Black Friday Betrug: Neue Rekordwerte und steigende Risiken im Onlinehandel

Die Auswertung von CRIF zum diesjährigen Aktionszeitraum zeigt: Der Black Friday Betrug bleibt 2025 ein bedeutendes Risiko für den deutschen E-Commerce. Trotz eines neuen Bestellrekords mit 106 Prozent über einem normalen Freitag wird weiterhin nahezu jede hundertste Bestellung als potenzieller Betrugsversuch eingestuft. Besonders jüngere Käufergruppen haben die Rabatttage intensiv genutzt. Die Analyse zeigt deutliche Trends bei Bestellverhalten, Betrugsformen und künftigen Herausforderungen für Händler.

Black Friday Betrug: Neue Rekordwerte und steigende Risiken im Onlinehandel
Black Friday Betrug: Neue Rekordwerte und steigende Risiken im Onlinehandel

Rekordaufkommen: 106 Prozent mehr Bestellungen

Die Black Week 2025 war erneut der wichtigste Umsatztreiber im Onlinehandel. Am 28. November lag das Bestellvolumen mehr als doppelt so hoch wie an einem regulären Freitag. Damit übersteigt der Anstieg sowohl die 98 Prozent aus dem Jahr 2024 als auch die 75 Prozent aus dem Jahr 2023. Der durchschnittliche Bestellwert blieb mit rund 250 Euro konstant. Auffällig ist die Verschiebung im Käuferprofil: Der Altersschnitt lag in der Aktionswoche etwa 1,5 Jahre unter dem Jahresdurchschnitt. Das deutet darauf hin, dass vor allem jüngere Zielgruppen besonders aktiv waren und die Rabatttage häufiger genutzt haben.

Die zunehmende Belastung für Logistik, Zahlungsabwicklung und Risikobewertung ist bei diesem Volumen deutlich spürbar. Händler müssen kurzfristig mehr Transaktionen prüfen, während gleichzeitig die Erwartung der Käufer an schnelle Bearbeitung steigt.

Black Friday Betrug bleibt auf konstant hohem Niveau

Trotz des starken Bestellanstiegs zeigt sich beim Black Friday Betrug ein nahezu unverändertes Risiko. 0,92 Prozent der Bestellungen in der Black Week wiesen Merkmale auf, die auf einen Betrugsversuch hindeuten. Dieser Wert liegt damit weiterhin in etwa auf dem Jahresniveau. Eine statistische Tendenz ist erkennbar: Während ehrliche Käufer durch Rabatte verstärkt zum Kauf motiviert werden, bleibt die Aktivität von Betrügern konstant. Dadurch sinkt die relative Quote leicht, ohne dass das Betrugsaufkommen tatsächlich abnimmt.

Für die Weihnachtswoche prognostiziert CRIF ein gegenläufiges Muster. Dann sind traditionell weniger reguläre Bestellungen zu verzeichnen, während die Betrugsaktivitäten deutlich steigen. Händler müssen deshalb nicht nur Rabatttage, sondern auch das Jahresendgeschäft besonders aufmerksam begleiten.

Vielfältige Betrugsmethoden belasten Händler

Die aktuelle Lage zeigt, dass der Black Friday Betrug längst nicht auf eine einzelne Betrugsform beschränkt ist. Besonders häufig tritt Identitätsdiebstahl auf, bei dem echte Kundendaten missbraucht werden, um Bestellungen auszulösen. Ebenso verbreitet ist der Eingehungsbetrug: Käufer bestellen trotz Zahlungsunfähigkeit, sodass Händler die Ware liefern, aber nie eine Zahlung erhalten.

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Hinzu kommt die wachsende Nutzung synthetischer oder frei erfundener Identitäten, die Rückverfolgungen erschweren und automatisierte Prüfungen gezielt umgehen. Parallel dazu nimmt der Retourenbetrug weiter zu. Händler berichten von Fällen, in denen hochwertige Produkte gegen minderwertige Ware oder täuschend ähnliche Füllmaterialien ausgetauscht wurden. Beispiele reichen von durch Wasser ersetzten Weinflaschen bis zu gefälschten Labels im Fashion-Bereich.

Diese Entwicklungen zeigen, dass Betrugsprävention längst ein betriebswirtschaftliches Kernrisiko ist, das nicht nur Zahlungsausfälle verursacht, sondern auch logistische Abläufe und Bestandsplanung erheblich stört.

Künstliche Intelligenz verstärkt den Black Friday Betrug

CRIF warnt, dass künstliche Intelligenz künftig eine zentrale Rolle bei der Verschärfung des Black Friday Betrugs spielt. Durch KI-generierte oder synthetische Identitäten entstehen täuschend echte digitale Profile, die klassische Prüfmechanismen aushebeln können. Je professioneller diese Methoden werden, desto schwieriger wird es für Händler, riskante Bestellungen frühzeitig zu erkennen.

Eine aktuelle CRIF-Umfrage verdeutlicht die Breite der Bedrohungslage:

    • 76 Prozent der Unternehmen waren bereits von Identitätsdiebstahl betroffen.
    • 74 Prozent berichten von falschen Namens- und Adressangaben.
    • 53 Prozent erlebten Eingehungsbetrug.
    • 47 Prozent sahen Fälle gestohlener Zahlungsdaten.
    • 41 Prozent hatten mit Account Takeover zu tun, bei dem ein bestehendes Kundenkonto missbraucht wurde.

Diese Zahlen zeigen, dass Betrug zunehmend diversifiziert ist und mehrere Schwachstellen gleichzeitig ausnutzt.

Handlungsdruck für Händler wächst

Die Analyse macht deutlich, dass Händler ihre Strategien zur Risikoprüfung weiter ausbauen müssen. Eine Kombination aus internen Daten, externen Informationsquellen und modernen, modellbasierten Risikobewertungen ist entscheidend, um sich gegen Black Friday Betrug zu schützen. Insbesondere an Tagen mit massivem Bestellvolumen sollten Identitätsprüfungen, Adressvalidierungen und Zahlungsrisikokontrollen intensiviert werden.

Gleichzeitig steigt der Anspruch der Käufer an reibungslose Abläufe. Händler müssen daher ein Gleichgewicht finden zwischen einer straffen Betrugsprävention und einer schnellen, kundenfreundlichen Bestellabwicklung.

Professionalisierung der Täter nimmt zu

Für das Jahr 2026 erwartet CRIF eine weitere Verschärfung der Situation. Die zunehmende Verfügbarkeit von KI-Werkzeugen, gestohlenen Daten und automatisierten Angriffsmustern wird den Black Friday Betrug voraussichtlich weiter steigen lassen. Händler sollten ihre Systeme und Prozesse frühzeitig anpassen, um finanzielle Schäden und Reputationsverluste zu vermeiden. Die Datenlage von 2025 verdeutlicht, dass Betrugsprävention nicht nur punktuell wichtig ist, sondern zu den strategischen Daueraufgaben im Onlinehandel gehört.

Faktenbox

Black Friday Betrug 2025
Bestellanstieg am Black Friday+106 % gegenüber einem normalen Freitag
Anteil auffälliger Bestellungen0,92 % mit Betrugsmerkmalen
Durchschnittlicher Bestellwertca. 250 Euro
Häufigste BetrugsformenIdentitätsdiebstahl, Eingehungsbetrug, Retourenbetrug
Unternehmen mit Betrugserfahrung76 % identitätsbezogene Fälle, 74 % falsche Angaben