Investitionspaket der Bundesregierung entfaltet kaum Wirkung

Das von der Bundesregierung beschlossene Investitionspaket für Infrastruktur und Verteidigung zeigt bislang keine nennenswerten wirtschaftlichen Effekte. Laut dem aktuellen Deloitte-CFO-Survey erwarten 56 Prozent der befragten Finanzvorstände keine spürbaren Auswirkungen auf ihr Geschäft. Besonders im verarbeitenden Gewerbe ist die Ernüchterung groß: Drei Viertel der Unternehmen (74 Prozent) rechnen mit keinerlei messbarem Nutzen.

Die Umfrage, an der 171 CFOs zwischen dem 11. September und dem 2. Oktober 2025 teilnahmen, zeigt deutlich, dass die erwartete Wachstumsdynamik durch das Investitionspaket bisher ausbleibt. Nur 14 Prozent der Unternehmen glauben, direkt von den geplanten Maßnahmen zu profitieren.

Investitionspaket der Bundesregierung entfaltet kaum Wirkung
Investitionspaket der Bundesregierung entfaltet kaum Wirkung

Skepsis im Mittelstand gegenüber dem Investitionspaket

Vor allem im Mittelstand überwiegt die Skepsis. Lediglich 39 Prozent der befragten Unternehmen sehen im Investitionspaket eine Chance auf positive Effekte. Dagegen äußern sich Großunternehmen etwas optimistischer – 55 Prozent von ihnen erwarten zumindest indirekte Vorteile.

„Öffentliche Investitionen sind ein gutes Signal, aber noch zu unkonkret für die CFOs“, erklärt Markus Seeger, Director im CFO Program bei Deloitte. Die Ergebnisse zeigten, dass politische Maßnahmen allein nicht ausreichen, um wirtschaftliche Herausforderungen zu bewältigen. Unternehmen müssten parallel ihre eigenen Transformationsprozesse aktiv gestalten.

Standort Deutschland verliert an Attraktivität

Trotz des Investitionspakets bleibt die Standortattraktivität Deutschlands auf dem Rückzug. Über die Hälfte der befragten Finanzchefs (55 Prozent) bewertet die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als schlechter als noch vor zwei Jahren. Besonders deutlich fällt das Urteil im Maschinenbau aus: 77 Prozent der Unternehmen sprechen von einer negativen Entwicklung.

Auch geopolitische Krisen haben diese Einschätzung kaum verändert. Nur 27 Prozent der Firmen halten Deutschland aufgrund der Unsicherheiten im Ausland für attraktiver. Damit droht die Bundesrepublik, ihre Rolle als führender Investitions- und Produktionsstandort in Europa weiter zu verlieren.

Unternehmen verlagern ihre Zentralen ins Ausland

Die nachlassende Standortattraktivität hat konkrete Folgen. Während derzeit noch 85 Prozent der befragten Unternehmen ihren Hauptsitz in Deutschland haben, planen in zwei Jahren nur noch 47 Prozent, diesen beizubehalten. Im verarbeitenden Gewerbe sinkt der Anteil der Firmen, die hierzulande produzieren wollen, laut Investitionspaket-Umfrage von 77 auf nur noch 28 Prozent.

Auch als Innovationsstandort verliert Deutschland an Bedeutung. Aktuell betrachten 46 Prozent der CFOs das Land als Innovationszentrum, doch in zwei Jahren wird dieser Anteil voraussichtlich auf 24 Prozent sinken. Nur der Technologiesektor zeigt sich stabiler: Hier sehen weiterhin mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) ihren Innovationsstandort in Deutschland.

Asien gewinnt als Zielregion an Bedeutung

Parallel zum nachlassenden Vertrauen in den deutschen Standort rückt Asien zunehmend in den Fokus. Für 46 Prozent der Unternehmen aus der Automobilindustrie gilt Indien als attraktiver Investitionsstandort, während Südostasien für 40 Prozent der Maschinenbauunternehmen an Bedeutung gewinnt.

Rückblickend sind nur 16 Prozent aller Befragten der Ansicht, zu wenig in Deutschland investiert zu haben. Besonders Firmen aus der Automobil- und Technologiebranche hätten sich rückblickend eine stärkere Internationalisierung gewünscht – 40 beziehungsweise 44 Prozent hätten lieber früher ihr Engagement im Ausland ausgebaut.

Investitionspaket als unzureichendes Signal

Die Studienautoren sehen im aktuellen Investitionspaket zwar einen wichtigen politischen Schritt, jedoch keinen ausreichenden Impuls, um die Stimmung in der Wirtschaft nachhaltig zu verbessern. „Trotz leichter Erholung zum Frühjahr bleibt die Stimmung der CFOs angespannt“, sagt Dr. Alexander Börsch, Chefökonom bei Deloitte. „Ohne eine deutliche Stärkung der Standortfaktoren droht eine schleichende Abwanderung von Wertschöpfung und Innovation ins Ausland.“

Laut Deloitte reicht das Investitionspaket nicht aus, um Investitionen in großem Stil anzukurbeln. Notwendig seien strukturelle Reformen, steuerliche Entlastungen und eine beschleunigte Umsetzung von Infrastrukturprojekten, um Vertrauen und Planungssicherheit zu schaffen.

Ausblick: Investitionspaket als Teil eines größeren Wandels

Ob das Investitionspaket langfristig Wirkung entfalten kann, hängt stark davon ab, wie schnell konkrete Maßnahmen umgesetzt werden. Unternehmen fordern vor allem mehr Transparenz bei Förderprogrammen und eine verlässliche Industriepolitik. Sollte dies gelingen, könnte das Paket mittelfristig zu einer Stabilisierung beitragen – andernfalls droht der Verlust weiterer Schlüsselindustrien.

Die Deloitte-Analyse zeigt: Ohne klare politische Prioritäten und gezielte Standortpolitik bleibt das Investitionspaket ein wichtiges, aber unzureichendes Signal. Deutschland muss seine Attraktivität als Investitions- und Innovationsstandort aktiv zurückgewinnen, um international konkurrenzfähig zu bleiben.

Faktenbox

Zentrale Fakten zum Investitionspaket
Unternehmen ohne erwartete Wirkung56 %
Verarbeitendes Gewerbe ohne Effekt74 %
Mittelstand mit positiver Erwartung39 %
Großunternehmen mit indirekten Vorteilen55 %
Hauptsitz in Deutschland heute85 %
Hauptsitz in Deutschland in zwei Jahren47 %
Innovationsstandort Deutschland heute46 %
Innovationsstandort Deutschland in zwei Jahren24 %
Maschinenbau mit negativer Standortbewertung77 %
Automobilindustrie: Indien attraktiver46 %