Österreichische Post nimmt 6.000stes E-Fahrzeug in Betrieb

Mitten im Weihnachtsgeschäft vermeldet die Österreichische Post einen signifikanten Ausbau ihrer nachhaltigen Logistikinfrastruktur. Die Österreichische Post E-Flotte wurde offiziell um das 6.000ste Fahrzeug erweitert. Mit der Inbetriebnahme eines neuen Fiat e-Scudo setzt das Unternehmen seinen Kurs fort, die Zustellung auf der letzten Meile bis zum Jahr 2030 vollständig emissionsfrei zu gestalten. Der feierliche Akt in Wien unterstreicht die Bedeutung der Elektromobilität für den Wirtschaftsstandort und die urbane Lebensqualität.

Die Logistikbranche befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, getrieben von steigenden Paketmengen und der Notwendigkeit ökologischer Anpassungen. In diesem dynamischen Umfeld festigt die Österreichische Post ihre Position als Vorreiter im Bereich der E-Mobilität. Das nun übergebene Jubiläumsfahrzeug wird künftig in Wien im Einsatz sein und ist Teil einer umfassenden Strategie, Verbrennungsmotoren sukzessive durch elektrische Antriebe zu ersetzen.

Österreichische Post E-Flotte wächst auf 6.000 Fahrzeuge
Österreichische Post E-Flotte wächst auf 6.000 Fahrzeuge

Ausbau der Österreichische Post E-Flotte

Die Erweiterung des Fuhrparks ist kein isoliertes Ereignis, sondern folgt einem straffen Zeitplan. Jährlich werden mittlerweile rund 1.000 neue Elektrofahrzeuge in den Dienst gestellt. Das 6.000ste Modell, ein Fiat e-Scudo Kastenwagen XL, steht exemplarisch für die technische Aufrüstung im Zustellbetrieb. Das Fahrzeug verfügt über eine 75-kWh-Batterie, die eine Reichweite von bis zu 350 Kilometern nach dem WLTP-Standard ermöglicht.

Für den operativen Alltag in der Paketlogistik ist neben der Reichweite vor allem das Ladevolumen entscheidend. Der Transporter bietet hierbei 6,6 Kubikmeter Platz für Sendungen. Zudem wurde die Ausstattung spezifisch an die Bedürfnisse der Zusteller angepasst. Zur Konfiguration gehören unter anderem eine Sitzheizung, ein beheizbares Lenkrad sowie eine verstärkte LED-Beleuchtung im Laderaum. Sicherheitsfeatures wie eine Rückfahrkamera und Parksensoren sollen den Arbeitsalltag im dichten städtischen Verkehr erleichtern.

Strategische Bedeutung für Wirtschaft und Klimaschutz

Die Inbetriebnahme wurde von hochrangigen Vertretern aus Politik und Wirtschaft begleitet. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer betonte im Rahmen der Übergabe den Veränderungsdruck, der auf der europäischen Logistikbranche lastet. Er hob hervor, dass die Österreichische Post E-Flotte ein Beleg dafür sei, dass staatliche Beteiligungsunternehmen Verantwortung für den ökologischen Umbau übernehmen und gleichzeitig die Versorgungssicherheit gewährleisten können.

Auch für die Stadt Wien spielt die Elektrifizierung des gewerblichen Verkehrs eine zentrale Rolle. Bürgermeister Michael Ludwig verwies auf die Effekte für die urbane Lebensqualität. Jedes Elektrofahrzeug, das einen Verbrenner ersetzt, trägt zur Reduktion von Lärm und direkten Abgasemissionen bei. Dies unterstützt die städtischen Ziele im Bereich Klimaschutz und Modernisierung der Mobilität. Die Zusammenarbeit zwischen Kommune und Logistikdienstleister zeigt sich hier als wesentlicher Faktor für die Erreichung lokaler Klimaziele.

Walter Oblin, Generaldirektor der Österreichischen Post, definierte die E-Mobilität nicht als temporären Trend, sondern als fundamentalen Baustein der Unternehmensstrategie. Das Ziel ist klar definiert: Bis 2030 soll die Zustellung auf der sogenannten letzten Meile im gesamten Bundesgebiet ausschließlich elektrisch, mit dem Fahrrad oder zu Fuß erfolgen. Dies demonstriert, dass ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Effizienz in der Logistik vereinbar sind.

Ladeinfrastruktur und Energieversorgung

Ein reines Wachstum der Fahrzeuganzahl reicht für einen stabilen Betrieb nicht aus. Parallel zum Ausbau der Österreichische Post E-Flotte investiert das Unternehmen massiv in die Ladeinfrastruktur. Derzeit existieren verschiedene Modelle, um die Energieversorgung der 6.000 Fahrzeuge sicherzustellen. Der Großteil der Flotte wird direkt an den Logistikzentren und Zustellbasen geladen.

Ein innovativer Ansatz ist das Modell „Charge@Home“. Rund 450 Zusteller nutzen bereits die Möglichkeit, das Dienstfahrzeug nach Dienstschluss mit nach Hause zu nehmen und dort zu laden. Hierfür stellt die Post intelligente Ladeeinheiten zur Verfügung. Diese Wallboxen zeichnen den geladenen Strom exakt auf und übermitteln die Daten automatisch an das Unternehmen. Die Rückvergütung der Stromkosten erfolgt dann direkt über die Gehaltsabrechnung. Voraussetzung für dieses Modell ist, dass der genutzte Stromtarif erneuerbare Energien aus Österreich garantiert.

Um den Energiebedarf der wachsenden Österreichische Post E-Flotte nachhaltig zu decken, setzt das Unternehmen zudem auf Eigenproduktion. An mittlerweile 34 Standorten in ganz Österreich sind Photovoltaikanlagen installiert. Diese erreichen eine kumulierte Leistung von rund 20 Megawatt peak (MWp). Dies ermöglicht es der Post, bilanziell über 20 Prozent des benötigten Stroms selbst zu erzeugen. Der restliche Energiebedarf wird durch den Zukauf von Strom aus österreichischen erneuerbaren Quellen gedeckt.

Historische Entwicklung und Meilensteine

Der Weg zur größten E-Flotte des Landes begann bereits vor über einem Jahrzehnt. Im Jahr 2010 startete die Post mit den ersten Tests von E-Bikes und E-Mopeds in der Zustellung. Ein Jahr später, 2011, folgten die ersten Elektroautos. Ein wesentlicher ethischer Eckpfeiler wurde 2012 gesetzt, als das Unternehmen beschloss, nur noch Strom aus erneuerbaren Quellen zu beziehen – eine Richtlinie, die 2017 dahingehend verschärft wurde, dass dieser Strom ausschließlich aus Österreich stammen muss.

Die Skalierung der Flotte erfolgte in den letzten Jahren exponentiell. Während 2016 erst 1.000 E-Fahrzeuge im Einsatz waren, verdoppelte sich diese Zahl bis 2020. Besonders in urbanen Ballungsräumen wurde die Umstellung forciert. Bereits 2021 erfolgte die Zustellung in Graz auf der letzten Meile komplett emissionsfrei. Es folgten Innsbruck, die Stadt Salzburg und der Raum Wiener Neustadt im Jahr 2024.

Seit 2022 schafft die Post für die Zustellung ausschließlich E-Fahrzeuge an. Im Jahr 2024 wurde dieser Grundsatz auf fast alle Dienstfahrzeuge ausgeweitet. Der Blick in die Zukunft zeigt weitere technische Entwicklungen: Für das Jahr 2025 ist der erste Einsatz von E-Fahrzeugen mit Allradantrieb geplant, was die Einsatzfähigkeit in alpinen und ländlichen Regionen sicherstellen soll. Zudem wird erwartet, dass 2025 erstmals mehr Elektroautos als Verbrenner im Fuhrpark der Post vorhanden sein werden.

Ausblick auf die emissionsfreie Zukunft

Mit dem Erreichen der 6.000er-Marke ist ein Etappenziel erreicht, doch der Ausbau geht unvermindert weiter. Peter Umundum, Vorstand für Paket & Logistik, unterstrich, dass die E-Mobilität längst zum Alltag der Post gehöre. Gerade in der Hochsaison, wie dem aktuellen Weihnachtsgeschäft, muss die Zuverlässigkeit der Technologie gewährleistet sein. Die Kombination aus modernen Fahrzeugen wie dem Fiat e-Scudo und intelligenten Ladelösungen bildet das Rückgrat für die Bewältigung der steigenden Paketmengen.

Die Transformation der Österreichische Post E-Flotte dient als Blaupause für die Logistikbranche. Sie zeigt auf, welche infrastrukturellen Maßnahmen notwendig sind, um eine Flotte dieser Größe zu betreiben. Von der dezentralen Heimladung bis hin zu großen PV-Anlagen auf den Verteilzentren wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt. Mit dem Ziel vor Augen, bis 2030 die komplette letzte Meile emissionsfrei zu bedienen, bleibt die Post ein treibender Faktor für die grüne Wende im österreichischen Verkehrssektor.

Faktenbox

Fakten zur Österreichischen Post E-Flotte
Aktuelle Flottengröße6.000 E-Fahrzeuge (Stand Ende 2024)
Modell JubiläumsfahrzeugFiat e-Scudo Kastenwagen XL
Reichweite (WLTP)Bis zu 350 Kilometer
Batteriekapazität75 kWh
Ladevolumen6,6 Kubikmeter
Photovoltaik-Leistungca. 20 Megawatt peak (MWp) an 34 Standorten
Zielsetzung 2030100 % emissionsfreie Zustellung auf der letzten Meile
Charge@Home NutzerRund 450 Zusteller