent einen kompletten Verkauf des Unternehmens ins Auge fassen.

Diese Zahlen deuten auf eine Professionalisierung und eine strategische Neuausrichtung hin. Die Bereitschaft, externes Kapital und externes Management-Know-how zuzulassen, zeigt, dass der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und die Sicherung des Fortbestands Priorität vor der reinen Familienkontrolle haben. Der Generationenwechsel wird somit nicht nur als Herausforderung, sondern als Chance für eine strategische Erneuerung begriffen.

Methodik der Untersuchung

Die Datenbasis für die Aussagen über das Wachstum von Familienunternehmen liefert der Bericht „Defining the Family Business Landscape, 2025“. Für diese Studie befragte Deloitte Private zwischen März und Juni 2025 weltweit 1.587 Familienunternehmen. Die teilnehmenden Firmen erwirtschaften durchschnittlich einen Jahresumsatz von 2,8 Milliarden US-Dollar. Ergänzt wurden die quantitativen Daten durch Tiefeninterviews mit 30 Führungskräften großer Familienunternehmen.

Zusätzlich wurde eine gesonderte Marktanalyse durchgeführt, um das Wachstum des gesamten Segments zwischen 2020 und 2030 zu modellieren. Dabei wurden Familienunternehmen definiert als Betriebe, bei denen eine einzelne Familie die Kontrollmehrheit besitzt, im Vorstand vertreten ist und bei privaten Unternehmen mindestens 51 Prozent bzw. bei börsennotierten Unternehmen mindestens 25 Prozent der Anteile hält. Nur Unternehmen mit einem Umsatz von mindestens 100 Millionen US-Dollar wurden in die Analyse einbezogen.

Faktenbox

Fakten zur Global Family Business Insights Series
Anteil an globalen Unternehmen (100 Mio. USD+)22 Prozent
Prognostiziertes Umsatzwachstum (2020–2030)84 Prozent (auf 29 Billionen USD)
Anzahl der Unternehmen (Prognose 2030)19.744 (+22 Prozent seit 2020)
Wichtigste WachstumsstrategieInvestition in Technologie / KI (40 Prozent)
Geplante Beteiligung externer Investoren26 Prozent
Top-Expansionsziel (nächste 24 Monate)Europa (51 Prozent)
Top-Risiko laut UmfrageWirtschaftliche Unsicherheit (68 Prozent)