Social Commerce: Strategien und erste Schritte für Onlinehändler

Social Commerce – also der Verkauf von Produkten direkt über Social-Media-Plattformen – entwickelt sich rasant zu einem wichtigen Vertriebskanal für Onlinehändler. Gerade jüngere Generationen shoppen zunehmend via Instagram, TikTok & Co., ohne die App zu verlassen. 62 % der Social-Media-Nutzer nutzen diese Plattformen regelmäßig als Inspirationsquelle für ihren nächsten Kauf. Statt Kunden über Umwege in den eigenen Shop zu lotsen, können alle Schritte vom Entdecken eines Produkts bis zum Checkout direkt in der Social-App stattfinden.

Social Commerce: Strategien und erste Schritte für Onlinehändler
Social Commerce: Strategien und erste Schritte für Onlinehändler

Studien prognostizieren denn auch ein enormes Wachstumspotenzial: Bis 2028 soll der globale Social Commerce Markt auf über 3 Billionen US-Dollar anwachsen. Für Onlinehändler bedeutet das: Jetzt ist der ideale Zeitpunkt, in Social Commerce einzusteigen, um neue Zielgruppen dort zu erreichen, wo sie sich täglich aufhalten.

In diesem Blogartikel erhalten Sie praxisnahe Strategien und Tipps für die ersten Schritte im Social Commerce. Wir fokussieren uns auf die Erfolgsplattformen TikTok Shop und Instagram (Shops & Drops) sowie auf Influencer-Kooperationen als Wachstumsbooster. Außerdem erfahren Sie, wie Sie den passenden Kanal wählen, welche Content-Strategien funktionieren, wie Sie die Performance messen und welche rechtlichen Vorgaben und nützlichen Tools Sie beachten sollten.

Was ist Social Commerce und warum ist es wichtig?

Social Commerce bezeichnet den Vertrieb von Produkten und Dienstleistungen über soziale Netzwerke, also eine Fusion aus E-Commerce und Social Media. Während Social-Media-Marketing primär der Bekanntheitssteigerung dient, geht Social Commerce einen Schritt weiter: Hier findet der gesamte Kaufprozess – vom Produktentdecken über Auswahl bis Bezahlung – innerhalb der Social-Media-Plattform statt. Ein eigener Onlineshop wird streng genommen nicht mehr benötigt, denn der Sales Funnel wird direkt in den sozialen Medien abgebildet.

Für Onlinehändler bietet Social Commerce große Vorteile. Sie treffen potenzielle Kunden genau dort, wo diese ihre Zeit verbringen, und senken die Hürden beim Kaufabschluss (kein App-Wechsel, schneller Checkout). Besonders junge Käufergruppen wie die Gen Z lassen sich über visuelle Social-Media-Inhalte stark beeinflussen. Aber nicht nur Jugendliche shoppen über Social Media – für nahezu jede Altersgruppe gibt es passende Netzwerke zum Verkaufen. Kurz gesagt: Social Commerce ermöglicht es Unternehmen jeder Größe, mit nahtlosen, unterhaltsamen Shopping-Erlebnissen direkt im Feed zu punkten und so Umsätze zu steigern.

Die richtigen Social-Commerce-Plattformen wählen

Nicht jede Social-Media-Plattform passt gleich gut zu jedem Produkt oder jeder Zielgruppe. Überlegen Sie daher zunächst, wo Ihre Kunden hauptsächlich aktiv sind. Für ein junges Publikum (unter 30) bietet sich beispielsweise TikTok als Verkaufskanal an, während Millennials (30–40) oft auf Instagram besonders ansprechbar sind. Auch Facebook darf man nicht vergessen – es verfügt über die größte Nutzerbasis und eignet sich, um ein breiteres und etwas älteres Publikum zu erreichen. Pinterest ist wiederum ideal für sehr visuelle Branchen (z. B. Wohnen, DIY, Mode) und dient vielen als direkter Shopping-Einstieg.

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Wichtig ist, sich nicht zu verzetteln: Starten Sie mit ein oder zwei Plattformen, die am erfolgversprechendsten wirken, statt auf allen Kanälen gleichzeitig halbherzig aktiv zu sein. Schauen Sie in Ihre Analytics, welcher Social-Kanal aktuell das meiste Engagement für Ihre Marke generiert. Dort könnten Social-Commerce-Features den größten Hebel bieten. Haben Sie z. B. schon eine aktive Community auf Instagram, lohnt es sich, mit Instagram Shopping zu beginnen. Analysieren Sie Ihre Zielgruppe (Alter, Interessen) und testen Sie gezielt den vielversprechendsten Kanal – weitere Plattformen können Sie später immer noch hinzufügen, sobald Sie erste Erfahrungen gesammelt haben.

TikTok Shop: Erfolgreich auf TikTok verkaufen

TikTok ist die aufstrebende Social-Commerce-Plattform schlechthin und seit 2025 nun auch in Deutschland mit TikTok Shop verfügbar. Die App, bekannt für kurze kreative Videos, hat weltweit über eine Milliarde Nutzer – insbesondere junge Erwachsene. Über TikTok Shop können Marken und Händler Produkte direkt in TikTok verkaufen, ohne die Nutzer aus der App zu führen. Dafür stehen Videos, Live-Streams und ein Shop-Tab im Profil zur Verfügung, in dem Artikel präsentiert werden.

Der Start ist relativ einfach: Über das TikTok Seller Center oder eine Anbindung (z. B. via Shopify) richten Sie Ihren Shop ein und können Produkte aus Ihrem Katalog importieren. Es gibt keine Follower-Mindestanzahl für Händlerkonten, um im TikTok Shop zu verkaufen – somit können auch Newcomer sofort loslegen.

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Content ist King auf TikTok: Setzen Sie auf kurze, unterhaltsame Videos, die Ihre Produkte in Aktion zeigen. Nutzen Sie virale Sounds, Musik und Challenges, um Reichweite aufzubauen. Trends und Hashtags spielen eine große Rolle – erfolgreiche Marken springen z. B. mit eigenen kreativen Beiträgen auf virale Hashtags wie #TikTokMadeMeBuyIt auf, der bereits über 50 Milliarden Views verzeichnet. Durch solche Trend-Videos können im Handumdrehen Tausende Verkäufe generiert werden, denn TikTok-Nutzer kaufen häufig spontan, wenn ihnen ein begehrtes Produkt auffällt.

Ein bewährter Tipp für den TikTok Shop ist, mit Influencern und Creatorn zu kooperieren. TikTok bietet hierfür sogar einen eigenen Affiliate-Marktplatz, der Brands und Influencer zusammenbringt. Beliebte Creator können Ihre Produkte in ihren Videos vorstellen und erhalten für vermittelte Verkäufe Provisionen – eine Win-Win-Situation. Influencer-Marketing verleiht Ihren Produkten soziale Glaubwürdigkeit und kurbelt die Verkäufe nachweislich an. Sie können sowohl mit großen TikTok-Stars als auch mit Micro-Influencern arbeiten – letztere haben oft besonders engagierte Nischen-Communities und höhere Engagement-Raten, was zu authentischem Feedback und treuen Kunden führt.

Um Käufer zur richtigen Zeit abzuholen, nutzen viele Händler zudem Live-Shopping auf TikTok. Live-Streams ermöglichen es, Produkte in Echtzeit vorzuführen, Fragen direkt zu beantworten und durch begrenzte Angebote einen Kaufdruck aufzubauen. Zuschauer können direkt im Live-Video auf gezeigte Produkte klicken und kaufen. Dieses Format schafft eine persönliche Bindung und erhöht die Conversion – eine aktuelle Umfrage zeigt, dass bereits 16 % der 18–34-Jährigen per Livestream eingekauft haben. Planen Sie also gelegentlich Live-Events, etwa zu Produktneuheiten oder Aktionen, und bewerben Sie diese vorab, um genügend Zuschauer anzulocken.

Abschließend sollte Ihr TikTok Shop optimal eingerichtet sein: Verwenden Sie ansprechende Produktfotos und prägnante Beschreibungen. Exklusive Rabatte oder zeitlich limitierte Deals im TikTok Shop können zusätzliche Anreize schaffen. Denken Sie daran, dass TikTok als Plattform selbst ein Interesse an Ihrem Erfolg hat – das System wird Ihren Shop-Inhalt gezielt den Nutzern ausspielen, die am ehesten kaufen. Nutzen Sie also diese Chance, indem Sie aktiv Content produzieren, Trends mitmachen und die dynamische TikTok-Community einbinden. So erschließen Sie einen innovativen Verkaufskanal mit gewaltigem Wachstum: Über ein Drittel der TikTok-Nutzer hat schon mindestens einmal ein Produkt nach dem Sehen eines Videos oder einer Anzeige gekauft.

Instagram Shopping und Product Drops

Instagram hat sich in den letzten Jahren zu einer zentralen Social-Commerce-Plattform entwickelt. Über Instagram Shopping können Unternehmen einen Shop auf ihrem Profil einrichten und Produkte in Posts, Stories und Reels taggen. Nutzer sehen dann eine Produktdetailseite in der App mit Preis und Beschreibung und können den Artikel direkt kaufen oder für später speichern. Diese nahtlose In-App-Shopping-Erfahrung reduziert Absprünge: Interessenten müssen die App nicht verlassen, um zuzuschlagen.

Falls Instagram Checkout (der direkte In-App-Bezahlprozess) in Ihrem Land noch nicht verfügbar ist, können Sie den Kunden über den Produktlink dennoch bequem in Ihren Webshop führen. Stellen Sie sicher, dass Ihr Instagram-Profil einen klaren Link zum Shop enthält (z. B. in der Bio) und alle Produktlinks mobil optimiert sind, um den Kaufprozess so einfach wie möglich zu halten.

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Visuelle Qualität ist auf Instagram entscheidend. Die Plattform ist bildorientiert – ästhetische Fotos und Videos Ihrer Produkte wecken Interesse und Vertrauen. Untersuchungen zeigen, dass 60 % der Instagram-Nutzer neue Produkte dort entdecken und bei ansprechender Präsentation sofort kaufen möchten. Investieren Sie also in hochwertige Produktbilder, konsistente Filter/Branding und vielleicht sogar Kurzvideos (Reels), die Anwendung oder Unboxing zeigen. Ihr Instagram-Feed kann als visuelles Schaufenster für Ihren Shop dienen – kuratieren Sie ihn so, dass er Ihr Markenimage widerspiegelt und Kunden zum Stöbern einlädt.

Ein besonderes Feature auf Instagram sind die Product Drops. Dabei handelt es sich um limitiert verfügbare Produktneuheiten, die direkt auf Instagram angekündigt und zum Launch verkauft werden. Drops bauen gezielt Hype und FOMO (Fear of Missing Out) auf: Interessenten können einen Reminder setzen, der sie zum Startzeitpunkt benachrichtigt, damit sie das Produkt nicht verpassen. Dieses Prinzip, bekannt aus der Streetwear-Szene (Stichwort Supreme), funktioniert hervorragend, um Begehrlichkeit zu erzeugen. Instagram unterstützt Drops über den Shopping-Bereich der App, wo Nutzer anstehende Veröffentlichungen entdecken können.

Voraussetzung ist allerdings, dass Ihr Unternehmen für Instagram Shopping zugelassen ist und (in einigen Regionen) Instagram Checkout nutzt. Sollte das nicht verfügbar sein, können Sie dennoch das Drop-Prinzip manuell umsetzen: kündigen Sie limitierte Produkte auf Instagram an, zählen Sie in Posts/Stories einen Countdown herunter und veröffentlichen Sie den Kauf-Link zum Stichtag.

Für einen erfolgreichen Instagram Product Drop sollten Sie rechtzeitig planen. Bauen Sie Spannung auf, z. B. durch Teaser-Posts, Stories mit Sneak Peeks oder die Zusammenarbeit mit einem Influencer für den Drop. Planen Sie einige Wochen Vorlauf ein, um Ihre Follower neugierig zu machen. Am Launchtag selbst können Live-Streams auf Instagram helfen, direkt Fragen zu beantworten und die Community beim Release mitzunehmen – quasi ein virtuelles Launch-Event.

Und vergessen Sie nicht, Ihren Kundenservice auf Instagram vorzubereiten: Wenn ein Drop Hunderte Anfragen erzeugt, sollten Sie über DMs oder ein FAQ in den Story-Highlights schnell reagieren können. So hinterlassen Sie trotz Hype eine positive Kundenerfahrung.

Influencer-Kooperationen effektiv nutzen

Influencer-Marketing ist ein zentraler Bestandteil von Social Commerce, da Empfehlungen von glaubwürdigen Persönlichkeiten das Kaufverhalten stark beeinflussen. 89 % der Marketing-Experten bestätigen, dass Kooperationen mit Influencern einen vergleichbaren oder höheren ROI als andere Marketingkanäle erzielen. Für Onlinehändler bieten Influencer eine ideale Möglichkeit, Vertrauen und Reichweite aufzubauen: Die Followerschaft eines passenden Influencers sieht dessen Produktempfehlung oft als persönlichen Tipp, was die Hemmschwelle zum Kauf senkt.

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Bei der Auswahl von Influencern gilt: Klasse vor Masse. Suchen Sie nach Personen, die gut zu Ihrer Marke und Zielgruppe passen. Ein Micro-Influencer aus Ihrer Nische mit 20.000 engagierten Followern kann wertvoller sein als ein allgemeiner Celebrity mit Millionen Fans, die sich aber kaum für Ihr spezifisches Produkt interessieren. Mikro-Influencer weisen tendenziell höhere Engagement-Raten auf, was auf eine enge Bindung zur Community hindeutet – ideal, um authentisches Feedback zu generieren. Prüfen Sie die Interaktionen (Kommentare, Likes) und die Inhalte potenzieller Kooperationspartner, um sicherzustellen, dass sie glaubwürdig sind und Ihre Botschaft gut transportieren können.

Für eine erfolgreiche Influencer-Kooperation sollten beide Seiten profitieren. Überlegen Sie, welches Kooperationsmodell passt: Oft üblich sind gesponserte Posts/Stories, bei denen der Influencer Ihr Produkt kreativ in Szene setzt, oder Affiliate-Programme, bei denen er einen persönlichen Rabattcode/Link erhält und pro Sale eine Provision. Letzteres lässt sich sehr gut tracken und bietet dem Influencer einen Anreiz, aktiv Verkäufe zu fördern.

TikTok ermöglicht bspw. direkt ein Affiliate-Programm im TikTok Shop, und Instagram arbeitet mit Features wie Branded Content Tags oder dem Brand Collabs Manager, um Kooperationen transparent zu machen. Wichtig ist in jedem Fall, dem Influencer kreativen Spielraum zu lassen – enge Vorgaben wirken oft unauthentisch. Besser: Briefen Sie grob zu den USP Ihres Produkts, lassen Sie aber Tonalität und genaue Umsetzung dem Creator, der seine Community am besten kennt.

Nicht zu vernachlässigen sind die rechtlichen Aspekte von Influencer-Werbung (siehe Abschnitt „Rechtliche Hinweise“). Achten Sie darauf, dass Werbeposts klar als Anzeige gekennzeichnet werden – im Zweifel erinnern Sie Ihre Kooperationspartner daran, denn letztlich kann auch Ihr Unternehmen haftbar gemacht werden, falls Schleichwerbung betrieben wird.

Haben Sie diese Punkte bedacht, können Influencer-Kooperationen Ihrem Social-Commerce-Start einen kräftigen Schub geben: Sie sorgen für soziale Validierung, frischen Content und meist einen spürbaren Follower- sowie Umsatzanstieg. Zusätzlich steigt oft auch das allgemeine Engagement rund um Ihre Marke, was wiederum den Algorithmen der Plattformen signalisiert, Ihre Inhalte an noch mehr Nutzer auszuspielen.

Content-Strategie: Authentischer Content mit Mehrwert

Eine durchdachte Content-Strategie ist das Herzstück eines erfolgreichen Social-Commerce-Auftritts. Im Mittelpunkt stehen authentische, unterhaltsame und informative Inhalte, die Ihre Zielgruppe ansprechen – Hard-Selling allein funktioniert selten. Überlegen Sie, welchen Mehrwert Sie Ihren Followern bieten können: Das können Produkt-Demos, Tutorials, Stylingtipps, Rezepte oder Blicke hinter die Kulissen Ihres Unternehmens sein – je nachdem, was zu Ihrem Sortiment passt. Wichtig ist, Geschichten zu erzählen, statt nur Produkte anzupreisen.

Zum Beispiel könnte ein Modehändler via Reel die Entstehung einer neuen Kollektion dokumentieren oder ein Elektronik-Shop humorvolle Kurzvideos über Alltagsprobleme lösen, bei denen das Produkt hilft. Solche Storytelling-Ansätze erhöhen die Identifikation und bleiben in Erinnerung.

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Passen Sie Ihren Content an die Plattform und das Publikum an. Auf TikTok erwarten Nutzer eher schnelle, witzige Clips mit trendiger Musik, während Instagram mehr polished Ästhetik und Inspiration bietet. Nutzen Sie Shoppable Content, wo es geht – z. B. in Instagram-Posts mit Produkt-Tags oder in TikTok-Videos mit verknüpften Artikeln. Dadurch verkürzen Sie den Weg zum Kauf erheblich. Achten Sie aber darauf, trotzdem sozial zu bleiben: Stellen Sie Fragen in Captions, reagieren Sie auf Kommentare und bauen Sie Community-Elemente ein (z. B. Umfragen in Stories). Kunden wollen nicht das Gefühl haben, nur als Käufer gesehen zu werden – die Interaktion auf Augenhöhe schafft Bindung und Vertrauen.

Ein weiterer Aspekt der Content-Strategie ist Social Proof, also der Nachweis, dass andere schon begeistert bei Ihnen gekauft haben. Binden Sie Nutzerbewertungen, Testimonials oder User-Generated Content aktiv ein. Teilen Sie z. B. Instagram-Beiträge Ihrer Kunden, in denen diese Ihre Produkte zeigen, und bedanken Sie sich öffentlich dafür – so fühlen sich Käufer wertgeschätzt und andere potenzielle Kunden sehen echte Empfehlungen.

Auch das Inszenieren von Kundenstories („Unser Kunde X hat mit unserem Produkt Y folgendes erreicht…“) kann wirken. Darüber hinaus lohnt es sich, Influencer-Content mehrfach zu verwerten: Ein tolles Unboxing-Video einer Influencerin könnten Sie mit deren Erlaubnis auch auf dem eigenen Kanal posten oder als Werbung schalten.

Schließlich sollten Sie Konsistenz in Frequenz und Markenbotschaft sicherstellen. Erstellen Sie einen Redaktionsplan für Ihre Social-Media-Beiträge, um regelmäßig präsent zu sein. Die Abstände hängen vom Kanal ab (auf Instagram sind mehrere Posts pro Woche sinnvoll, auf TikTok kann auch täglicher Content vorteilhaft sein). Halten Sie Ihre Bildsprache und Tonalität einheitlich, damit Kunden Sie wiedererkennen – von der Farbwelt bis zur Wortwahl. Tools wie Planungs-Apps (siehe unten) helfen, Beiträge vorzubereiten und automatisiert zu veröffentlichen.

Behalten Sie Trends im Blick: Ein viraler Memes oder Challenge kann eine Chance sein, solange es zu Ihrer Marke passt. Insgesamt gilt: Authentizität vor Perfektion. In Social Media verzeihen Nutzer einen spontanen Handyclip eher als gestelzte Werbevideos. Zeigen Sie ruhig Persönlichkeit und beziehen Sie Ihre Community mit ein – dann wird Ihr Content nicht als Werbung, sondern als Bereicherung im Feed wahrgenommen.

Performance-Tracking und Optimierung

Nur wer seine Kennzahlen im Blick hat, kann seine Social-Commerce-Strategie laufend verbessern. Definieren Sie daher zu Beginn, welche KPIs (Key Performance Indicators) für Sie wichtig sind. Im Social Commerce lassen sich grob Reichweitenmetriken, Engagement-Metriken und Conversion-Metriken unterscheiden. Zur Reichweite zählen Kennzahlen wie Impressionen, Views, Profilaufrufe oder Follower-Wachstum – sie zeigen, wie viele Menschen Sie überhaupt erreichen. Engagement-Metriken wie Likes, Kommentare, Shares, Saves oder die Engagement-Rate (% der Nutzer, die interagieren) geben Aufschluss darüber, wie ansprechend Ihre Inhalte sind.

Am wichtigsten für den Vertrieb sind die Conversion-Metriken: Klicks auf Produktlinks, Add-to-Cart-Quoten, Checkout-Abschlussraten und natürlich Umsatz bzw. Anzahl der Verkäufe, die über Social Media generiert wurden.

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Zum Tracking stehen Ihnen mehrere Tools zur Verfügung. Jede Plattform bietet eigene Analytics: Instagram Insights zeigt z. B. Reichweite und Interaktionen pro Beitrag, während TikTok Analytics Daten zu Video-Views, Profil-Views und Follower-Trends bereitstellt. Nutzen Sie diese nativen Statistiken regelmäßig, um Top-Posts zu identifizieren: Welche Inhalte haben überdurchschnittlich viele Link-Klicks oder Verkäufe ausgelöst? An solchen Erfolgen können Sie Ihre Content-Strategie ausrichten.

Wenn Sie Traffic von Social Media in Ihren eigenen Shop leiten, arbeiten Sie unbedingt mit Tracking-Links (UTM-Parametern) in den URLs. So können Sie in Google Analytics genau auswerten, wie viele Nutzer von Instagram oder TikTok kamen und wie viele davon gekauft haben. Auch ein Facebook Pixel bzw. TikTok Pixel hilft, Conversions zuzuordnen und später Remarketing-Kampagnen zu fahren.

Beobachten Sie auch die Kosten-Nutzen-Relation Ihrer Maßnahmen. Falls Sie Anzeigen oder Influencer bezahlt einsetzen, tracken Sie KPIs wie CPC (Cost per Click), CPA (Cost per Acquisition) oder ROAS (Return on Ad Spend). Im Idealfall setzen Sie für jede Kampagne klare Ziele (z. B. 100 Sales über Instagram im Monat X) und prüfen den Erfolg. Social Commerce bietet viele Möglichkeiten zum Experimentieren: Testen Sie verschiedene Content-Formate (Video vs. Bild), unterschiedliche Posting-Zeiten oder wechselnde Call-to-Action-Buttons in Produktposts. Führen Sie A/B-Tests durch, wenn möglich – etwa zwei Varianten einer Produktbeschreibung – und beobachten Sie, was besser konvertiert.

Werten Sie die Daten mindestens monatlich aus und optimieren Sie kontinuierlich. Wenn z. B. TikTok deutlich mehr Verkäufe bringt als Instagram, könnte es sinnvoll sein, den Fokus dorthin zu verlagern oder in TikTok-Ads zu investieren. Zeigt sich, dass ein bestimmtes Produkt auf Social Media kaum Anklang findet, promoten Sie lieber andere Bestseller. Performance-Tracking ist auch wichtig, um intern Erfolge zu kommunizieren und Budget für Social Commerce zu rechtfertigen: Zahlen wie „Umsatz über Instagram in Q1“ sprechen eine klare Sprache. Insgesamt gilt: Hören Sie auf die Daten Ihrer Community. Social Media liefert in Echtzeit Feedback – nutzen Sie dieses, um Ihre Strategie schrittweise auf maximale Effektivität auszurichten.

Rechtliche Hinweise für Social Commerce

Bei aller Euphorie über Instagram-Shops und TikTok-Trends dürfen Sie die rechtlichen Spielregeln nicht außer Acht lassen. Denn auch im Social Commerce gelten die gleichen Gesetze wie im klassischen Online-Handel. Hier die wichtigsten Punkte, auf die Onlinehändler achten müssen.

Social Commerce: Strategien und erste Schritte für Onlinehändler
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Werbung kenntlich machen: Werbliche Posts und Stories müssen klar als Anzeige markiert sein. Dies gilt nicht nur für bezahlte Ads, sondern auch für organische Beiträge, sobald sie primär Ihr Produkt vermarkten. Nutzen Sie eindeutige Begriffe wie „Anzeige“ oder „Werbung“ gut sichtbar. Vorsicht: Schleichwerbung – also getarnte Werbung ohne Kennzeichnung – ist wettbewerbswidrig und kann teure Abmahnungen nach sich ziehen.

Influencer-Marketing rechtssicher gestalten: Stellen Sie sicher, dass auch Influencer-Posts über Ihre Produkte entsprechend gekennzeichnet sind. Zwar ist formal der Creator selbst dafür verantwortlich, aber Ihr Unternehmen kann in Mithaftung geraten, wenn Kooperationen nicht korrekt als Werbung erkennbar sind. Vereinbaren Sie also vertraglich mit Influencern, dass alle Vorgaben zur Werbekennzeichnung eingehalten werden.

Impressumspflicht erfüllen: Sobald Sie geschäftlich auf Social Media auftreten, benötigen Sie – wie auf einer Website – ein vollständiges Impressum. Viele Plattformen bieten ein Impressum-Feld im Profil. Nutzen Sie dieses und tragen Sie Ihre Unternehmensdaten (Name, Anschrift, Kontakt, ggf. Handelsregister etc.) ein. Fehlt das Impressum, drohen Abmahnungen wegen Verstoßes gegen die Informationspflicht.

Wahrheit in der Werbung: Bleiben Sie ehrlich. Das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) untersagt irreführende Werbung. Behaupten Sie also nichts, was Sie nicht halten können – z. B. unrealistische Wirkversprechen oder gefälschte Kundenbewertungen sind tabu. Ebenso sollten Sie nur echte Testimonials verwenden und transparent machen, falls es sich um Inszenierungen handelt. Authentizität ist nicht nur ein Marketingwert, sondern auch rechtlich sicherer.

Urheberrechte beachten: In sozialen Medien ist es verlockend, schnell mal ein Bild, Video oder Musikstück zu nutzen. Doch verwenden Sie nur Inhalte, an denen Sie die Nutzungsrechte besitzen. Das betrifft Produktfotos, Grafiken und insbesondere Musik in Videos. Viele Plattformen (Instagram, TikTok) stellen Musikbibliotheken bereit – nutzen Sie bevorzugt diese, damit es keine Probleme mit Musikrechten gibt.

AGB und Widerrufsrecht: Betreiben Sie einen Shop über Social Media (sei es via Instagram Checkout, TikTok Shop oder auch nur durch Bestellannahme per DM), müssen Sie wie in jedem Online-Shop Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) vorhalten. Darüber hinaus gilt bei Verbraucher-Geschäften das gesetzliche Widerrufsrecht – Kunden müssen also über ihr 14-tägiges Rückgaberecht informiert werden. Diese Informationen sollten leicht zugänglich sein, z. B. verlinkt im Profil oder während des Kaufprozesses.

Preisauszeichnung und Datenschutz: Achten Sie auf transparente Preisangaben – gemäß Preisangabenverordnung müssen alle Kosten (inkl. Mehrwertsteuer und Versand) klar ersichtlich sein, auch wenn Sie direkt im Social-Media-Beitrag verkaufen. Und: Sofern Sie im Rahmen des Verkaufs personenbezogene Daten erheben (z. B. für Versand oder Newsletter), greifen die Datenschutzregeln (DSGVO). Stellen Sie sicher, dass Sie eine Datenschutzerklärung bereithalten und ggf. Einwilligungen (z. B. für Newsletter) einholen.

Kurzum: Behandeln Sie Ihren Social-Media-Verkaufskanal genauso professionell wie einen eigenen Shop in puncto Rechtssicherheit. Dann schützen Sie sich vor kostspieligen Abmahnungen und gewinnen das Vertrauen Ihrer Kunden.

Nützliche Tools und Ressourcen für den Einstieg

Der Einstieg in Social Commerce lässt sich mit den richtigen Tools deutlich erleichtern. Hier einige hilfreiche Werkzeuge und Ressourcen, die Sie in Betracht ziehen sollten.

Social Commerce: Strategien und erste Schritte für Onlinehändler
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Shop-Integration

Wenn Sie bereits einen Online-Shop betreiben (etwa mit Shopify, Shopware, WooCommerce etc.), prüfen Sie die Schnittstellen zu Social Media. Viele Shop-Systeme bieten Plugins oder Apps, um Ihren Produktkatalog direkt in Facebook/Instagram oder TikTok zu integrieren. Zum Beispiel können Shopify-Händler Produkte mit wenigen Klicks in einen Facebook- und Instagram-Shop importieren oder die TikTok-Shopify-App nutzen, um Produkte bei TikTok einzuspielen. So sparen Sie Zeit und halten Lagerbestand und Preise automatisch synchron.

Content-Erstellung & Design

Für ansprechende Social-Media-Beiträge brauchen Sie kein riesiges Grafikteam. Tools wie Canva, VistaCreate oder Adobe Express bieten vorgefertigte Vorlagen für Instagram-Posts, Story-Formate, Pinterest-Pins oder TikTok-Videos. Mit Drag-and-Drop gestalten Sie professionelle Grafiken im passenden Format – auch ohne Designkenntnisse. VistaCreate (früher Crello) z. B. stellt zahlreiche animierte Templates bereit, mit denen Sie Ihre Inhalte hervorheben können. Für Video-Editing sind kostenlose Apps wie CapCut (passend für TikTok) oder InShot beliebt, um Clips zuzuschneiden, Untertitel hinzuzufügen oder Effekte einzubauen.

Social-Media-Management

Um den Überblick über Ihre Social-Commerce-Aktivitäten zu behalten, lohnt sich der Einsatz eines Social-Media-Management-Tools. Plattformen wie Hootsuite, Buffer, Later oder Sprout Social ermöglichen es, Beiträge im Voraus zu planen und automatisch zu veröffentlichen, auf Kommentare und Nachrichten zu antworten und mehrere Profile zentral zu verwalten. So können Sie z. B. einen monatlichen Posting-Kalender erstellen und sicherstellen, dass Ihr Kanal regelmäßig bespielt wird – auch wenn Sie mal im Urlaub sind. Zudem bieten diese Tools oft übersichtliche Analytics-Dashboards, in denen Sie die Performance aller Posts und Kanäle auf einen Blick verfolgen und vergleichen können.

Analyse und Tracking

Ergänzend zu den nativen Insights der Plattformen gibt es Tools, die tiefergehende Analyse ermöglichen. Google Analytics (mit eCommerce-Tracking) bleibt ein Muss, um den Weg vom Social-Media-Klick bis zum Kauf im Shop nachzuvollziehen. Mit dem Google Tag Manager können Sie zudem bequem Tracking-Pixel (für Facebook, TikTok etc.) einbinden, ohne an den Code Ihrer Website zu müssen – so machen Sie Ihren Social-Commerce-Erfolg messbar. Spezialisierte Tools wie Brandwatch, Emplifi oder Sprout Social (Enterprise-Bereich) erlauben zusätzlich Social Listening – Sie erfahren, was im Netz über Ihre Marke gesprochen wird – und helfen dabei, Kundenzufriedenheit und Trends im Auge zu behalten.

Influencer und Community

Für die Suche nach passenden Influencern gibt es ebenfalls Hilfsmittel. Der TikTok Creator Marketplace etwa ist ein offizielles Tool, um Influencer nach Branche, Reichweite und Zielgruppe zu finden und Kooperationen anzubahnen. Meta bietet für Facebook/Instagram den Brand Collabs Manager, wo Unternehmen Influencer-Profilen begegnen können, die an Partnerschaften interessiert sind. Daneben existieren Plattformen wie Upfluence, Influry oder Reachbird, die Marktplätze für Influencer-Kampagnen darstellen. Nutzen Sie solche Tools, um effizient Kontakte zu knüpfen, Kampagnen zu managen und die Performance von Influencer-Posts (z. B. Klicks, Sales) auszuwerten.

Weiterbildung & Inspiration

Social Commerce ist ein junges Feld – bleiben Sie up to date! Plattformen selbst bieten oft Ressourcen: TikTok etwa hat eine TikTok Shop Academy mit Video-Tutorials für Händler. Instagram publiziert Leitfäden im Business Blog zu erfolgreichen Shops und neuen Features. Folgen Sie Branchennews (z. B. dem Social Media Watchblog) und schauen Sie sich an, was erfolgreiche Wettbewerber so treiben. Aus deren Best Practices können Sie lernen. Nicht zuletzt: Holen Sie Feedback von Ihren Kunden ein – per Instagram-Umfrage oder TikTok Q&A – welche Inhalte und Features sie sich wünschen. So entwickeln Sie Ihr Social-Commerce-Angebot stetig weiter.

Social Commerce – neue Wege zum Kunden

Social Commerce eröffnet Onlinehändlern neue, direkte Wege zum Kunden. Kanäle wie TikTok und Instagram werden zu Marktplätzen, auf denen Unterhaltung und Shopping verschmelzen. Mit den oben genannten Strategien – von der richtigen Plattformwahl über kreative Content-Formate bis hin zu Influencer-Power – legen Sie den Grundstein für einen erfolgreichen Start. Wichtig ist, klein anzufangen, auszuprobieren und aus den Erkenntnissen zu lernen.

Stimmen Sie Ihre Ansätze auf Ihre Zielgruppe ab und behalten Sie die Kennzahlen im Blick, um kontinuierlich zu optimieren. Wenn Sie zudem die rechtlichen Spielregeln einhalten und hilfreiche Tools nutzen, steht einem professionellen Social-Commerce-Auftritt nichts im Wege.

Social Commerce: Strategien und erste Schritte für Onlinehändler
Social Commerce: Strategien und erste Schritte für Onlinehändler

Nutzen Sie die Chance, Ihre Reichweite in echte Verkäufe umzuwandeln und gleichzeitig eine engere Bindung zur Kundschaft aufzubauen. Social Commerce ist mehr als ein Trend – es ist für viele Shopper bereits Alltag und wird in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Steigen Sie jetzt ein, um sich einen Vorsprung zu sichern und Ihre Marke dort erlebbar zu machen, wo Ihre Kunden sich täglich tummeln: in den sozialen Medien.