Gebrauchte Smartphones: Nachhaltiger Konsum im Aufwind

Gut ein Drittel der Bundesbürger hat in den vergangenen zwei Jahren gebrauchte Smartphones, Tablets oder IT-Geräte gekauft. Das zeigt die aktuelle TÜV Digital Sustainability Studie, die in Berlin vorgestellt wurde. Demnach erwarben 13 Prozent ein klassisch gebrauchtes Gerät, 15 Prozent ein technisch generalüberholtes Modell und 6 Prozent beides. Der Trend hin zu gebrauchten Smartphones verdeutlicht, dass Langlebigkeit und Reparierbarkeit zunehmend wichtige Kriterien für Verbraucher sind.

Gebrauchte Smartphones: Nachhaltiger Konsum im Aufwind
Gebrauchte Smartphones: Nachhaltiger Konsum im Aufwind

Defekte und Reparaturbereitschaft bei Smartphones

Die Studie macht deutlich, dass gebrauchte Smartphones nur dann eine echte Alternative darstellen, wenn Reparatur und Langlebigkeit gewährleistet sind. Knapp ein Drittel der Befragten hatte in den letzten fünf Jahren ein defektes Gerät. Am häufigsten traten Akkuprobleme (61 Prozent) auf, gefolgt von beschädigten Bildschirmen (52 Prozent) und defekten Ladeanschlüssen (32 Prozent). Rund 58 Prozent ließen ihr Smartphone reparieren, 42 Prozent verzichteten darauf. Hauptgründe für den Verzicht waren zu hohe Kosten oder mangelnde Wirtschaftlichkeit.

Gebrauchte Smartphones zwischen Wunsch und Realität

Nachhaltiger Konsum ist für viele ein wichtiges Thema, doch beim Kauf von Technik überwiegen andere Faktoren. Nur 17 Prozent der Befragten gaben an, Nachhaltigkeit als ausschlaggebendes Kriterium zu sehen. Für 59 Prozent sind Preis, Funktionalität und Design wichtiger. Dennoch zeigt sich: Gebrauchte Smartphones stehen hoch im Kurs, auch wenn sie nicht immer an erster Stelle stehen. Langlebigkeit (74 Prozent), Energieeffizienz (50 Prozent) und Reparierbarkeit (45 Prozent) gelten vielen als entscheidende Aspekte.

Politische Rahmenbedingungen und Verbraucherschutz

Ein breiter Teil der Bevölkerung befürwortet klare gesetzliche Vorgaben. Ganze 86 Prozent sprechen sich für die europäische Ökodesign-Verordnung und das Recht auf Reparatur aus. Damit soll sichergestellt werden, dass neue Geräte langlebiger, nachhaltiger und leichter reparierbar sind – ein Vorteil auch für den Markt von gebrauchten Smartphones. Zudem wünschen sich 85 Prozent der Befragten, dass Umweltvorgaben von unabhängigen Stellen überprüft werden. Prüfzeichen und Siegel spielen beim Kauf bereits jetzt eine wichtige Rolle.

Elektroschrott und die Rolle der Digitalisierung

Die zunehmende Digitalisierung sorgt für wachsende Umweltbelastungen. Rechenzentren verbrauchen mehr Energie, und die Menge an Elektroschrott nimmt stetig zu. Laut „Global E-Waste Monitor 2024“ steigt diese von 62 Millionen Tonnen im Jahr 2022 auf 82 Millionen Tonnen im Jahr 2030. Vor diesem Hintergrund können gebrauchte Smartphones und längere Produktlebenszyklen einen wichtigen Beitrag leisten, um Ressourcen zu schonen und Abfälle zu reduzieren.

Risiken durch Billigimporte

Dem Trend zu gebrauchten Smartphones steht ein problematischer Gegentrend gegenüber: die Flut an Direktimporten. Viele Produkte aus Drittstaaten entsprechen nicht den europäischen Sicherheits- und Umweltstandards. Allein 2024 wurden in der EU rund 392.000 Warensendungen kontrolliert, von denen 16 Prozent nicht den Vorgaben entsprachen. Der TÜV-Verband fordert daher eine strengere Regulierung und die Abschaffung des Zollfreibetrags von 150 Euro.

Perspektive: Kreislaufwirtschaft und Transparenz

Mit der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie will die Bundesregierung nachhaltigen Konsum fördern. Für Verbraucher sollen ein digitaler Produktpass und ein Prüfzeichen „Ready for Repair“ Orientierung bieten. Gerade für gebrauchte Smartphones könnten diese Instrumente den Kaufprozess transparenter und sicherer machen.

Faktenbox

Fakten zur TÜV Digital Sustainability Studie 2025
Kauf von gebrauchten Smartphones/IT-Geräten35 % der Befragten
Anteil Refurbished-Geräte15 %
Häufigste Defekte bei SmartphonesAkkuprobleme (61 %), Display (52 %), Ladeanschluss (32 %)
Reparaturquote58 % ließen Schäden beheben, 42 % verzichteten
Wichtigkeit von Langlebigkeit74 %
Zustimmung zu Ökodesign und Recht auf Reparatur86 %