Temu startet in die Food-Sparte: Lebensmittel in Europa im Fokus
Temu startet in die Food-Sparte und baut sein Sortiment im europäischen Onlinehandel deutlich aus. In Deutschland verkauft die chinesische Plattform bereits frische Lebensmittel wie Fleisch, Snacks und Getränke. Nun soll auch die Schweiz folgen. Mit regionalen Lieferanten und kurzer Lieferzeit will Temu neue Märkte erschließen – trotz regulatorischer Hürden und starker Konkurrenz.
Temu startet in die Food-Sparte mit regionalem Liefernetz
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Bereits im Mai 2025 hat Temu laut der Fachzeitschrift Lebensmittel Zeitung ein eigenes Food-Team aufgebaut und begonnen, verstärkt regionale Lieferanten anzuwerben. Das Unternehmen teilte mit, Ziel sei es, „das lokale Angebot auszubauen und den Service für europäische Kunden zu verbessern“. Damit ändert Temu seine Strategie grundlegend: Statt bisher überwiegend günstige Produkte aus China zu versenden, rückt nun die Zusammenarbeit mit Lieferanten in Europa in den Mittelpunkt. Durch kürzere Lieferwege sollen Bestellungen schneller bei den Kunden ankommen und es können Waren angeboten werden, die den lokalen Geschmack besser treffen.
Branchenexperten sehen in diesem Schritt auch eine Reaktion auf internationale Handelskonflikte. Durch die Verlagerung auf regionale Partner kann Temu potenzielle Zölle und Importbeschränkungen umgehen, welche das bisherige Geschäftsmodell erschweren würden. Temu startet in die Food-Sparte und diese Expansion wird offensiv vorangetrieben – das Unternehmen hat eine Kampagne gestartet, um Lieferanten für Lebensmittel, Kosmetik und andere Konsumgüter zu gewinnen. Temu gehört zum chinesischen E-Commerce-Riesen Pinduoduo und ist für seine extrem niedrigen Preise bekannt. Mit dieser Billigpreis-Strategie ist der Marktplatz rasant gewachsen: Gemeinsam mit der Schwesterplattform Shein erzielte Temu im Jahr 2024 annähernd 100 Milliarden Euro Umsatz.
Warnungen zu Qualität und Verbraucherschutz
Temu startet in die Food-Sparte, allerdings stößt der Start in den Lebensmittelhandel auch auf Kritik. Die Gründerin eines deutschen Nahrungsergänzungsmittel-Herstellers lehnte eine Zusammenarbeit öffentlich ab und nannte es „brandgefährlich, wie asiatische Billig-Plattformen den europäischen Markt fluten“. Sie warnte, dabei würden oft Vorschriften umgangen sowie Produktsicherheit, Nachhaltigkeit und Arbeitsstandards missachtet.
Auch Verbraucherschützer beobachten die Pläne mit Skepsis. Die Verbraucherzentrale Berlin empfiehlt, beim Einkauf über Temu generell vorsichtig zu sein, da es in der Vergangenheit Beschwerden über nicht gelieferte Waren und schlecht erreichbaren Kundenservice gab. Zwar sei die Einbindung europäischer Lebensmittelhersteller „erst einmal besser als von weiter weg“, doch könnten weiterhin Produkte verkauft werden, die auf dem deutschen Markt nicht zulässig sind und Gesundheitsrisiken bergen – beispielsweise gewisse nicht zugelassene Nahrungsergänzungsmittel. Zudem fehlen online teilweise vorgeschriebene Warnhinweise, etwa bei Getränken oder Süßigkeiten mit Azofarbstoffen, die als bedenklich für die Aktivität von Kindern gelten.
Wettbewerb und Marktherausforderungen
Die Online-Lebensmittelbranche in Europa gilt als schwierig. So hat etwa Branchenprimus Amazon schon vor Jahren versucht, im Lebensmittelhandel Fuß zu fassen: 2010 richtete Amazon in Deutschland eine Lebensmittel-Kategorie ein, und einige Jahre später wurden mit „Amazon Fresh“ auch frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse ausgeliefert – diesen Dienst stellte der Konzern jedoch im Oktober 2024 wieder ein. Seit Anfang 2025 arbeitet Amazon stattdessen mit dem deutschen Online-Supermarkt Knuspr zusammen, um weiterhin frische Waren anbieten zu können.
Temu hingegen wächst rasant weiter und gehört in mehreren europäischen Ländern bereits zu den meistgenutzten Shopping-Apps. Es bleibt abzuwarten, ob die Billig-Plattform mit ihrer lokalen Strategie im Lebensmittelhandel langfristig erfolgreich sein kann – aber hohe Qualitätsstandards und eine starke Konkurrenz dürften eine Herausforderung darstellen.