OnlyFans plant Verkauf: Plattform soll bis zu 8 Milliarden US-Dollar wert sein

OnlyFans ist eine Online-Plattform, die vor allem durch erotische und pornografische Inhalte bekannt wurde. Gegründet 2016 in London, erlebte sie insbesondere während der COVID-19-Pandemie einen Boom. Content-Creator können dort Fotos und Videos gegen Abonnementgebühren anbieten, wobei OnlyFans 20 % der Einnahmen als Provision einbehält. Dieses Geschäftsmodell führte zu rasantem Wachstum: Der Umsatz explodierte von 375 Millionen US-Dollar im Jahr 2020 auf 6,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023. Trotz des Erfolgs steht die Plattform aufgrund ihres Fokus auf Erwachsenenunterhaltung in der Kritik. Aktuell sorgt OnlyFans jedoch aus einem anderen Grund für Schlagzeilen – der Eigentümer prüft einen möglichen Verkauf des Unternehmens.

OnlyFans plant Verkauf: Plattform soll bis zu 8 Milliarden US-Dollar wert sein
OnlyFans plant Verkauf: Plattform soll bis zu 8 Milliarden US-Dollar wert sein

Verkaufsabsichten und beteiligte Investoren

Insidern zufolge verhandelt der OnlyFans-Eigentümer Fenix International Ltd. derzeit mit einer Investorengruppe über einen Verkauf zu einer Bewertung von rund 8 Milliarden US-Dollar. Die Gespräche sollen bereits seit März 2025 laufen und könnten in Kürze zum Abschluss kommen. Allerdings betonen die mit der Angelegenheit vertrauten Personen, dass ein Abschluss nicht garantiert ist wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mehrere anonyme Quellen berichtet.

Angeführt wird die Investorengruppe von der US-Investmentfirma Forest Road Company mit Sitz in Los Angeles. Forest Road ist auf Medien- und Digitalunternehmen spezialisiert und war bereits 2022 in Überlegungen involviert, OnlyFans über einen SPAC-Börsengang an die Börse zu bringen. Neben Forest Road sollen auch weitere potenzielle Käufer Interesse gezeigt haben – Fenix International steht mit mehreren Interessenten in Kontakt. Als Alternative zu einem Verkauf wird daher weiterhin ein möglicher Börsengang erwogen. Bislang lehnten sowohl OnlyFans selbst als auch Forest Road öffentliche Kommentare zu den Verkaufsgerüchten ab.

Wirtschaftliche Entwicklung und Bewertung

OnlyFans hat sich in wenigen Jahren zu einem äußerst lukrativen digitalen Geschäftsmodell entwickelt. Über 4 Millionen Creator (Inhaltsersteller) produzieren Inhalte für rund 300 Millionen registrierte Nutzer auf der Plattform. Durch die Abgaben der Creator erzielte OnlyFans im Geschäftsjahr 2023 einen Umsatz von 6,6 Mrd. US-Dollar. Die hohe Popularität – insbesondere in den USA, von wo etwa zwei Drittel der Einnahmen stammen – macht OnlyFans zu einem bedeutenden Akteur der Creator Economy.

Auch die Profitabilität ist bemerkenswert: Der alleinige Eigentümer Leonid Radvinsky (ein in der Ukraine geborener US-Techunternehmer) hat sich in den vergangenen drei Jahren über 1 Milliarde US-Dollar an Dividenden ausbezahlt. Branchenbeobachter schätzen den Gewinn im Jahr 2023 auf fast 0,5 Mrd. US-Dollar – ein Hinweis auf enorme Gewinnmargen. Die angestrebte Bewertung von 8 Mrd. US-Dollar für OnlyFans unterstreicht die wirtschaftliche Bedeutung der Plattform. Ein Deal in dieser Größenordnung wäre beispiellos in der digitalen Erotikbranche und würde zu den größten Exits in der Geschichte der Plattformökonomie zählen. Zum Vergleich: Selbst die populäre Porno-Website Pornhub soll Berichten zufolge für weniger als 1 Mrd. US-Dollar den Besitzer gewechselt haben, und andere Creator-Plattformen wie Patreon oder Substack werden deutlich geringer bewertet.

Markenimage und Herausforderungen

Trotz beeindruckender Geschäftszahlen bleibt OnlyFans aufgrund seines Inhaltsangebots umstritten. Die Plattform ist zwar nicht ausschließlich pornografisch – auch einige Musiker oder Fitness-Trainer veröffentlichen dort Content – doch ihr Ruf wird maßgeblich von der großen Präsenz erotischer Inhalte und Sexarbeiter geprägt. Viele verbinden den Namen OnlyFans nahezu synonym mit Online-Pornografie. Dieses Markenimage als „Porno-Plattform“ erschwert Kooperationen mit seriösen Partnern und schreckt manchen Investor ab.

Hinzu kommen handfeste Inhalts- und Compliance-Probleme. In den USA wurden seit 2019 Fälle bekannt, in denen auf OnlyFans Missbrauchsdarstellungen von Minderjährigen sowie nicht-einvernehmliche Pornografie verbreitet wurden. Berichten zufolge nutzen sogar Menschenhändler die Plattform, um Opfer auszubeuten. Solche Skandale haben dazu geführt, dass viele große Banken und Investoren OnlyFans meiden. Für die meisten Finanzinstitute gilt das Unternehmen wegen der schwer kontrollierbaren pornografischen Inhalte als „rotes Tuch“ (No-Go).

Das sogenannte “Filth Factor” – also der Ruf als schmutziges Geschäft – stellt ein erhebliches Hindernis dar, wenn es um Reputation und Due-Diligence-Prüfungen geht. Selbst Zahlungsdienstleister zeigten sich in der Vergangenheit kritisch: 2021 sah sich OnlyFans kurzfristig gezwungen, ein Verbot expliziter Inhalte anzukündigen, nachdem Banken mit dem Ausstieg drohten. Dieser Schritt wurde zwar nach lautstarken Protesten der Creator-Community wieder rückgängig gemacht, machte jedoch deutlich, unter welchem Druck die Plattform im traditionellen Finanzumfeld steht.

Dabei wird durchaus auch die andere Seite des OnlyFans-Modells diskutiert. Befürworter betonen, dass die Plattform neuen Zielgruppen – darunter Sexarbeiterinnen, queere Menschen und unabhängigen Creators – Einkommen und Kontrolle über eigene Inhalte ermöglicht. So feierten einige Stimmen OnlyFans zu Beginn als Werkzeug eines moderneren, selbstbestimmten Umgangs mit Erotik und Influencer-Kultur. Im Mainstream überwiegt jedoch nach wie vor die kritische Wahrnehmung. Das Markenimage von OnlyFans bleibt eng mit Erwachsenenunterhaltung verknüpft und stellt ein zentrales Risiko für die weitere Expansion dar.

Zukunftsaussichten für OnlyFans

Die kommenden Monate dürften für OnlyFans wegweisend sein. Gelingt der Verkauf zu der angepeilten Milliardenbewertung, wäre das ein Novum – ein Signal, dass Investoren trotz Erotik-Schwerpunkt an das Wachstumspotenzial der Plattform glauben. Ein solcher Erfolg könnte einen Paradigmenwechsel markieren, wie digitale Adult-Plattformen in Zukunft bewertet und akzeptiert werden. Scheitert der Deal hingegen oder kommt nur zu deutlich niedrigeren Konditionen zustande, würde dies die bestehenden Vorbehalte gegenüber dem Geschäftsmodell bestätigen. In diesem Fall müsste OnlyFans andere Wege suchen, etwa einen eigenständigen Börsengang oder eine stärkere Fokussierung auf Nischenmärkte.

Unabhängig vom Ausgang der Verhandlungen steht das Unternehmen vor der Herausforderung, seine Profitabilität und Reichweite langfristig zu sichern, ohne an gesellschaftlicher Akzeptanz zu verlieren. Strategische Weichenstellungen sind absehbar: Branchenexperten halten es für möglich, dass OnlyFans künftig stärker diversifiziert wird und versucht, mehr Mainstream-Inhalte auf die Plattform zu holen. Denkbar sind Investitionen in strengere Inhaltskontrollen und Jugendschutz, um regulatorische Risiken zu reduzieren, oder Partnerschaften, die das Angebot über den Erotikbereich hinaus erweitern. Gleichzeitig darf das Unternehmen seine Kernnutzer – die für den Großteil der Einnahmen sorgen – nicht vergraulen.

Für die Plattformökonomie und Creator-Branche insgesamt ist OnlyFans damit ein spannender Fall. Die Firma hat bewiesen, dass direkte Monetarisierung von Inhalten in großem Maßstab möglich ist. Ob dieses Erfolgsmodell unter neuen Eigentümern weiter florieren kann oder an seinem kontroversen Image scheitert, wird nun zum Prüfstein für den Markt. Anleger und Beobachter werden genau verfolgen, wie sich das Schicksal von der Plattform entwickelt – denn es könnte zum Gradmesser dafür werden, wie viel „Innovation mit Erwachsenencontent“ die etablierte Finanzwelt bereit ist zu akzeptieren.