KMU in Österreich: Digitale Exportkraft trotz wirtschaftlicher Herausforderungen
Trotz eines weiterhin schwierigen wirtschaftlichen Umfelds zeigen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Österreich beachtliche Resilienz: Im Jahr 2024 verkauften rund 2.500 österreichische KMU ihre Produkte über Amazon – mehr als 95 % davon international. Das geht aus einem aktuellen Report hervor, den Amazon gemeinsam mit dem International Council for Small Businesses (ICSB) zum UN-Tag der KMU (27. Juni) vorgelegt hat. Der Gesamtwert der erzielten Exportumsätze liegt stabil bei rund 600 Millionen Euro.
Die Zahlen unterstreichen die zunehmende Bedeutung digitaler Vertriebswege für KMU in Österreich – insbesondere im Hinblick auf internationale Markterschließung und Exportwachstum.
Über 60 % der Amazon-Verkaufspartner stammen aus ländlichen Regionen
Inhaltsverzeichnis
Ein besonders auffälliger Befund des Reports betrifft die geografische Verteilung: Mehr als 60 % der österreichischen Amazon-Verkaufspartner sind in ländlichen Gebieten ansässig. Diese Unternehmen generierten im Jahr 2024 zusammen über 340 Millionen Euro an Exportumsätzen. Die zunehmende Digitalisierung ermöglicht es Betrieben abseits urbaner Zentren, am globalen Handel teilzunehmen und so neue Wachstumschancen zu nutzen.
Ein Beispiel für diese Entwicklung ist das Unternehmen Shoes4Dancers aus Steyr. Der familiengeführte Betrieb verkauft Tanzschuhe über Amazon an Kunden in Europa, den USA und Kanada. Laut Gründer Markus Windisch sei die Expansion ohne digitale Tools wie automatische Übersetzungen oder integrierte Logistiklösungen kaum möglich gewesen.
Europäischer Binnenmarkt bleibt zentrale Erlösquelle
KMU in Österreich, die auf Amazon aktiv sind, erzielen den Großteil ihrer Exporte innerhalb der Europäischen Union. Im Jahr 2024 beliefen sich diese EU-Exporte auf mehr als 500 Millionen Euro – insbesondere in die Märkte Deutschland, Frankreich und Italien. Insgesamt stammen rund 80 % der Exportumsätze österreichischer KMU auf Amazon aus EU-Ländern. Damit zeigt sich, dass der europäische Binnenmarkt weiterhin ein verlässliches Fundament für den Außenhandel kleiner Unternehmen bietet.
Auch außerhalb Europas erreichen österreichische KMU Kunden in über 130 Ländern – vor allem in den USA und im Vereinigten Königreich. Durchschnittlich werden pro Minute 40 Produkte von österreichischen KMU über Amazon weltweit verkauft.
Digitalisierung als strategischer Erfolgsfaktor für KMU
Amazon stellt seinen Verkaufspartnern nicht nur Reichweite zur Verfügung, sondern auch zahlreiche digitale Werkzeuge. Dazu zählen etwa KI-gestützte Verkaufsanalysen, Logistikdienste sowie Tools zur internationalen Expansion. Plattformen wie der „Product Opportunity Explorer“ helfen KMU, Marktchancen frühzeitig zu erkennen und ihre Sortimente strategisch auszurichten.
Mit der Initiative „Quickstart Online“ bietet Amazon gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Österreich zudem eine kostenlose Wissensplattform für kleine Unternehmen. Über 50.000 KMU im deutschsprachigen Raum haben das Angebot bereits genutzt, um digitale Kompetenzen aufzubauen.
Ein weiteres Beispiel ist der Bauernladen Helene in Wien, der 2020 als Reaktion auf die Corona-Pandemie begann, über Amazon zu verkaufen. Heute macht der Onlinehandel rund 25 % des Gesamtumsatzes aus. Die effiziente Logistik und die Reichweite des Marktplatzes ermöglichten es dem kleinen Betrieb, Kundengruppen außerhalb Wiens und über die Landesgrenzen hinweg zu erschließen.
Fazit: Starke KMU als Rückgrat der Wirtschaft
Die rund 580.000 KMU in Österreich beschäftigen laut KMU Forschung Austria rund 65 % der Arbeitskräfte und tragen über die Hälfte zur Bruttowertschöpfung im privaten Sektor bei. Angesichts steigender Kosten und zurückhaltender Konsumentennachfrage gewinnt der Zugang zu digitalen Märkten weiter an Bedeutung. Der aktuelle Report zeigt, dass österreichische KMU digitale Plattformen erfolgreich nutzen, um international zu expandieren – und dabei auch aus strukturschwächeren Regionen heraus wettbewerbsfähig bleiben.
Für die Zukunft wird entscheidend sein, in welchem Maß KMU in Österreich weiterhin in Digitalisierung investieren, grenzüberschreitende Chancen wahrnehmen und auf datenbasierte Geschäftsmodelle setzen. Die Beispiele aus Österreich zeigen: Digitale Exportstrategien können selbst kleinste Betriebe fit für den globalen Wettbewerb machen.