Showrooming und Webrooming: Einkaufsverhalten 2026 im Wandel

Das Jahr 2026 markiert einen Wendepunkt im Einzelhandel. Konsumenten entscheiden heute situativ, ob sie online oder offline kaufen – und häufig kombinieren sie beides. Laut aktuellen Marktanalysen von Shopify beschreiben die Begriffe Showrooming und Webrooming diese neuen Einkaufsgewohnheiten, die längst keine Randerscheinungen mehr sind, sondern die DNA des modernen Handels.

Während beim Showrooming der Kaufprozess im Geschäft beginnt und online endet, verläuft es beim Webrooming umgekehrt: Online recherchieren, Bewertungen prüfen, dann im Laden kaufen. Beide Phänomene zeigen, dass Konsumenten nicht zwischen digital und stationär unterscheiden – sie erwarten ein nahtloses Gesamterlebnis.

Showrooming und Webrooming: Einkaufsverhalten 2026 im Wandel
Showrooming und Webrooming: Einkaufsverhalten 2026 im Wandel

Technologischer und gesellschaftlicher Hintergrund

Der Aufstieg von Showrooming und Webrooming ist eng mit der mobilen Internetnutzung und der Verfügbarkeit von Echtzeitinformationen verbunden. 2026 besitzen laut Bitkom über 95 % der 16- bis 49-Jährigen ein Smartphone. Produktbewertungen, Preisvergleiche und Lieferoptionen sind in Sekunden abrufbar.

Auch soziale Medien treiben die Entwicklung: Plattformen wie Instagram, TikTok oder Pinterest inspirieren zu Produktentdeckungen, während stationäre Läden zunehmend zu Erlebnisorten werden. Konsumenten sehen, testen, fotografieren und teilen Produkte – häufig, bevor sie überhaupt kaufen.

Der stationäre Handel bleibt damit ein zentraler Touchpoint, auch wenn der Kaufabschluss oft digital erfolgt.

Was ist Showrooming?

Showrooming bezeichnet ein Einkaufsverhalten, bei dem Kundinnen und Kunden Produkte im Geschäft ansehen, aber online bestellen – häufig bei einem günstigeren Anbieter. Das Konzept hat sich seit 2020 grundlegend verändert:
Anfangs als Bedrohung für lokale Händler gesehen, gilt Showrooming heute als Bestandteil moderner Omnichannel-Strategien.

Viele Marken setzen gezielt auf „Showrooms“ – also Geschäfte ohne umfassendes Lager. Statt Palettenware stehen dort Markeninszenierung, Beratung und Erlebnis im Mittelpunkt. Kunden können Produkte anprobieren, konfigurieren oder testen und sie anschließend online bestellen.

Durch diese Verlagerung sparen Händler Kosten für Fläche, Personal und Lagerbestand, während der Kunde von Flexibilität profitiert.

Was ist Webrooming?

Webrooming beschreibt den umgekehrten Weg: Kunden informieren sich im Internet und kaufen anschließend im Laden. Gründe sind unter anderem:

    • sofortige Verfügbarkeit,
    • persönliche Beratung,
    • Vermeidung von Versandkosten,
    • einfachere Rückgabeprozesse.

Insbesondere bei Mode, Elektronik und Möbeln gewinnt Webrooming an Bedeutung. 2026 gibt laut HDE rund 70 % der Konsumenten an, vor dem stationären Kauf online zu recherchieren. Händler nutzen diesen Trend mit Tools wie Online-Reservierungen, Click-and-Collect oder Echtzeit-Bestandsanzeigen.

So verschmilzt der digitale Rechercheprozess mit dem physischen Einkaufserlebnis.

Showrooming und Webrooming im Vergleich

VerhaltenAblaufZielRelevante Branchen
ShowroomingProdukt im Laden begutachten, online kaufenPreisvorteil, BequemlichkeitElektronik, Haushaltsgeräte, Premium-Mode
WebroomingOnline recherchieren, im Laden kaufenVertrauen, SofortverfügbarkeitBekleidung, Kosmetik, Möbel, Lebensmittel

Beide Strategien sind keine Gegensätze, sondern Ausdruck eines veränderten Kundenverständnisses: Der Kaufweg ist nicht linear, sondern dynamisch.

Vorteile von Showrooming für Händler

    1. Reduzierte Kostenstruktur
      Weniger Lagerbedarf und geringere Mietkosten ermöglichen eine effizientere Flächennutzung.
    2. Erlebnisorientierte Markenpräsenz
      Geschäfte werden zu Begegnungsorten, in denen Markenwerte und Emotionen vermittelt werden.
    3. Höhere Conversion durch Beratung
      Verkäufer agieren als Berater und unterstützen die Entscheidungsfindung ohne Verkaufsdruck.
    4. Datengenerierung im physischen Raum
      Besucherinteraktionen, Produktinteresse und Kaufabsichten liefern wertvolle Insights für CRM-Systeme.

Risiken und Herausforderungen

Showrooming kann für Händler problematisch werden, wenn der Kunde nach der Beratung beim günstigeren Online-Konkurrenten kauft. Preisvergleiche in Echtzeit erhöhen den Wettbewerbsdruck.

Auch die Verknüpfung von Lagerbeständen und Umsätzen ist eine Herausforderung: Nur wenn Online- und Offline-Systeme synchronisiert sind, lassen sich Verkäufe korrekt zuordnen. Fehlen diese Schnittstellen, drohen Fehlbestände, falsche Umsatzzuordnungen oder doppelte Bestellungen.

Moderne Kassensysteme und ERP-Lösungen – etwa Shopify POS, Lightspeed oder JTL – verbinden Verkaufskanäle nahtlos und schaffen Transparenz über Lagerbewegungen in Echtzeit.

Showrooming-Trends 2026

    1. Virtuelle Beratung und Video-Shopping
      Kundinnen und Kunden können sich über Livestreams oder Videocalls beraten lassen – ähnlich einem digitalen Showroom.
    2. Termin-Shopping als Serviceelement
      Geplante Beratungszeiten ermöglichen personalisierte Betreuung und exklusive Erlebnisse.
    3. Content-Creation-Stores
      Händler gestalten ihre Flächen so, dass sie als Fotokulisse und Social-Media-Content-Ort dienen.
    4. Nachhaltige Logistikmodelle
      Produkte werden zentral versendet, wodurch CO₂-Emissionen und Lagerkosten sinken.
    5. Integration von KI-Empfehlungssystemen
      KI analysiert Besuchsverhalten und Kaufwahrscheinlichkeiten und schlägt Produkte in Echtzeit vor.

Chancen durch Webrooming

Webrooming bietet vor allem stationären Händlern die Möglichkeit, digitale Reichweite in reale Umsätze zu übersetzen.
Durch gezieltes Online-Marketing und lokale SEO-Optimierung („in der Nähe kaufen“) können Händler die Online-Suche in Ladenbesuche verwandeln.

Vorteile:

    • Stärkere Kundenbindung: Persönliche Beratung erzeugt Vertrauen.
    • Zusatzkäufe im Geschäft: Kundinnen und Kunden entdecken weitere Produkte.
    • Synergieeffekte mit Click-and-Collect: Kunden holen online bestellte Waren ab und tätigen Spontankäufe.

So nutzen Händler Showrooming strategisch

1. Einheitliches Omnichannel-System aufbauen

Alle Verkaufskanäle sollten über eine zentrale Plattform verbunden sein. Einheitliche Preisgestaltung, Bestandsdaten und CRM-Profile sind entscheidend für ein konsistentes Kundenerlebnis.

2. Beratung als Mehrwert positionieren

Ein gut geschultes Personal ersetzt Rabatte. Authentische Beratung und Transparenz schaffen Vertrauen – besonders bei hochwertigen Gütern.

3. Digitale Tools im Geschäft einsetzen

QR-Codes, Tablets oder Augmented-Reality-Spiegel verknüpfen physische und digitale Informationen direkt im Laden.

4. Kundenfeedback aktiv einbinden

Kunden, die im Laden stöbern, sind oft auch in sozialen Medien aktiv. Händler können sie gezielt zu Rezensionen, Hashtag-Aktionen oder Community-Events motivieren.

5. Datengetriebene Entscheidungen treffen

Analyseplattformen zeigen, welche Kanäle Umsatz generieren. So lässt sich gezielt in die profitabelsten Touchpoints investieren.

Zukunftsperspektive: Hybrider Konsum als Standard

2026 verschmelzen die Grenzen zwischen Online- und Offline-Handel endgültig. Die Mehrheit der Verbraucher nutzt beides situativ – je nach Produkt, Preis und Serviceangebot.

Showrooming und Webrooming sind daher keine Gegensätze, sondern Ausdruck eines integrierten Konsumverhaltens. Erfolgreiche Händler verstehen, dass die Customer Journey zirkulär ist: Ein Kunde kann online recherchieren, im Laden kaufen – und später wieder digital nachbestellen.

Künftig werden KI-gestützte Prognosen, Echtzeit-Lagerdaten und automatisierte Preisstrategien den Erfolg solcher Omnichannel-Modelle bestimmen.

Showrooming und Webrooming zeigen auch, dass Konsumenten 2026 keine klaren Grenzen zwischen digitalem und physischem Einkauf ziehen. Sie erwarten nahtlose Übergänge, personalisierte Beratung und flexible Lieferoptionen.

Der Einzelhandel steht somit vor der Aufgabe, Technologien und menschliche Interaktion intelligent zu verbinden. Wer beides schafft – digitale Effizienz und persönliche Nähe –, kann aus diesen scheinbaren Gegensätzen die größten Wettbewerbsvorteile gewinnen.

Showrooming und Webrooming sind damit nicht nur Trends, sondern die Grundlage des Handels der Zukunft.

Faktenbox

Showrooming und Webrooming
HauptnutzergruppenMillennials und Gen Z mit hoher Smartphone-Affinität
Beliebte ProduktkategorienElektronik, Mode, Möbel, Kosmetik
UmsatzbedeutungÜber 60 % der Kaufentscheidungen 2026 beinhalten Online-Recherche
WachstumsfaktorOmnichannel-Strategien mit +15 % Conversion-Rate gegenüber Ein-Kanal-Anbietern
Technologische TreiberMobile Commerce, QR-Codes, virtuelle Beratung, Echtzeit-Inventarsysteme
ErfolgsbeispieleAllbirds, Bonobos, Glossier, Clearly