Aldi erobert den US-Markt: Wie der Discounter zur Nummer drei aufsteigt

Der deutsche Discounter Aldi setzt seine Expansion in den USA mit unvermindertem Tempo fort. Was in den 1970er-Jahren mit einer kleinen Filiale in Iowa begann, hat sich zu einer der größten Erfolgsgeschichten im internationalen Einzelhandel entwickelt. Aldi erobert den US-Markt durch Milliardeninvestitionen, eine klare Discount-Strategie und eine gezielte Anpassung an die amerikanische Konsumkultur.

Aldi erobert den US-Markt: Expansion des Discounters
Aldi erobert den US-Markt: Expansion des Discounters

Aldi erobert den US-Markt mit Rekordtempo

Bis Ende 2025 will Aldi rund 2600 Filialen betreiben und sich damit hinter Walmart und Kroger als drittgrößter Supermarktbetreiber der USA positionieren. Doch die Ambitionen gehen weiter: Bis 2028 sind 3200 Filialen geplant, womit Aldi Kroger zunehmend unter Druck setzen könnte. Damit zeigt sich: Aldi erobert den US-Markt nicht nur punktuell, sondern mit einem landesweiten Expansionskurs.

Die Anfänge reichen ins Jahr 1976 zurück, als Aldi die erste US-Filiale in Iowa eröffnete. Damals wirkte das Konzept mit wenigen Produkten, niedrigen Preisen und schlicht ausgestatteten Märkten ungewohnt für die amerikanische Kundschaft. Mit der Zeit passte Aldi sein Modell behutsam an und begann in den 1990er-Jahren mit einer systematischen Expansion in den Mittleren Westen und später auch an die Ost- und Westküste.

Einen entscheidenden Schub brachte 1979 der Einstieg von Aldi Nord mit der Übernahme von Trader Joe’s, das heute mit rund 570 Filialen erfolgreich im Premium-Discount-Segment agiert. Parallel setzte Aldi Süd – verantwortlich für die Marke „Aldi“ in den USA – auf den Ausbau des klassischen Discountmodells.

Aldi erobert den US-Markt durch Übernahmen

Ein entscheidender Motor der Expansion ist Aldis gezielte Übernahmestrategie. Während der Discounter über Jahrzehnte vor allem auf organisches Wachstum setzte, markierte der Einstieg ins Übernahmegeschäft in den USA einen Wendepunkt.

Im Jahr 2023 kaufte Aldi rund 400 Filialen der Ketten Winn-Dixie und Harveys Supermarket vom Mutterkonzern Southeastern Grocers. Dieser Schritt war nicht nur die größte Akquisition in der Geschichte von Aldi USA, sondern auch ein Signal an die Branche: Aldi ist bereit, aggressiv Marktanteile zu sichern, anstatt ausschließlich neue Märkte selbst aufzubauen.

Von den übernommenen Standorten sollen etwa 220 Geschäfte nach und nach zu Aldi-Märkten umgebaut werden. Dabei werden die Läden vollständig auf das Discountmodell umgestellt – inklusive schlanker Flächenplanung, starkem Eigenmarkenanteil und standardisierter Logistik. Die übrigen Filialen hat Aldi veräußert, um Kapital freizusetzen und die Expansion in profitableren Regionen zu beschleunigen.

Die Übernahme stärkt Aldis Präsenz vor allem im Südosten der USA, einem Gebiet mit starker Bevölkerungsdynamik, aber auch mit hoher Wettbewerbsintensität. Dort konkurriert Aldi direkt mit regionalen Größen wie Publix und nationalen Playern wie Walmart. Mit der Akquisition gelang es Aldi, binnen kürzester Zeit eine dichte Filialstruktur aufzubauen, die auf rein organischem Weg Jahre gedauert hätte.

Darüber hinaus hat die Transaktion Aldi Zugang zu strategisch wichtigen Immobilienstandorten verschafft. Gerade in Metropolregionen sind gut gelegene Grundstücke für den Einzelhandel knapp und teuer. Durch die Übernahme bestehender Märkte konnte Aldi diesen Engpass umgehen und sich Standorte sichern, die andernfalls kaum verfügbar gewesen wären.

Auch logistisch war der Schritt entscheidend: Mit den übernommenen Filialen gingen zentrale Vertriebszentren und Lieferkettenstrukturen in Aldis Besitz über. Das beschleunigt nicht nur die Versorgung der neuen Märkte, sondern verbessert auch die Effizienz des gesamten US-Netzwerks.

Die Strategie zeigt, dass Aldi den US-Markt durch Übernahmen erobert, indem das Unternehmen punktuell große Sprünge macht, anstatt ausschließlich auf das langsamere Modell einzelner Neueröffnungen zu setzen. Branchenanalysten sehen darin ein klares Bekenntnis zum US-Markt – und eine Blaupause für weitere mögliche Akquisitionen, sollte sich die Gelegenheit bieten.

Erfolgsfaktoren: Discount-DNA trifft amerikanische Realität

Der Erfolg von Aldi in den USA beruht nicht nur auf niedrigen Preisen, sondern auf einem klar strukturierten Geschäftsmodell, das sich konsequent an Effizienz und Einfachheit orientiert. Aldi erobert den US-Markt, weil das Unternehmen seine Discount-DNA beibehält und diese zugleich an die Besonderheiten des amerikanischen Einzelhandels anpasst.

Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die Reduktion des Sortiments. Mit rund 1.600 Artikeln pro Filiale liegt Aldi weit unter dem Angebot klassischer US-Supermärkte, die bis zu 30.000 Produkte führen. Diese Begrenzung reduziert die Komplexität, spart Lagerkosten und beschleunigt den Einkauf. Kunden erleben ein übersichtliches Sortiment, das die Auswahl erleichtert und spontane Kaufentscheidungen begünstigt.

Hinzu kommt der hohe Eigenmarkenanteil von rund 90 Prozent. Diese Produkte sind nicht nur preislich attraktiver, sondern stärken auch die Margen, da Aldi die Lieferketten eng kontrolliert. In Blindtests schneiden viele Eigenmarken vergleichbar oder sogar besser ab als teurere Markenprodukte, was das Vertrauen der Kunden festigt. Gerade in Zeiten knapper Haushaltsbudgets wird dieser Vorteil immer wichtiger.

Ein weiterer Baustein ist die Flächenstrategie. Aldi-Filialen sind mit durchschnittlich 2.000 Quadratmetern deutlich kleiner als typische US-Supermärkte. Das macht die Märkte kostengünstiger im Bau und Betrieb, erlaubt eine dichtere Standortstruktur und erleichtert den Markteintritt in urbanen Regionen, wo große Flächen rar und teuer sind.

Auch die Betriebsabläufe sind auf Effizienz getrimmt: Waren werden in Kartons angeliefert und direkt ins Regal gestellt, Personal wird dadurch entlastet, und die Personalkosten bleiben niedrig. Kassenzonen sind so konzipiert, dass der Durchsatz hoch und Wartezeiten kurz bleiben. Kunden verpacken ihre Einkäufe selbst – ein Detail, das im US-Markt zunächst ungewöhnlich war, sich inzwischen aber etabliert hat.

Neben Preis und Effizienz spielt auch die Fokussierung auf Grundbedürfnisse eine große Rolle. Während viele Wettbewerber Sortimente ausweiten und komplexe Kundenbindungsprogramme etablieren, konzentriert sich Aldi auf den Kern: Lebensmittel und Alltagsprodukte zu niedrigen Preisen. Dieses klare Leistungsversprechen schafft Vertrauen und Wiedererkennungswert.

Gleichzeitig hat Aldi in den USA bewusst kulturelle Anpassungen vorgenommen, ohne den Discount-Charakter zu verlieren. Dazu zählen eine größere Auswahl an Frischeprodukten, verpackte Fertiggerichte für den schnellen Konsum und saisonale Aktionsware, die den Einkauf abwechslungsreicher macht. Diese Balance zwischen internationaler Standardisierung und lokaler Anpassung ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Nicht zuletzt profitiert Aldi vom Image als preisbewusster Herausforderer im Markt. Während Walmart oder Kroger stark in digitale Kundenprogramme und großflächige Sortimente investieren, positioniert sich Aldi als Gegenentwurf: schlank, klar und kompromisslos auf den Preis ausgerichtet. Für viele Konsumenten bietet das eine attraktive Alternative, die sich in wachsenden Marktanteilen widerspiegelt.

Inflation als Treiber des Erfolgs

Die wirtschaftliche Lage in den USA verschaffte Aldi zusätzlichen Rückenwind. Zwischen 2020 und 2024 stiegen die Lebensmittelpreise um mehr als 20 Prozent. Während viele Wettbewerber ihre Preise erhöhten, konnte Aldi zahlreiche Artikel stabil halten oder sogar verbilligen. Im Sommer 2023 senkte das Unternehmen die Preise für rund ein Viertel des Sortiments.

Diese Preispolitik wirkte: 2025 verzeichnete Aldi im ersten Halbjahr einen Kundenzuwachs von sieben Prozent, während klassische Supermärkte nur um knapp zwei Prozent zulegten. Preisbewusste Kunden entdeckten den Discounter neu – und machten ihn zu einem der am stärksten wachsenden Händler Nordamerikas.

Digitale Strategien: Aldi erobert den US-Markt auch online

Aldi erobert den US-Markt längst nicht mehr nur über Filialen, sondern zunehmend auch über digitale Vertriebskanäle. Der Discounter nutzt E-Commerce und Omnichannel-Partnerschaften, um seine Reichweite auszubauen und neue Kundengruppen anzusprechen.

Der Online-Umsatz von Aldi.us in den USA lag 2024 bei rund 828 Millionen US-Dollar. Damit gewinnt das digitale Geschäft spürbar an Bedeutung, auch wenn der stationäre Vertrieb weiterhin den Kern ausmacht.

Ein wesentlicher Baustein ist die Partnerschaft mit Instacart, die seit 2017 besteht. Über die Plattform sind inzwischen fast alle Aldi-Filialen an Same-Day-Delivery und Curbside Pickup angebunden. Darüber hinaus nutzt Aldi die von Instacart entwickelten Connected Stores-Technologien:

    • Mit dem In-Store Mode erhalten Kunden Echtzeit-Informationen zu Lagerbeständen, Angeboten und Produktstandorten in der Filiale.
    • Carrot Tags helfen durch digitale Markierungen beim schnelleren Auffinden bestimmter Produkte.
    • Pickup Fulfillment optimiert die Bestellabwicklung für Online-Bestellungen, die vor Ort abgeholt werden.

Seit 2023 ergänzt eine Kooperation mit DoorDash das Angebot. Über diesen Dienst können Kunden aus mehr als 2.100 Filialen in 38 Bundesstaaten bestellen – inklusive Same-Day-Delivery und auch alkoholischer Produkte. Damit erweitert Aldi seine digitale Reichweite erheblich, insbesondere in urbanen Märkten mit hoher Nachfrage nach schneller Lieferung.

Über Instacart ist Aldi inzwischen für rund 98 % der US-Haushalte digital erreichbar – eine nahezu flächendeckende Präsenz im Online-Lebensmittelhandel.

Diese Kombination aus stationärem Discountmodell und digitalen Services zeigt: Aldi erobert den US-Markt auch online. Statt ein klassisches Vollsortiment im Internet aufzubauen, setzt das Unternehmen auf gezielte Partnerschaften und Technologien, die Bequemlichkeit, Reichweite und Effizienz miteinander verbinden.

Unterschiede zwischen Deutschland und den USA

De Erfolg in den USA liegt auch darin begründet, dass das Unternehmen dort bewusst eine andere Strategie verfolgt als im Heimatmarkt Deutschland. Während Aldi hierzulande seit Jahren stärker auf Modernisierung und Sortimentserweiterung setzt, bleibt das US-Geschäft näher an den ursprünglichen Discountprinzipien – allerdings mit gezielten Anpassungen an amerikanische Konsumgewohnheiten.

Ein zentraler Unterschied betrifft die Wahrnehmung der Marke. In Deutschland wird Aldi oft als selbstverständlicher Bestandteil des Alltags gesehen, der im Wettbewerb mit Lidl und großen Supermarktketten um Marktanteile kämpft. In den USA dagegen gilt Aldi als preisbewusste Alternative im Schatten von Giganten wie Walmart oder Kroger. Das verschafft dem Discounter ein klareres Profil, weil er nicht zwischen Supermarkt- und Discount-Image schwankt, sondern konsequent auf den Preis setzt.

Auch die Sortimentsgestaltung unterscheidet sich. In Deutschland erwarten Kunden zunehmend Bio-Produkte, Markenartikel und regionale Spezialitäten. Aldi hat darauf reagiert, indem es mehr Vielfalt, Frische und Qualität ins Angebot aufgenommen hat. In den USA dagegen liegt der Fokus stärker auf praktischen Alltagsprodukten und Convenience-Artikeln, die den schnellen Lebensstil vieler Verbraucher bedienen. Fertiggerichte, Snacks und verpackte Frischeprodukte nehmen hier einen größeren Raum ein als im Heimatmarkt.

Die Filialarchitektur verdeutlicht ebenfalls Unterschiede: Deutsche Aldi-Märkte sind in den vergangenen Jahren optisch aufgewertet worden, mit helleren Verkaufsflächen, größeren Obst- und Gemüseabteilungen und moderner Gestaltung. In den USA hingegen bleibt das Design bewusst funktional und reduziert. Viele Filialen sind kleiner und auf Effizienz getrimmt, was Miet- und Betriebskosten senkt und die Preisführerschaft absichert.

Ein weiterer Unterschied zeigt sich in der Kundenbindung. In Deutschland verzichtet Aldi weitgehend auf klassische Bonus- oder Treueprogramme und setzt auf einfache Preiskommunikation. In den USA hingegen arbeitet Aldi stärker mit digitalen Schnittstellen wie Instacart oder DoorDash zusammen, wodurch Kunden nicht nur stationär, sondern auch online gebunden werden. Damit integriert Aldi in den USA Elemente einer Omnichannel-Strategie, die in Deutschland bislang kaum zu sehen sind.

Schließlich spielt die Marktstruktur eine Rolle. Deutschland ist von hoher Discounterdichte geprägt, wodurch Aldi im direkten Wettbewerb permanent auf Innovation und Differenzierung achten muss. In den USA dagegen ist das Discountsegment traditionell weniger stark besetzt. Dadurch kann Aldi die Rolle des Herausforderers besetzen und neue Märkte erschließen, ohne sofort in einen Preiskrieg mit ähnlich strukturierten Wettbewerbern zu geraten.

Expansion mit tausenden neuen Jobs und XXL-Projekten

Aldi beschäftigt in den USA bereits mehr als 52.000 Mitarbeiter und will bis 2028 weitere 13.000 Stellen schaffen. Damit zählt das Unternehmen zu den größten deutschen Arbeitgebern in Nordamerika.

Mit einem weltweiten Umsatz von über 120 Milliarden US-Dollar gehört Aldi inzwischen zu den zehn größten Einzelhändlern der Welt – noch vor Edeka und Rewe. Der Erfolg unterstreicht die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Handelskonzepte.

Aldi erobert den US-Markt mit klarer Strategie und ehrgeizigen Zielen. Bis 2028 sollen 3200 Filialen eröffnen, langfristig sehen Experten sogar Potenzial für bis zu 16.000 Standorte.

Doch die Risiken bleiben: steigende Immobilienpreise, mögliche Zollerhöhungen und der intensive Wettbewerb durch Walmart, Costco oder regionale Anbieter könnten den Expansionskurs bremsen. Aldi setzt daher auf eine Mischung aus organischem Wachstum, Akquisitionen und regionaler Anpassung.

Ein Prestigeprojekt ist die geplante Filiale nahe dem Times Square in Manhattan mit 25.000 Quadratmetern, die 2026 eröffnen soll. Dort wird sich zeigen, ob das Discountmodell auch in den teuersten Lagen der Welt funktioniert.

Faktenbox

Aldi erobert den US-Markt
Markteintritt 1976, erste Filiale in Iowa
Beteiligung Aldi Nord Trader Joe’s mit rund 570 Filialen
Übernahme 2023: 400 Standorte von Winn-Dixie und Harveys
Aktuelle Filialzahl ca. 2400 (Stand 2025)
Geplante Filialzahl 2600 bis Ende 2025, 3200 bis 2028
Investitionsvolumen 9 Mrd. US-Dollar (2023–2028)
Eigenmarken-Anteil rund 90 % des Sortiments
Beschäftigte 52.000 (plus 13.000 neue bis 2028)
Kundenzuwachs +7 % im 1. Halbjahr 2025
Umsatzvergleich Deutschland 18,8 Mrd. €, USA 16,9 Mrd. € (2023)