HelloFresh Stellungnahme zum Grizzly Research Bericht veröffentlicht

HelloFresh hat eine ausführliche Stellungnahme zum Bericht von Grizzly Research veröffentlicht, der  unter dem Titel „HelloFresh SE’s Last Supper: Executives Carve Up Value Before the Collapse“ erschienen ist. Die HelloFresh Stellungnahme weist zentrale Vorwürfe des Reports zurück und bezeichnet viele der darin enthaltenen Schlussfolgerungen als selektiv, unvollständig oder sachlich falsch. Das Unternehmen sieht sich zu einer öffentlichen Klarstellung veranlasst, da Grizzly Research HelloFresh vor Veröffentlichung nicht kontaktiert hatte.

HelloFresh Stellungnahme zum Grizzly Research Bericht veröffentlicht
HelloFresh Stellungnahme zum Grizzly Research Bericht veröffentlicht

Hintergrund des Grizzly-Reports

Der Bericht von Grizzly Research umfasst rund 70 Seiten und konzentriert sich auf kritische Interpretationen der Unternehmensentwicklung von HelloFresh. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Vorwürfe zu angeblichen Wertabschöpfungen der Gründer durch Aktienverpfändungen, Risiken im Zusammenhang mit dem Aktienrückkaufprogramm, strukturellen Schwächen des Geschäftsmodells sowie möglicher mangelnder Transparenz bei KPIs und Offenlegungen.

Laut HelloFresh beruht ein erheblicher Teil der Argumentation jedoch auf aus dem Zusammenhang gerissenen Beispielen, historischen Einzelfällen oder spekulativen Betrachtungen. Das Unternehmen betont, dass der Report wichtige öffentlich zugängliche Daten nicht berücksichtigt, etwa Fortschritte im Effizienzprogramm, Margenentwicklung oder die Stärkung der Produktgruppen.

Einordnung der HelloFresh Stellungnahme

In der HelloFresh Stellungnahme heißt es, dass die Kritik an den Gründern Dominik Richter und Thomas Griesel unbegründet sei. Aktienverpfändungen seien ein übliches und reguliertes Instrument, das ordnungsgemäß offengelegt werde. HelloFresh widerspricht außerdem der Behauptung, Unternehmensgründer hätten persönliche Vorteile auf Kosten der Aktionäre erzielt. Beide Gründer hätten in den vergangenen Jahren erhebliche Aktienpakete zugekauft und seien langfristig eng an die Unternehmensentwicklung gekoppelt.

Richter habe nachweislich seit fünf Jahren keine Aktien verkauft und halte derzeit mehr Unternehmensanteile als jemals zuvor im vergangenen Jahrzehnt. Zudem seien die im Bericht genannten Risiken von Margin Calls übertrieben oder auf unvollständigen Berechnungen basiert. HelloFresh stellt klar, dass Grizzly Research einzelne historische Finanzdaten irrtümlich miteinander verknüpft habe.

Geschäftsmodell: Kritik und Gegenargumente

Der Report beschreibt das Geschäftsmodell von HelloFresh als „strukturell kaputt“. Die HelloFresh Stellungnahme widerspricht dieser Einschätzung deutlich und verweist auf hohe Kundenbindung, wachsende Bestellfrequenz in Kernsegmenten und eine klare Verbesserung der Unit Economics. Dass der Umsatz zuletzt rückläufig gewesen sei, liege an bewusst reduzierten Marketingausgaben und nicht an strukturellen Problemen.

Nach Unternehmensangaben liegt die AEBITDA-Marge im Kochboxensegment seit Jahresbeginn über 12 Prozent. Gleichzeitig habe sich das Umsatzwachstum in drei aufeinanderfolgenden Quartalen verbessert. Für das vierte Quartal 2025 wird eine weitere prozentuale Steigerung erwartet. Insgesamt seien rund 70 Prozent des Effizienzprogramms im Umfang von 300 Millionen Euro bereits umgesetzt.

Transparenz, Governance und KPIs

Die HelloFresh Stellungnahme geht außerdem auf Vorwürfe ein, das Unternehmen würde Details sensibler Geschäfte verschleiern oder KPIs gezielt verändern. HelloFresh bezeichnet diese Aussagen als falsch. Das Unternehmen verweist auf ein robustes Governance-Rahmenwerk mit klar definierten Kontrollprozessen, unabhängigen Ausschüssen und regelmäßigen externen Audits.

Die zeitweise eingeschränkte Erreichbarkeit der Investor-Relations-Webseite sei auf einen technischen Fehler eines externen Dienstleisters zurückzuführen gewesen. Alle regulatorisch relevanten Offenlegungen seien weiterhin zugänglich gewesen. Auch KPI-Anpassungen seien branchenüblich und dienten einer verbesserten Nachvollziehbarkeit der operativen Entwicklung.

Historische Vorfälle und die Diskussion um Markenschäden

Der Grizzly-Report führt verschiedene historische Vorfälle auf, etwa Qualitätsprobleme oder Kritik an Kündigungsprozessen. Die HelloFresh Stellungnahme argumentiert, dass diese Beispiele nicht repräsentativ seien und häufig mehrere Jahre zurückliegen. Zudem hätten sie keine wesentlichen Auswirkungen auf Kundenzufriedenheit oder Geschäftsentwicklung gehabt.

Der Net Promoter Score (NPS) liege in mehreren Märkten auf einem Mehrjahreshoch. Kundenumfragen und Feedbackschleifen seien integraler Bestandteil des Qualitätsmanagements, und Verbesserungen würden regelmäßig umgesetzt.

Vorwürfe des Insiderhandels

Schließlich weist HelloFresh auch die im Bericht angedeuteten Vorwürfe gegen mögliche Insiderhandelsaktivitäten zurück. Das Unternehmen verweist auf ein umfassendes Compliance-System und erklärt, dass keine Hinweise auf Verstöße vorliegen. Zudem liefere der Grizzly-Report keinerlei Beweise für diese schwerwiegenden Behauptungen.

Faktenbox

HelloFresh Stellungnahme
Titel des Grizzly-Reports„HelloFresh SE’s Last Supper: Executives Carve Up Value Before the Collapse“
Veröffentlichung des Reports6. November 2025
Datum der HelloFresh Stellungnahme10. November
Umfang des Effizienzprogramms300 Mio. Euro, rund 70 % umgesetzt
AEBITDA-Marge KochboxensegmentÜber 12 % seit Jahresbeginn 2025
Kritikpunkte von Grizzly ResearchGovernance, Geschäftsmodell, Offenlegung, Gründeraktivitäten
Kernaussage der HelloFresh StellungnahmeVorwürfe selektiv, unzutreffend oder nicht belegbar