China E-Commerce in Europa: Plattformen treiben Lagerwachstum voran

Immer mehr chinesische Plattformen setzen auf eigene Lager- und Distributionszentren in Europa. Angeführt von Shein, Temu und JD.com beschleunigt sich der Ausbau deutlich. Das Ziel ist klar: kürzere Lieferzeiten und eine stärkere Marktposition gegenüber lokalen Händlern. Europäische Produzenten und Logistikpartner profitieren gleichzeitig von der Nachfrage. Damit zeigt sich, dass der Trend China E-Commerce in Europa eine langfristige Entwicklung ist, die tief in den Markt eingreift.

China E-Commerce in Europa: Plattformen treiben Lagerwachstum voran
China E-Commerce in Europa: Plattformen treiben Lagerwachstum voran

Starker Flächenzuwachs in Großbritannien und Kontinentaleuropa

In Großbritannien haben chinesische Unternehmen in diesem Jahr bereits rund 200.000 Quadratmeter Lagerfläche angemietet. Damit erreichen sie fast das Rekordniveau von 2021. Auch in Deutschland, Frankreich und Polen steigt die Nachfrage nach großflächigen Distributionshallen. Vor allem Logistikentwickler wie GLP und CTP melden eine wachsende Zahl von Verträgen mit asiatischen Plattformen.

Nach Angaben von Branchenvertretern handelt es sich nicht um eine kurzfristige Entwicklung. Chinesische Unternehmen, die in Europa verkaufen wollen, planen langfristig mit einer physischen Präsenz vor Ort. Der China E-Commerce in Europa zeigt sich somit in steigenden Mietflächen und einer breiten Standortstrategie.

Konkrete Projekte von Shein, Temu, JD.com und Alibaba

Shein hat seit 2022 mehrere Standorte in Polen angemietet, darunter Lagerflächen in der Region Breslau von über 50.000 Quadratmetern. Insgesamt betreibt das Unternehmen inzwischen mehrere Logistikflächen in Mittelosteuropa, ein ursprünglich geplantes Großlager in Großbritannien wurde jedoch wieder zurückgestellt.

Temu setzt auf das Modell „Local-to-Local“. Das Unternehmen nutzt bereits Lager in Deutschland, Frankreich, Spanien, den Niederlanden, Italien und Österreich. Ziel ist es, dass mittelfristig bis zu 80 Prozent der europäischen Bestellungen aus lokalen Lagern abgewickelt werden. Eine Kooperation mit DHL soll die weitere Expansion sichern.

JD.com betreibt in den Niederlanden und Frankreich mehrere Distributionszentren und eröffnete 2024 ein automatisiertes Lager in Polen mit 27.000 Quadratmetern. Von dort aus wird ein 48-Stunden-Versand nach Deutschland und in weitere Länder ermöglicht. Zudem baut JD die Marke Joybuy in Europa auf und kündigte Investitionen von rund einer Milliarde Euro in den französischen Markt an.

Auch Alibaba verstärkt seine Logistik in Europa. Für das neue Fulfillment-Angebot „Local+“ hat AliExpress zehn Lager in Großbritannien, Deutschland und Spanien eingerichtet. Ziel ist eine europaweite Liefergarantie von maximal sieben Tagen. Damit wird China E-Commerce in Europa immer stärker von einer Infrastruktur getragen, die auf Geschwindigkeit und Kundenbindung ausgelegt ist.

Strategische Ausrichtungen der Plattformen

Shein setzt auf eine nachhaltige Weiterentwicklung der Lieferketten und testet mit Lufthansa Cargo alternative Treibstoffe für die Luftfracht. Temu strebt an, den Großteil seiner Lieferungen in Europa über lokale Lager und Händler abzuwickeln. JD.com treibt mit Joybuy die europaweite Expansion voran und betont die Bedeutung schneller Zustellzeiten. Alibaba positioniert sich mit „Local+“ als Partner europäischer Händler, die ihre Produkte mit lokaler Liefergarantie anbieten wollen.

Die Plattformen eint die Strategie, dass China E-Commerce in Europa nicht nur von Billigimporten abhängt, sondern zunehmend durch lokale Strukturen, Logistikpartnerschaften und Investitionen geprägt ist.

Politische Reaktionen und Regulierung

Die Expansion chinesischer Plattformen bleibt in Europa nicht ohne Widerstand. Die EU-Kommission hat Temu und Shein in die Verantwortung genommen, für unsichere und nicht konforme Produkte zu haften. Mehrere Mitgliedsstaaten, darunter Deutschland, Frankreich, Österreich und die Niederlande, fordern strengere Kontrollen und die Abschaffung der Zollfreigrenze für Kleinsendungen bis 150 Euro. Zudem wird über Paketabgaben diskutiert, um Wettbewerbsverzerrungen zu reduzieren.

Nationale Verbände schlagen ähnliche Maßnahmen vor. In Deutschland reichte der Handelsverband HDE eine Beschwerde gegen Temu ein, in Österreich fordern Handelsverband und Umweltorganisationen eine Paketsteuer und strengere Zollkontrollen. Auch Frankreich brachte bereits 2024 Gebühren für Billigimporte ins Gespräch. Diese Diskussionen zeigen, dass China E-Commerce in Europa auch eine politische Dimension erreicht hat.

Auswirkungen auf europäische Logistikdienstleister

Für Logistik- und Fulfillment-Dienstleister eröffnet sich ein gemischtes Bild. Entwickler wie GLP und CTP profitieren von hoher Nachfrage und vermieteten allein seit 2021 mehrere hunderttausend Quadratmeter an chinesische Unternehmen. Paketdienste wie DHL knüpfen strategische Partnerschaften, um als primäre Logistikpartner der Plattformen aufzutreten.

Gleichzeitig geraten lokale Händler unter Druck, da chinesische Anbieter mit niedrigen Preisen und schneller Lieferung punkten. Für die Logistikbranche bedeutet dies jedoch auch neue Geschäftsmöglichkeiten, da chinesische Plattformen langfristige Partner suchen. Der zunehmende China E-Commerce in Europa sorgt somit für Chancen und Risiken zugleich.

Prognosen und Marktentwicklung

Marktanalysen zeigen, dass chinesische Plattformen ihren Einfluss in Europa weiter ausbauen werden. Temu könnte bis 2026 einen Umsatz von mehr als 20 Milliarden US-Dollar in Europa erzielen und zu den fünf größten Plattformen des Kontinents zählen. Shein verzeichnet weiterhin zweistellige Wachstumsraten, während Alibaba mit seiner Local+-Strategie stärker auf europäische Händler setzt.

Regulatorische Eingriffe wie die Abschaffung der Zollfreigrenze oder Paketabgaben können das Wachstum allerdings bremsen und den Preisvorteil chinesischer Anbieter deutlich reduzieren. Dennoch gehen Experten davon aus, dass die Präsenz chinesischer Plattformen im europäischen Onlinehandel langfristig weiter zunimmt. Der China E-Commerce in Europa wird damit ein zentraler Faktor für die zukünftige Ausrichtung der Branche.

Fakten zum Lagerwachstum im China E-Commerce in Europa
Angemietete Fläche in UK 2025ca. 200.000 m²
Shein-Lager in Polen (ab 2022)über 50.000 m² je Standort
JD.com-Lager in Polen (2024)27.000 m²
Von GLP vermietete Fläche seit 2021ca. 400.000 m²
AliExpress Local+ Lager10 Standorte in UK, DE, ES
Prognose Temu-Umsatz EU 2026über 20 Mrd. US-Dollar