MediaMarkt Saturn Übernahme durch JD.com aus China geplant

Die MediaMarkt Saturn Übernahme durch den chinesischen Onlinehandelsriesen JD.com könnte bald Realität werden. Der Mutterkonzern Ceconomy hat bestätigt, sich in fortgeschrittenen Gesprächen mit dem in Peking ansässigen Unternehmen über ein mögliches Übernahmeangebot zu befinden. Erste Gespräche sollen bereits Ende 2023 stattgefunden haben. Die Verhandlungen markieren einen potenziellen Wendepunkt für den europäischen Elektronikhandel.

MediaMarkt Saturn Übernahme durch JD.com aus China geplant
MediaMarkt Saturn Übernahme durch JD.com aus China geplant

Ceconomy bestätigt Gespräche mit JD.com

Wie Ceconomy offiziell mitteilt, befindet sich das Unternehmen in „fortgeschrittenen Verhandlungen“ mit JD.com zur MediaMarkt Saturn Übernahme. Konkret geht es um ein mögliches freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot durch den chinesischen Konzern. JD.com plant laut vorliegenden Informationen, 4,60 Euro je Ceconomy-Aktie zu bieten – ein signifikanter Aufschlag auf den vorherigen Börsenkurs.

Die Ceconomy-Aktie hatte vor der Veröffentlichung der Übernahmeabsichten bei etwa 3,75 Euro notiert, stieg jedoch infolge der Nachricht deutlich an. Damit könnte sich für die Aktionäre ein attraktives Angebot ergeben. Noch ist jedoch unklar, ob JD.com tatsächlich ein bindendes Angebot unterbreiten wird. Eine rechtlich verbindliche Vereinbarung liegt derzeit nicht vor. Ceconomy betont ausdrücklich, dass noch keine Entscheidung gefallen ist.

MediaMarkt und Saturn im Zentrum der Übernahmepläne

Die MediaMarkt Saturn Übernahme betrifft zwei der bekanntesten Elektronikmarken Europas. MediaMarkt und Saturn betreiben gemeinsam über 1.000 Fachmärkte in 13 europäischen Ländern. Die Unternehmen wurden ursprünglich unabhängig voneinander gegründet, agieren aber seit Jahren unter dem Dach der MediaMarktSaturn Retail Group, die wiederum Teil der Ceconomy AG mit Sitz in Düsseldorf ist.

Im Geschäftsjahr 2022/2023 erzielte Ceconomy einen Gesamtumsatz von rund 22,4 Milliarden Euro. Davon entfielen rund 5,1 Milliarden Euro auf den Onlinehandel, der durch die Corona-Pandemie stark gewachsen war. Das Unternehmen hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2024/25 ihren Wachstumskurs fortgesetzt.

Die Gruppe beschäftigt etwa 50.000 Mitarbeiter und gilt als einer der bedeutendsten Einzelhändler für Unterhaltungselektronik in Europa.

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Rolle der Großaktionäre: Zustimmung nicht gesichert

Ein zentrales Thema der geplanten MediaMarkt Saturn Übernahme ist die Haltung der Großaktionäre. Die Unternehmerfamilie Kellerhals, die MediaMarkt mitbegründet hat, hält über ihre Beteiligungsgesellschaft Convergenta knapp 30 Prozent der Ceconomy-Aktien. Eine Zustimmung dieser Familie wäre für die Übernahme von großer Bedeutung, ist aber bislang nicht gesichert.

Neben Convergenta gibt es weitere bedeutende Anteilseigner, darunter die Familienholding Haniel sowie institutionelle Investoren wie Meridian, Beisheim und Freenet. Rund ein Drittel der Ceconomy-Aktien befinden sich zudem im Streubesitz. Offizielle Stellungnahmen der Anteilseigner zur möglichen Übernahme liegen bislang nicht vor.

JD.com verfolgt ehrgeizige Europa-Strategie

JD.com zählt zu den größten Onlinehändlern Chinas und sieht in Europa einen strategisch wichtigen Wachstumsmarkt. Das Unternehmen betreibt in China ein eigenes Logistiknetzwerk, entwickelt KI-gestützte Lieferlösungen und ist sowohl im B2C- als auch im B2B-Segment aktiv. Angesichts der abnehmenden Konsumdynamik auf dem chinesischen Heimatmarkt richtet JD.com seinen Blick zunehmend auf internationale Märkte.

MediaMarkt Saturn Übernahme durch JD.com aus China geplant
MediaMarkt Saturn Übernahme durch JD.com aus China geplant

JD.com baut seinen europäischen Einfluss systematisch aus – mit klarer Ausrichtung auf Infrastruktur, Logistik und grenzüberschreitenden Handel. Laut einem CEO Statement betont JD.com CEO Sandy Xu, dass das internationale Wachstum stark auf der eigenen Lieferkettenkompetenz basiert. Die Gesellschaft zielt darauf, in Regionen mit einzigartigen Wettbewerbsvorteilen wie Europa aktiv zu expandieren.

Kernbestandteil der Strategie ist der umfassende Ausbau eines europäischen Lager- und Transportnetzes. JD Logistics unterhält bereits wichtige Logistikstandorte in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Polen, Spanien und Großbritannien. Ein zentrales Verteilzentrum bei London (Milton Keynes) beliefert innerhalb von vier bis fünf Stunden 85 % der britischen Bevölkerung – demonstriert etwa über eine Partnerschaft mit John Lewis. Weitere Lagerzentren wie in Venlo (Niederlande) nutzen hochautomatisierte Systeme mit Roboterarmen und fahrerlosen Fahrzeugen – was Effizienzsteigerungen von bis zu 300 % ermöglicht.

Parallel verfolgt JD.com die Roll-out-Strategie seiner europäischen Omni‑Channel Plattform Ochama in mittlerweile 24 Ländern. Dort kombiniert das Unternehmen Online-Plattformen mit moderner Logistik, um lokalen Einzelhändlern und Marken den Marktzugang zu ermöglichen. Zudem testet JD.com die europäische Plattform Joybuy in London als Bestandteil seiner Cross-Border-Strategie.

Angesichts steigender Konkurrenz durch Alibaba und Amazon in China und schwächelnder Binnenkaufkraft setzt JD.com gezielt auf Wachstum in Europa. Ein früherer Versuch, den britischen Elektronikhändler Currys zu übernehmen, war gescheitert. Die laufenden Verhandlungen über die MediaMarkt Saturn Übernahme durch Ceconomy stellen für JD.com daher eine strategisch logische Fortführung dieser Expansionsstrategie dar – mit dem Ziel, durch etabliertes Vertriebsnetz, Händlerinfrastruktur und starken Marken in Europa Fuß zu fassen. Die etablierte Infrastruktur, die Markenbekanntheit sowie das breite stationäre Filialnetz machen Mediamarkt Saturn für strategische Investoren attraktiv.

Mögliche Folgen für den deutschen Elektronikhandel

Eine MediaMarkt Saturn Übernahme durch JD.com würde weitreichende Folgen für den europäischen Handel mit Unterhaltungselektronik nach sich ziehen. Branchenkenner sehen darin sowohl Chancen als auch Risiken. Einerseits könnte JD.com frische Impulse und Innovationen in die eher konservativ aufgestellte Branche bringen – etwa durch den Einsatz moderner Logistiksysteme oder datengestützter Verkaufsstrategien.

Andererseits könnten sich politische Bedenken ergeben, insbesondere im Hinblick auf die Übernahme eines systemrelevanten Handelsunternehmens durch ein chinesisches Unternehmen. In Deutschland gibt es bereits Debatten über kritische Infrastruktur in ausländischer Hand – etwa in der Energie- und Telekommunikationsbranche. Ob auch eine Handelsgruppe wie MediaMarktSaturn unter diese Kategorie fällt, ist derzeit offen.

Ausblick: Entscheidung in den kommenden Wochen?

Noch ist unklar, wie schnell sich die Gespräche zwischen Ceconomy und JD.com weiterentwickeln. Branchenbeobachter rechnen mit einer möglichen Entscheidung in den kommenden Wochen. Sollte ein offizielles Angebot vorgelegt werden, wären Vorstand und Aufsichtsrat von Ceconomy verpflichtet, dieses zu prüfen und eine Empfehlung abzugeben.

Die MediaMarkt Saturn Übernahme wäre eine der größten grenzüberschreitenden Transaktionen im europäischen Einzelhandel der letzten Jahre. Sie könnte JD.com nicht nur einen direkten Zugang zum europäischen Markt verschaffen, sondern auch den Wettbewerb im Elektroniksegment neu ordnen.