OTTO verlässt die Niederlande nach 46 Jahren
Der Hamburger Versandhändler OTTO verlässt die Niederlande nach fast 46 Jahren Präsenz in dem Nachbarland. Das Unternehmen stellt aufgrund hoher Betriebsverluste und fehlender wirtschaftlicher Perspektiven sein Geschäft in den Niederlanden vollständig ein. Rund 70 Mitarbeiter sind von dem Rückzug betroffen. Ein konkreter Schließungszeitplan wird wohl derzeit noch erarbeitet.
Hohe Verluste und Ausverkauf zum Abschied
Inhaltsverzeichnis
Obwohl otto.nl zuletzt noch rund 60 Millionen Euro Jahresumsatz erzielte, schrieb das Geschäft Verluste und bot keine Aussicht auf Besserung. OTTO hat daher nun die Reißleine gezogen und den Rückzug vom niederländischen Markt eingeleitet. Im Gegensatz zum Heimatmarkt Deutschland betreibt Otto in den Niederlanden keine Marktplatz-Plattform, sondern nur einen klassischen Online-Shop – ein Ansatz, der sich als nicht ausreichend erfolgreich erwiesen hat. Der Webshop otto.nl und die Schwestersite lascana.nl sind zwar vorerst noch online, doch wird dort bereits mit einem „Final Sale“ auf den bevorstehenden Abschied hingewiesen. Zu den konkreten Folgen für die Belegschaft in den Niederlanden machte das Unternehmen bislang keine Angaben.
46 Jahre OTTO in den Niederlanden: Vom Katalog zum Online-Shop
OTTO war seit 1979 in den Niederlanden aktiv und zählte zu den ersten großen Versandhändlern mit Katalogbestellungen auf dem niederländischen Markt. Über Jahrzehnte konnten Kunden dort Waren aus dem Otto-Katalog bestellen. Ab den 2000er-Jahren verlagerte sich der Fokus jedoch zunehmend auf den Online-Handel. Wettbewerber wie der niederländische Anbieter Wehkamp entwickelten sich ebenfalls vom Katalogversand zum Online-Shop; Wehkamp stieg zeitweise zum führenden Onlinehändler des Landes auf. Otto hingegen belegte im Jahr 2023 nur Rang 46 unter den größten Online-Anbietern der Niederlande.
OTTO verlässt die Niederlande – Fokus auf Kernmärkte
Bereits 2024 hatte die Otto Group angekündigt, die niederländische Tochter mit den Landesgesellschaften in Österreich und der Schweiz zusammenzulegen, um Synergien zu erzielen. Diese Pläne werden nun verworfen – stattdessen fokussiert sich der Konzern auf die deutschsprachigen Kernmärkte. Im Heimatmarkt Deutschland verzeichnet Otto dank der Umstellung vom klassischen Versandhandel zum offenen Marktplatzmodell mittlerweile wieder profitables Wachstum. Gleichzeitig läuft ein Sparprogramm: So streicht Otto in Deutschland rund 500 Arbeitsplätze im Kundenservice und schließt mehrere Callcenter. Damit verlässt OTTO die Niederlande endgültig und richtet seinen Blick verstärkt auf Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Faktenbox
| OTTO verlässt die Niederlande | |
|---|---|
| Markteintritt | 1979 |
| Dauer der Präsenz | 46 Jahre |
| Jahresumsatz zuletzt | ca. 60 Mio. Euro |
| Betroffene Mitarbeiter | rund 70 |
| Hauptgrund für Rückzug | anhaltende Verluste, fehlende Perspektive |
| Betroffene Webshops | otto.nl, lascana.nl |
| Marktposition 2023 | Platz 46 im niederländischen Onlinehandel |